Darum gehts
- Eine neue Studie identifiziert drei verschiedene «Gen-Z-Personas»
- 617 Befragungen zeigen: Junge unterscheiden sich stark in Arbeitsmoral und Prioritäten
- Ein Gen-Z-Typ erfüllt viele gängige Klischees
Rafael Kehl (36) ist frustriert. 2022 erfüllte sich der gebürtige Rheintaler den Bubentraum von der eigenen Metzgerei. Jetzt, vier Jahre später, ist dieser bereits wieder ausgeträumt. Der Grund: Kein Angestellter wollte richtig mit anpacken – am wenigsten die Jungen. «Viele haben keinen Bock, machen immer krank, wollen nur 80 Prozent arbeiten, aber 100 Prozent verdienen», so Kehls Fazit nach frustrierenden Personal-Eskapaden, die ihn fast ins Burnout getrieben haben.
Der Fall der Metzgerei Kehl entfacht die hitzige Debatte um die Arbeitsmoral der Generation Z erneut. Sie ist faul, arbeitsscheu und völlig verweichlicht, hört man immer wieder. Nicht nur Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, auch ein grosser Teil der Blick-Community teilt diese Auffassung.
Doch ein fast ebenso grosser Teil findet auch: Nicht alle aus den Jahrgängen 1995 bis 2010 dürfen über einen Kamm geschoren werden. Darauf pocht auch eine neue Studie der Zürcher Agentur Klar Employer Identity zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Blue Eyes Marketing. Die Schubladisierung greife zu kurz, so die Studienautoren. Eine Auswertung von 30'000 Kurzinterviews in Kombination mit 617 detaillierteren Befragungen zeigt: Junge sind sich nicht pauschal zu schade fürs «Chrampfen». Vielmehr müssten Arbeitgeber wissen, welcher Gen-Zler in einem Bewerbungsgespräch vor ihnen sitzt. Und sie auch dementsprechend behandeln. Nur so könne man junge Talente dauerhaft halten. Die Studie hat deshalb drei Gen-Z-Typen identifiziert. Interessant: Ein Modell ist tatsächlich das wandelnde Klischee.
Die Loyalen – Sicherheit hat oberste Priorität
Da wären einmal die Bewahrer – «The Guardian», wie die Studie diesen Typ nennt. Diese Gruppe möchte klare Regeln, ein stabiles Arbeitsumfeld und einen verlässlichen Chef. Eine steile Karriere um jeden Preis interessiert sie weniger. Ist das gegeben, läuft der Guardian zur Hochform auf: «Sobald er sich in sicheren und klaren Strukturen bewegt, leistet er aus purer Loyalität signifikant mehr, als von ihm verlangt wird», heisst es in der Studie.
Die Sinnsucher – stimmen die Werte nicht, sind sie weg
Dann teilt die Studie einen Teil der Befragten in «The Activists» ein – die Aktivisten. Diese Gruppe stimmt der Aussage «Sinnvolle Arbeit ist mir wichtiger als ein hohes Einkommen» mit Abstand am deutlichsten zu. Die Arbeitsmoral der Aktivisten ist an die Werte des Arbeitgebers geknüpft: So tendieren sie laut Studie besonders stark dazu, einfach den Bettel hinzuschmeissen, wenn das Unternehmen in ihren Augen nicht divers genug ist. Auch soll sich ihr Job mit dem Privatleben vereinen lassen – für die anderen beiden Typen spielt das eher eine untergeordnete Rolle.
Die Karrieristen – Aufstieg geht vor
Ganz anders ist das bei der letzten Gruppe, den «High Performern»: Sinnhaftigkeit ist für sie kein Motivator. Die Aktivisten gewichten den Sinn ihrer Arbeit um ganze 144 Prozent stärker als diese Gruppe. Die High Performer wollen Karriere und das grosse Geld machen. Soziale Faktoren wie Gleichberechtigung und Inklusion im Betrieb sind ihnen nicht wichtig. Auch muss der Arbeitgeber keine Rücksicht auf ihre psychische Verfassung nehmen – dieses Thema spielt für sie gar die geringste Rolle. Dafür soll er sie unbedingt fördern und bei Weiterbildungen unterstützen. Verspricht sich diese Gruppe einen strategischen Vorteil, ist sie bemüht, Probleme im Unternehmen anzusprechen. «Ansonsten wechselt sie geräuschlos zum nächsten Angebot, das ihr bessere Karrierechancen oder mehr Anerkennung bietet», so das Fazit der Studie.