Die Pride entstand wegen einer Polizei-Razzia
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Hast du es gewusst?Die Pride entstand wegen einer Polizei-Razzia

Es geht um Misswirtschaft, Grössenwahn und leere Versprechungen
Zurich Pride steckt in tiefer Krise

Finanzielle Engpässe und interne Streitigkeiten setzen der Zurich Pride zu. Nach Sponsorenausstiegen und Vorstandswechseln steht die Demo unter dem Motto «Protect queer youth – Zugang schafft Zukunft» im Fokus, das Festival fällt aus.
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Die Zurich Pride 2026 findet in einer abgespeckten Version statt. Die Demonstration wird am Samstag durchgeführt, das Festival wurde abgesagt.
Foto: Zurich Pride/Sebastian Hubold

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Tausende demonstrieren am Samstag bei der Zurich Pride für LGBTQ-Rechte
  • 2022 fehlten 150'000 Franken, 106'000 blieben trotz Crowdfunding offen
  • 2026 neue Vorstandsmitglieder, Fokus auf Demonstration statt Festival
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Michel ImhofTeamlead People

Am Samstag gehen Tausende Menschen auf die Strasse, um an der alljährlichen Zurich Pride für mehr Rechte für die LGBTQ-Gemeinde zu demonstrieren. Der Protest unter dem Motto «Protect queer youth – Zugang schafft Zukunft» steht im Mittelpunkt des Anlasses, das anschliessende Festival wurde für dieses Jahr abgesagt. Der Vereinsvorstand befindet sich seit Monaten in stürmischen Zeiten.

«Aufgrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheit war es schwieriger, neue Partner zu finden. Ebenfalls kamen auf der Landiwiese unerwartet hohe Infrastruktur- und Sicherheitskosten auf uns zu. Unserem zu 99 Prozent ehrenamtlichen Vorstand und OK fehlte zudem immer mehr die Kraft, alles auf die Beine zu bringen», sagt Julia A. Müller (37), Geschäftsleiterin der Zurich Pride, auf Anfrage von Blick.

Defizit von 106'000 Franken

Die grosse Pride-Krise kam im letzten Jahr: Zwei grosse Sponsoren sprangen ab, 150'000 Franken fehlten in der Kasse. Am Ende blieb trotz erfolgreichem Crowdfunding mit über 30'000 Franken ein Loch von 106'000 Franken in der Jahresbilanz. 

Die Klatsche folgte dann an der Generalversammlung im November: Das Budget fürs Folgejahr wurde einstimmig abgelehnt, Co-Präsident Ronny Tschanz (35) in einer geheimen Wahl abgewählt. Vier andere Vorstandsmitglieder nahmen den Hut. Auch die andere Co-Präsidentin Canan Uguroglu gab wenige Monate später an der ausserordentlichen GV ihren Rücktritt bekannt. Dort wurde auch die Absage des Zurich Pride Festivals, das zuletzt auf der Landiwiese stattfand und den Verein in eine schwierige Finanzlage brachte, beschlossen. Der Verein Zurich Pride wird seitdem ohne Präsidium geführt, niemand wollte sich für das Amt zur Verfügung stellen.

Insider berichtet von «massiven Budgetüberschreitungen»

«Die letzten Jahre waren turbulent. Immer mehr Besuchende, mehr administrative Auflagen, interne Querelen und Wechsel im Team. Das hat das grosse Gebilde der Zurich Pride ins Wanken gebracht», analysiert Alexander Wenger (39), Co-Präsident der Zurich Pride von 2022 bis 2024.

Insider berichten von Missmanagement. «Meiner Einschätzung nach gab es massive Budgetüberschreitungen und zu wenig Kontrollen im Vorstand», sagt ein langjähriger Insider gegenüber Blick. Das vom damaligen Vorstand geführte Narrativ, Sponsoren seien auch wegen der Politik von US-Präsident Trump (80) und der knausrigen Stadt Zürich abgesprungen, zeige, «dass der Vorstand nichts gelernt hat: Statt Schuldzuweisungen vorzunehmen, müssten besser einmal Transparenz und Governance im Vorstand sichergestellt werden.»

Mögliche Interessenkonflikte

Die Verwendung der Gelder sei bis anhin undurchsichtig gewesen. «Vor allem, wenn befürchtet werden muss, dass das Geld für überdimensionierte Bühnen oder viel zu teure internationale Stars und Sternchen verwendet wird und erst noch die privaten geschäftlichen Beziehungen von Vorstandsmitgliedern im Verein und mögliche Interessenkonflikte zu wenig geklärt sind.»

Den Unmut über die Verantwortlichen für Party und Festival bestätigt eine weitere Quelle gegenüber Blick. Das zuständige Vorstandsmitglied «organisierte letztes Jahr eine eigene Pride-Party, was für Unruhe im Team gesorgt hat. In dieser Position hat er schliesslich privilegierten Zugang zu Wissen und Kontakten», sagt eine über Jahre der Pride nahestehende Person.

Pride-Party mit Labels von Vorstandsmitglied

Auch in diesem Jahr besteht die offizielle Zurich Pride Party zu drei Vierteln aus Partys und Clubs, die von einem Vorstandsmitglied durchgeführt und betrieben werden. «Wir haben uns im Vorstand bewusst für diese Event-Partnerschaften entschieden, um unsere knappen Ressourcen zu schonen. Es gibt auch weitere Kooperationen wie jene mit Tibits und Bierwerk», betont Pride-Sprecherin Julia A. Müller. Zum Vorwurf des möglichen Interessenkonflikts will sie sich nicht äussern.

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Die Pride 2026 ist auch eine Chance für einen Neuanfang. Die vier neuen Mitglieder des sechsköpfigen Zurich-Pride-Vorstands können den Verein in eine neue Richtung lenken. «Ich finde es toll, dass dieser neu formierte Vorstand diese riesige Demonstration auf die Beine stellt», lobt Alessandra Widmer (37) von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS). «Es bestehen so viele Ansprüche an die Pride-Organisation, die fast ausschliesslich auf Freiwilligenarbeit basiert. Und wir haben aktuell einen sehr guten Austausch mit den Verantwortlichen der Zurich Pride.»

Festival soll 2027 zurückkehren

Ähnlich tönt es von einer weiteren Dachorganisation, der Schwulenorganisation Pink Cross. «Die Zeit ist für die Pride-Organisation sicher sehr herausfordernd. Bei Pink Cross sind wir sehr froh, dass die Demonstration stattfindet und die Community und die verschiedenen Organisationen sichtbar sind und ihre queeren Anliegen vorbringen können», sagt Co-Präsident Adrian Knecht (37). 

Der Zürcher Kantonsrat Alan Sangines (40), Vizepräsident der Zurich Pride von 2012 bis 2018, blickt zuversichtlich in die Zukunft. «Ich hoffe, dass der Vorstand eine gemeinsame Sprache findet und die Sache ins Zentrum stellen kann: eine lautstarke Demonstration für unsere Rechte und ein den finanziellen Möglichkeiten angepasstes Festival für alle.»

Dass das Festival 2027 wieder stattfinden soll, bestätigt auch Julia A. Müller von der Zurich Pride. «Wir sind sehr optimistisch. Wir arbeiten bereits am Konzept für 2027.»

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