Nach Pleitegeier-Bericht
Jetzt spricht der Chef von Das Zelt über die Finanzen

Hinter der schillernden Fassade von Das Zelt brodelt es: Offene Rechnungen und grosse Pläne. Mit Blick spricht der Chef Adrian Steiner zur finanziellen Situation.
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Seit 2002 leitet der ehemalige Artist und Rechtsanwalt Adrian Steiner das grösste Schweizer Tourneetheater Das Zelt.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

  • «Das Zelt»-Direktor Adrian Steiner nimmt zu Finanzkrisen-Bericht Stellung
  • Es geht um offene Rechnungen, Betreibungen und Pläne
  • 3,5 Millionen Besucher in 24 Jahren, Jubiläum 2027 nicht gefährdet
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Alles wirkt wie gewohnt. Lichterketten, roter Teppich, bekannte Gesichter. Doch hinter der Zeltplane des traditionsreichen Schweizer Showunternehmens Das Zelt scheint es zu brodeln.

Am Dienstagabend lud Gründer und Firmenchef Adrian Steiner (58) am Teuchelweiher in Winterthur zum «Comedy Club». Auf der Bühne standen Stefan Büsser (40), Fabian Unteregger (48), Julia Steiner (43) – dazu als Programmpunkt die Esteriore Brothers. Nach aussen: Routine. Hinter den Kulissen: Nervosität.

Ausstehende Zahlungen

Denn nach Informationen aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen steht «Das Zelt» finanziell unter Druck, wie der «Klein Report» am Mittwoch schreibt. Gemäss deren Quellen seien Honorare für Künstler, Techniker und weitere Mitwirkende ausstehend. Einzelne Beteiligte würden Monate auf Zahlungen warten. Auch Blick weiss von offenen Rechnungen

Ein Insider spricht beim «Klein Report» von angespannten Finanzen und davon, dass aktuell intensiv nach neuen Partnern und Geldgebern gesucht werde. Vor Ende März sei kaum mit einer spürbaren Entlastung zu rechnen, heisst es. 

Der Druck sei entsprechend gross, auf dem Schreibtisch des Chefs sollen sich mehrere Betreibungen befinden. Dazu sagt Adrian Steiner gegenüber Blick: «Es ist teilweise zu Zahlungsverzögerungen und Betreibungen gekommen, wobei gewisse Forderungen berechtigt und andere ungerechtfertigt sind.»

Seit der Gründung 2002 seien immer alle Rechnungen bezahlt worden, immer, betont Steiner. Die Situation bestünde nur vorübergehend. «Die Summe der Ausstände ist unter fünf Prozent vom Umsatz. Dies ist unangenehm, im Gesamtkontext ist das Problem lösbar.»

Erfolgreiches Showformat

Im Umfeld einzelner auftretender Künstler wird die Situation aufmerksam verfolgt. Auf Anfrage von Blick, ob bei ihnen noch Rechnungen offen seien, sagt das Management von Luca Hänni (31) und Gattin Christina (35): «Bei uns ist diesbezüglich alles erledigt.» 2023 führten der Musiker und die Profitänzerin gemeinsam durch das Programm «Young Artists – Best of Switzerland».

Das Zelt ist – neben dem Circus Knie – eines der erfolgreichsten Showformate des Landes, das grösste Tourneetheater mit 3,5 Millionen Besuchenden innerhalb der letzten 24 Jahre. Nächstes Jahr steht die grosse Jubiläumsfeier an. In Gefahr sei diese nicht.

Doch es zeigt sich, wie fragil das Geschäftsmodell eines nicht subventionierten Kulturbetriebs sein kann. Hohe Fixkosten, parallele Produktionen, teure Vorfinanzierungen – und ein Markt, der empfindlich reagiert.

Hart getroffen

Die Corona-Pandemie habe Das Zelt hart getroffen. «An 580 Tagen ist der Spielbetrieb durch den Bundesrat untersagt worden. Unsere Branche hat saisonale Schwankungen, und diese sind in diesem Jahr im ersten Quartal stärker ausgefallen als sonst», so Steiner, der dies auch auf die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten beim Endkonsumenten zurückführt.

«Ich bin überzeugt, dass sich dies über den Zyklus wieder ausgleicht», so Adrian Steiner, der klarstellt: Das Zelt stehe absolut nicht vor dem Aus. «Im Gegenteil. Die Auftragsbücher sind so voll wie nie.»

Ringier Medien Schweiz ist aktuell mit Blick und Schweizer Illustrierte Medienpartner der «Das Zelt»-Shows.  

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