Gesundheit im Job
Wenige Fehltage – Warnsignal für toxisches Arbeitsklima?

Wenig Krankmeldungen gelten als gutes Zeichen – doch aktuelle Studien zeigen: Dahinter kann ein Problem stecken. Wer krank arbeitet, statt zu fehlen, riskiert langfristige Ausfälle. Das offenbart oft ein belastetes Arbeitsklima.
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Was tun, wenn der Körper streikt? Auskurieren oder trotzdem zur Arbeit?
Foto: imago/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Studien: Tiefe Fehlzeiten könnten problematisches Arbeitsklima signalisieren
  • Schlechte Chefs: Weniger Absenzen durch Präsentismus und Krankheitsscham
  • 57 Prozent psychischer Arbeitsunfähigkeiten durch Arbeitsplatzkonflikte verursacht
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Daniel MacherRedaktor News

Wenige Krankmeldungen gelten in vielen Unternehmen als Erfolg. Sie werden oft mit guter Führung, hoher Motivation und einem gesunden Arbeitsumfeld gleichgesetzt. Und für Unternehmen sind Fehltage der Angestellten eine finanzielle Belastung: «Ein Mitarbeiter, der ausfällt, kostet uns 1000 Franken pro Tag», sagte Martin Lörtscher, CEO des Lastwagenunternehmens Hugelshofer Logistik, zu Blick.

Doch sind tiefe Fehlzeiten wirklich nur positiv? Eine aktuelle Schweizer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigt: Besonders wenige Krankmeldungen können auch ein Hinweis auf ein problematisches Arbeitsklima sein – mit potenziell gravierenden Folgen für die Gesundheit der Mitarbeitenden.

Der Grund dafür ist ein Phänomen, das in der Arbeitswelt zunehmend in den Fokus rückt: Präsentismus. Gemeint ist, dass Mitarbeitende trotz Krankheit oder psychischer Belastung weiterarbeiten – im Büro oder im Homeoffice. Kurzfristig bleibt der Betrieb stabil, langfristig steigt jedoch das Risiko für Erschöpfung, längere Ausfälle und Burnout.

Schlechte Chefs – weniger Absenzen

Die Studie untersuchte dieses Phänomen im Schweizer Gesundheits- und Pflegebereich, konkret bei Spitex-Organisationen: Dort, wo Vorgesetzte schlechter bewertet wurden, waren die Krankheitstage tiefer – im Schnitt deutlich unter jenen Teams mit positiver Führungswahrnehmung.

Die naheliegende Erklärung: Mitarbeitende arbeiten eher, auch wenn sie krank sind. Gründe dafür können Druck, Loyalität gegenüber dem Team oder die Angst vor negativen Konsequenzen bei Abwesenheit sein. In der Forschung wird dieses Verhalten teilweise als «Krankheitsscham» beschrieben.

Wenn Konflikte krank machen

Dass das Arbeitsumfeld eine zentrale Rolle spielt, bestätigt auch eine gemeinsame Auswertung von Swica und dem Kompetenzzentrum Work Med. Demnach werden 57 Prozent aller psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten durch Konflikte am Arbeitsplatz ausgelöst.

Die Folgen sind deutlich: Psychische Krankschreibungen dauern im Schnitt rund 218 Tage und führen in etwa der Hälfte der Fälle sogar zum Verlust der Stelle. Oft bleibt der Wiedereinstieg schwierig oder unmöglich. Besonders belastend wirken hohe emotionale Anforderungen, ständiger Leistungsdruck und fehlende frühzeitige Unterstützung durch Arbeitgeber oder medizinische Stellen.

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Steigende Absenzen trotz sicherer Arbeitswelt

Gleichzeitig zeigt sich ein langfristiger Trend in der Schweiz: Gesundheitsbedingte Absenzen sind zwischen 2010 und 2024 um mehr als ein Drittel gestiegen – von 6,3 auf 8,5 Tage pro Vollzeitstelle, wie das Magazin «Die Volkswirtschaft» berichtet. Das entspricht volkswirtschaftlichen Kosten von rund 12 Milliarden Franken pro Jahr, also etwa 1,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Hinzu kommen indirekte Belastungen wie Mehrarbeit im Team, organisatorischer Aufwand und verschärfter Fachkräftemangel.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Ein wichtiger Faktor ist der starke Anstieg psychischer Erkrankungen: Krankentaggeld-Daten zeigen über die letzten zehn Jahre ein Plus von rund 60 Prozent bei Diagnosen wie Depression oder Erschöpfung. Diese führen oft zu besonders langen Ausfällen.

Was alle Befunde gemeinsam zeigen: Niedrige Fehlzeiten sind nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Sie können auch bedeuten, dass Mitarbeitende über ihre Grenzen hinaus arbeiten. Problematisch wird es dann, wenn ein Arbeitsumfeld entsteht, in dem Krankheit kaum noch als legitimer Grund für eine Pause gilt. Die Folge ist eine schleichende Normalisierung von Arbeit trotz Krankheit – mit steigender Belastung für Körper und Psyche.


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