Darum gehts
- Zurich Pride plant Umzug und Einführung kostenpflichtiger Tickets
- Budgetloch von 150'000 Franken nach Sponsorenverlust belastet Finanzen stark
- Stadt Zürich erliess 2025 Gebühren von 30'000 Franken und bot Finanzhilfe
Die Zurich Pride muss sich neu aufstellen – und sorgt damit für Kritik. In den sozialen Medien machen viele ihrem Unmut Luft: «Der nächste Schritt zur elitären Veranstaltung!» oder «Liebe sollte nicht nur für alle sein, sondern auch für alle gratis», heisst es etwa.
Der Grund: Das grösste Festival der Schweizer LGBTQ-Bewegung soll 2026 nicht mehr auf der Landiwiese stattfinden, sondern wieder wie in vorherigen Jahren auf dem Turbinenplatz im Zürcher Industriequartier. Zudem steht erstmals ein kostenpflichtiges Ticketing im Raum. Zuerst darüber berichtet hatte das Szene-Magazin «Display».
Eintritt schafft Hürden
Hintergrund ist eine angespannte finanzielle Lage, nachdem letztes Jahr mehrere langjährige Sponsoren abgesprungen waren oder ihr Engagement reduziert hatten.
«Display» kritisiert, dass die Pride durch die Änderungen weniger sichtbar und weniger zugänglich würde. Auch Alessandra Widmer von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) ist enttäuscht. Pride stehe für Sichtbarkeit – «und Sichtbarkeit sollte nichts sein, wofür man zahlen muss». Das Festival sei ein wichtiger Ort des Zusammenkommens, an dem Menschen niedrigschwellig mit Community-Organisationen in Kontakt treten könnten: etwa Personen, die sich sonst nicht trauen würden, Beratungsangebote zu nutzen. Ein Eintritt könne hier neue Hürden schaffen.
Zugleich verweist Widmer auf ein strukturelles Problem: Immer mehr Unternehmen fahren ihre Diversitätsprogramme und ihre Finanzierung zurück, nicht zuletzt wegen des politischen Klimas in den USA. Trotzdem dürfe die Finanzierung nicht auf die Community abgewälzt werden, und auch die Zurich Pride könne diese Last nicht allein tragen. Gefragt seien andere Lösungen, etwa eine stärkere Unterstützung durch die öffentliche Hand. «Volksfeste werden schliesslich auch subventioniert», so Widmer.
Ähnlich äussert sich Florian Vock (35), Queer-Aktivist und SP-Politiker. Es sei «dramatisch», dass die Finanzierung der Pride ins Wanken geraten sei. Ein Festival, das für Inklusion stehe, sollte keine finanziellen Barrieren errichten müssen. Wenn Sponsoren wegbrechen, müsse die Stadt Zürich stärker einspringen. «Wenn wir als Stadt stolz auf diese Bewegung sind, müssen wir sie auch so unterstützen, dass sie für alle zugänglich bleibt – ohne Eintrittskarte.»
Stadt soll einspringen
Finanzielle Unterstützung von der Stadt fordert auch die Petition «Rettet das Zurich Pride Festival», die «Display» Anfang Jahr lanciert hat. Vonseiten des Sicherheitsdepartements heisst es, dass die Stadt die Petition prüfen werde, sobald sie eingegangen ist. Letztes Jahr seien Kosten städtischer Dienstleistungen und Gebühren von rund 30’000 Franken erlassen worden. Zudem erhielt der Verein Finanzhilfe für Sicherheitsmassnahmen zum Schutz von Minderheiten.
Ob das auch dieses Jahr der Fall sein wird, wird sich zeigen: Für die Ausgabe der Pride 2026 sei kürzlich ein Gesuch eingegangen. Die Voraussetzungen für einen Kosten- und Gebührenerlass würden im Rahmen des Bewilligungsverfahrens geprüft. Definitiv entschieden werde jedoch erst nach Abnahme der Schlussrechnung der Veranstaltung.
Demonstration bleibt kostenlos
Die Zurich Pride selbst begründet die Pläne in einem Statement mit der Notwendigkeit, das Festival in einem «kleineren, besser planbaren Rahmen» durchzuführen. Der Turbinenplatz biete mehr organisatorische und finanzielle Sicherheit. Das Ticketing solle Planungssicherheit schaffen und die Liquidität stabilisieren. Gleichzeitig betont der Verein, sozial gerecht handeln zu wollen: Für Menschen, die sich ein Ticket nicht leisten können, sollen Lösungen angeboten werden. Die Demonstration bleibe weiterhin kostenlos.
Über die geplanten Änderungen wird an einer ausserordentlichen Generalversammlung nächste Woche abgestimmt.