Brisante Studie
Jeder Vierte zittert um Job – besonders die Jungen

Für jeden vierten Schweizer Angestellten gehört die Sorge um den Arbeitsplatz mittlerweile zum Alltag. Doch der Generationengraben ist tief: Während die Ü55-Garde auf ihre Erfahrung vertraut, herrscht bei den Jungen Alarmstimmung.
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Jeder vierte Angestellte in der Schweiz macht sich Sorgen um seinen Job, wie eine Umfrage des Dachverbands Angestellte Schweiz zeigt.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Junge Schweizer fürchten Jobverlust mehr als Ältere, zeigt Umfrage von 2026
  • 15 Prozent der 15- bis 34-Jährigen erwarten Kündigung in den nächsten 12 Monaten
  • Ein Drittel der Jobs wird sich laut Experten in 3 bis 10 Jahren verändern
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Verkehrte Welt in unseren Büros und Werkstätten! Wer denkt, dass sich die Ü55-Jährigen kurz vor der Pensionierung Sorgen um ihre Stelle machen, irrt gewaltig. Es sind die Jungen, die nachts nicht mehr durchschlafen können. Das zeigt eine Umfrage des Dachverbands Angestellte Schweiz und des Marktforschungsinstituts Demoscope. 

Die Studie zeigt: Jeder vierte Angestellte in der Schweiz macht sich Sorgen um den Arbeitsplatz. Bei den 15- bis 34-Jährigen ist die Unsicherheit besonders gross. Zudem rechnet in dieser Altersgruppe gar jeder Siebte damit, in den nächsten zwölf Monaten den Job zu verlieren. Bei den Älteren ist die Jobangst deutlich geringer. Die Arbeitslosenquote spiegelt diesen Generationengraben nicht wider. Sie liegt im März bei 3,1 Prozent und die Unterschiede zwischen den Altersgruppen sind klein. 

«In florierendem Arbeitsmarkt aufgewachsen»

Was ist also der Grund für die Alarmstimmung bei den unter 34-Jährigen? «Viele dieser Jungen sind in einem florierenden Arbeitsmarkt berufstätig geworden», sagt Arbeitsmarktexperte Pascal Scheiwiller (53). Er ist CEO der Alixio Group Schweiz, einem grossen HR-Beratungsunternehmen. Jahrelang sei der Gen Z eingebläut worden, hoch gefragt zu sein. Doch nun hat der Wind gedreht. «Seit 18 Monaten lesen wir in den Medien wieder regelmässig von Massenentlassungen. Für die junge Generation ist das Neuland», führt Scheiwiller aus. 

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Das bestätigt auch die Umfrage: Mehr als jeder Vierte hat in letzter Zeit erlebt, wie der Arbeitgeber Kündigungen ausgesprochen oder eine Reorganisation durchgeführt hat. Fast jeder Fünfte hat Erfahrungen mit einem Einstellungsstopp am Arbeitsplatz gemacht. Das sorgt für eine wachsende Verunsicherung. 

Scheiwiller relativiert: «Der Arbeitsmarkt hat sich einfach wieder normalisiert. Trotz zunehmender Kündigungen werden auch viele Stellen geschaffen.» Das grosse Aber: Wer den Job wechseln will oder eine Arbeit sucht, muss sich laufend weiterentwickeln. Nur so könne man im «robusten, aber sehr selektiven» Arbeitsmarkt bestehen.

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«Die Sorge der Jungen ist absolut berechtigt»

Ein zentraler Faktor, warum sich die Arbeitswelt immer schneller verändert: die künstliche Intelligenz. «Diese Veränderung wird sich noch beschleunigen», ist Tino Senoner (67) überzeugt. Er ist Geschäftsführer von Dynaskills, einer auf Arbeitsmarktanalysen spezialisierten Plattform. Senoner ist in einer Analyse zum Schluss gekommen, dass sich ein Drittel der Jobs innerhalb von drei bis zehn Jahren stark verändern wird. «Die Sorge der jungen Leute ist absolut berechtigt. Auch die Älteren müssten besorgt sein und sich flexibel und anpassungsfähig zeigen», sagt er. 

Ein Profil, das beim Arbeitgeber heute gefragt sei, könne morgen bereits überholt sein. KI erschwert derzeit besonders jungen Hochschulabgängern den Einstieg ins Berufsleben. Denn genau die Tätigkeiten, für die es kaum Erfahrung braucht, können am einfachsten durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. Ein hausgemachtes Problem findet Scheiwiller: «Wir haben über Jahre eine überakademisierte Gesellschaft gefördert. Büroarbeit und KV-Lehre wurden dem Handwerk übergeordnet.» Heute setzt die KI-Bedrohung aber genau dort an. «Es gibt Gewinner und Verlierer auf dem Arbeitsmarkt. Junge Hochschulabgänger gehören neuerdings auch zu den Risikogruppen, während im Handwerk nach wie vor wirklicher Fachkräftemangel herrscht», so der Experte. 

Senoner macht jedoch auch in der Berufsausbildung Handlungsbedarf aus: «Viele Berufslehren sind inhaltlich noch auf dem Stand von vor fünf bis zehn Jahren.» Der Dachverband Angestellte Schweiz sieht ebenso die Arbeitgeber in der Pflicht, gegenüber ihrer Belegschaft offen über Pläne und allfällige Umstrukturierungen zu kommunizieren. Denn: Jobunsicherheit habe Folgen. Fehle das Vertrauen, leide auch die Motivation der Beschäftigten. 

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