Piero Esteriore setzt sich für «Das Zelt» ein
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«Kulturelle Institution»:Piero Esteriore setzt sich für «Das Zelt» ein

Knall in der Eventbranche
«Das Zelt» stoppt per sofort die Tournee – doch Chef Steiner hat Rettungsplan

Erschütterung in der Schweizer Kulturszene: «Das Zelt» pausiert erstmals in 24 Jahren. Finanzielle Engpässe zwingen zur Absage von 17 Shows und 3 Events. Direktor Adrian Steiner kämpft um die Rettung – 73 Künstler sind betroffen.
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«Das Zelt»-Direktor Adrian Steiner.
Foto: Rene Tanner

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • «Das Zelt» stoppt Tournee ab 30. Mai wegen finanzieller Probleme
  • 73 Künstler, darunter Remo Forrer, verlieren ihre Engagements ab Juni
  • 185 Investoren sammelten bisher 245'000 Franken für Rettungsplan
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Flavia SchlittlerRoyal- und People-Expertin

Das grösste mobile Kultur- und Eventtheater der Schweiz zieht die Notbremse: Per 30. Mai pausiert «Das Zelt» seine Tournee. Die Shows an den Standorten St. Gallen und Luzern finden nicht statt. Betroffen sind 17 Vorstellungen und drei Corporate Events. Ein harter Schritt für alle Beteiligten. «Uns bleibt aktuell nichts anderes übrig», sagt Direktor Adrian Steiner (58) zu Blick. Und: Er habe trotz dieser Schocknachricht Grund zum Optimismus.

Es sind emotionale Tage für das Schweizer Kulturschaffenden. Erstmals in der 24-jährigen Erfolgsgeschichte des Unternehmens ruht der Betrieb. Für 73 Künstlerinnen und Künstler, darunter ESC-Star Remo Forrer (24), Sänger Piero Esteriore (48) und die schwangere Sängerin Börni Höhn (39), bedeutet dies das Einstellen ihrer Gagen, da es keine Ausfallversicherung gibt. Auch die Ticket-Rückerstattungen müssen aufgrund der aktuellen Liquiditätsengpässe vorerst warten – das Vertrauen der treuen Fans soll jedoch belohnt werden, sobald die Tournee weitergeht. Im besten Fall ab September.

Zu grosser Kostenfaktor

Die Gründe für den sofortigen Stopp liegen gemäss «Das Zelt»-Gründer Steiner in einer «Verkettung schwieriger Umstände». Zum einen hallen die harten Pandemiejahre nach. «Wir hatten 100 Prozent Ausfall während 580 Tagen, wurden vom Bund aber nur zu 80 Prozent entschädigt», erklärt Adrian Steiner rückblickend. Zum anderen erwies sich das visionäre Mega-Projekt «The Dome» – ein imposantes, dreiteiliges Zeltmodul für bis zu 5000 Gäste – als zu grosser Kostenfaktor. Die enormen Transport- und Logistikkosten lasteten die letzten fast vier Jahre zu schwer auf dem Budget.

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, steuert die Führung nun mit Unterstützung einer Treuhandfirma gegen. «Damit wir den Konkurs abwenden, die Kosten herunterfahren und uns neu aufstellen können, braucht es diese sofortige Massnahme», so Steiner. Die 70 Angestellten sind ab Juni auf Kurzarbeit gesetzt, was dank der Bewilligung des Kantons Basel-Stadt die nötige Atempause verschaffe. «Es tut mir für alle leid, die eine finanzielle Einbusse haben. Aktuell geht es nicht anders, doch es kommt alles wieder gut», ist sich Steiner sicher.

Neue Geldquellen sind da

Der Glaube an die Kulturplattform ist ungebrochen. Das zeigt sich auch beim Publikum: Über ein neues Partizipationsmodell kamen seit März durch 185 Kleininvestoren bereits 245'000 Franken zusammen. Diese unlimitierten Scheine können ab 250 Franken bezogen werden. Zudem konnten neue Aktionäre gewonnen werden, weitere werden gesucht, wie auch Sponsoren und Hospitality-Kunden.

Recherche-Hinweise

Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch

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Der Rettungsplan steht: Das kostspielige Riesenzelt «The Dome» soll verkauft oder an einem festen Standort etabliert werden. Auf Tournee geht es künftig wieder mit dem bewährten, deutlich wirtschaftlicheren Chapiteau-Zelt. Gleichzeitig laufen Verhandlungen mit Sponsoren im siebenstelligen Bereich.

«Erfreulich ist zudem, dass die erfolgreichsten Starkomiker der Schweiz, Divertimento, sowie die bekannten Berner Kultmoderatoren Moser & Schelker mit der ‹Sprechstunde› ihre Tourneen in ‹Das Zelt› im vierten Quartal fortsetzen werden», verkündet der Direktor.

Adrian Steiner bleibt zuversichtlich und peilt den Neustart für den kommenden Herbst an: «Ich bin überzeugt, dass wir mit einer verschlankten Materialstruktur und neuen Partnern ab September wieder auf Tournee gehen können. Wir machen nur eine Pause, um danach umso stärker und gesünder zurückzukehren.»

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