Darum gehts
- Ex-Miss Schweiz Whitney Toyloy, 36, liess ihre Eizellen einfrieren
- Social Freezing in der Schweiz: 2019 800 Zyklen, 2024 bereits 3000
- Kosten pro Zyklus: 6000–9000 CHF, Lagergebühren 300–600 CHF jährlich
«Ich weiss, dass ich Mutter werden will, seit ich klein war», sagt Whitney Toyloy. 2008 wurde sie zur Miss Schweiz gewählt, danach besuchte sie die Hotelfachschule in Lausanne und arbeitet heute als Content Creatorin. Schon als Zehnjährige habe sie Namenslisten für ihre künftigen Kinder angelegt. Nun ist sie 36 und hört die biologische Uhr ticken. «Ich möchte mir ein bisschen mehr Zeit geben. Darum habe ich Eizellen einfrieren lassen.» Denn, so Toyloy: «Ich will nicht mit dem erstbesten Mann ein Kind bekommen müssen.»
Für die Lausannerin ist das Social Freezing, wie das Einfrieren der Eizellen genannt wird, ein Akt der Emanzipation. Was einfach klingt, ist ein komplexes medizinisches Verfahren. «Die emotionale und körperliche Belastung durch die Hormonbehandlung habe ich total unterschätzt», gesteht sie. «Es ist anstrengend, sich zwei Wochen lang jeden Tag Spritzen zu verabreichen und den Stress der Untersuchungen zu erleben.» Mit ihrer Offenheit will Toyloy ein gesellschaftliches Tabu brechen und Aufklärung leisten: «Die Schweiz hinkt beim Einfrieren von Eizellen hinterher.»
Interesse wird immer grösser
Social Freezing ist kein Nischenthema, bestätigt die Gynäkologin und Reproduktionsmedizinerin Angela Vidal, 36. «2019 gab es in der Schweiz rund 800 Zyklen, in denen Eizellen eingefroren wurden. 2024 waren es bereits rund 3000. Das ist eine deutliche Zunahme.» Neben Karrieregründen gehe es den Frauen vor allem um den Erhalt ihrer reproduktiven Autonomie – denn das biologische Zeitfenster für eine Schwangerschaft ist eng. «Zwischen 30 und 35 Jahren sind Qualität und Anzahl der Eizellen am höchsten, danach sinken sie rasch.»
Der Prozess der Entnahme der Eizellen erfordert Disziplin. Alles beginnt mit einer Standortbestimmung per Ultraschall und der Messung des Anti-Müller-Hormons (AMH) im Blut. Dieses Hormon – der AMH-Wert – gibt neben anderen Faktoren einen Hinweis darauf, wie gross die Eizellreserve ist. Danach startet die rund zweiwöchige Stimulation: Täglich müssen Hormone unter die Haut injiziert werden. «Ab dem richtigen Zeitpunkt lösen wir den Eisprung aus. Circa 36 Stunden danach führen wir die Eizellenentnahme durch», so Vidal.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Am selben Tag werden die reifen Eizellen von 37 Grad auf minus 196 Grad schockgefroren. Der ambulante Eingriff erfolgt unter kurzer Sedierung oder auf Wunsch schmerzarm ohne Narkose. Der Weg zum Eizellen-Depot sei herausfordernd, bestätigt die Expertin. Neben Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen wiegt ein anderer Faktor schwer: «die emotionale Belastung». Zudem entscheidet die individuelle Reserve über den Erfolg: Die eine Frau gewinnt 20 Eizellen aufs Mal, eine andere nur fünf. «Da ist es umso wichtiger, dass man dranbleibt, um ein gutes Depot anzulegen.»
DCX STORY: doc86uvl5aelqg1lf3hmlpp [Info]
Mit diesen Kosten muss Frau rechnen
Die Kosten des Social Freezing werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Je nach Zentrum belaufen sie sich für Behandlung und Medikamente auf 6000 bis 9000 Franken pro Zyklus, plus jährliche Lagergebühren von 300 bis 600 Franken. Benötigt man die Eizellen später für eine künstliche Befruchtung, fallen erneut 6000 bis 9000 Franken an. Bei 80 Prozent Überlebensrate nach dem Auftauen brauchen Frauen unter 35 für eine Schwangerschaftschance 10 bis 15 Eizellen.
Whitney Toyloy konnten beim ersten Zyklus drei Eizellen entnommen werden. «Für den zweiten und dritten Zyklus bin ich nach Spanien gegangen, wo weitere elf entnommen wurden. Wenn es nur nach mir ginge, würde ich vor meinem 40. Lebensjahr kein Kind bekommen.»