Darum gehts
- Disney+ bringt Reboots von «Scrubs» und «Malcolm mittendrin»
- Nullerjahre-Trend: Revival von Serien, Musik und Events begeistert weltweit
- Pitbull-Konzert am 8. November 2026 in Zürich bereits ausverkauft
Zeitreise auf Streamingportalen: Wer aktuell bei Disney+ reinschaut, kann sich verwundert die Augen reiben. Im März kam die Ärzteserie «Scrubs» mit einem Reboot wieder zurück, seit einer Woche gibt es auch neue Folgen der Sitcom «Malcolm mittendrin» mit Frankie Muniz (40) und «Breaking Bad»-Star Bryan Cranston (70) zu sehen.
«Vor zwanzig Jahren hat man die erste Staffel gedreht, niemand hatte sie je gesehen, man wusste nicht, ob sie den Leuten gefallen würde, man wusste nicht, wie die Leute darauf reagieren würden», sagte Muniz im Gespräch mit «Variety». «Und jetzt, 20 Jahre später, kann ich überall auf der Welt hingehen, und die Leute kennen Malcolm und die Serie. Sie erzählen mir, wie sehr sie ihr Leben beeinflusst und wie viel sie ihren Familien bedeutet hat, wie sie sie einander nähergebracht hat.»
Der Spass wird gefeiert
Das von Muniz beschriebene Gefühl lässt sich aktuell auf viele Dinge übertragen. Die Nuller erleben einen Aufschwung. Nicht nur im Streaming. «Lange gab es den Hype vom Authentischen, da orientierte man sich eher an den Neunzigerjahren. Indie, tiefgründige und anspruchsvolle Musik standen im Vordergrund. Jetzt sehnen sich die Menschen nach eingängigen Sachen. Und feiern den Spass», sagt Trendforscherin Judith Mair (53), die an der Zürcher Hochschule der Künste im Studiengang «Trends & Identity» doziert.
Wer in den Schweizer Eventkalender schaut, entdeckt viele altbekannte Gesichter. Ne-Yo (46, «So Sick») und Akon (52, «Lonely») spielen am 19. Mai gemeinsam im Hallenstadion, die Pussycat Dolls kommen am 21. September als Trio an denselben Ort. Sean Paul (53, «Get Busy») spielte bereits im Frühling in The Hall und wird im Juli beim Gurtenfestival auf der Bühne stehen, die rumänische Sängerin Inna (39, «Déjà Vu») tritt im Oktober im Zürcher Komplex 457 auf. Der Auftritt von Hitmacher und «Mr. Worldwide» Pitbull (45, «Hotel Room Service») im Hallenstadion Zürich vom 8. November 2026 ist bereits jetzt restlos ausverkauft.
Lieber Altbewährtes als Neues
Alle erwähnten Acts hatten in den Nullerjahren ihren Durchbruch und zwischendurch durchwachsenen Erfolg. Jetzt sind sie wieder zurück und füllen die Hallen. Zufall? «Es ist ein klassischer Revival-Trend, den wir aktuell sehen. Das hat auch damit zu tun, dass die Generation, die mit diesen Acts und Serien gross wurde, jetzt zu Entscheidungsträgern gehört», so Trendforscherin Mair. «Und: Beispielsweise beim Streaming gibt es so eine riesige Auswahl, dass viele sich für altbewährte Dinge entscheiden. Man schaut lieber «Scrubs», als etwas Neues, Unbekanntes anzufangen.» Das mache das unternehmerische Risiko beispielsweise für Streamingdienste geringer.
Auch die aktuelle Weltlage habe mit dem Hype der Nullerjahre-Acts zu tun. «Wir brauchen ja auch immer mal wieder einen mentalen Feierabend. Das funktioniert super mit diesen Serien und diesen Hits. Stichwort: Abschalten statt Anspruch. Kopf aus, Spass an.» Der Trend gehe aktuell weg von Disziplinierung und Selbstoptimierung hin zum Unvollkommenen. Und da kommen die Nullerjahre, beispielsweise mit dem eingängigen Pop, ins Spiel. «Das Banale wird gefeiert und ist eine Art Befreiung. Es befreit davon, etwas möglichst perfekt oder authentisch machen zu müssen oder individuell zu sein. Der Zusammenhalt und der gemeinsame Nenner stehen im Vordergrund, anstatt hervorzuheben, was uns voneinander unterscheidet.»
Wenige neue Acts, die Massen ansprechen
Dieser Trend zeigt sich auch in Clubs. Oft wird Musik aus den Nullerjahren gespielt, aktuelle Songs haben es schwerer. «Ich merke total, dass die Musik aus den Nullerjahren sehr beliebt ist. Vor allem bei jungen Frauen. In dieser Zeit gab es viele starke Frauenvorbilder, die im Mainstream stattgefunden haben. Und das wird auch heute gefeiert», sagt Martina Stadelmann (33), die in der Eventbranche arbeitet und als DJ aktiv ist. Auch Algorithmen von sozialen Medien haben gemäss ihr mit dem Hype um die Nullerjahre zu tun: «Sie haben unseren Medienkonsum sehr verändert. Alles ist schnelllebig geworden. Und es gibt nur noch ganz wenige neue Acts, die so herausstechen, dass wirklich alle sie kennen. Im Stil von Madonna.»
Für den Konzertveranstalter Thomas Dürr (58) von Act Entertainment brachten die Nullerjahre viele Acts hervor, die auch heute noch aktuell sind: «Green Day, Linkin Park, Beyoncé, Coldplay, Lady Gaga, um nur einige zu nennen», sagt er. Heute gebe es immer mehr Eintagsfliegen. «Acts, die gestern noch die grossen Hallen gefüllt haben und heute schon nicht mehr interessieren. Da wird sich aber die Spreu vom Weizen trennen.»
«Kopf aus, Spass an»
Die kommenden Monate stehen also im Zeichen des Abschaltens und der Feierei. Das wird sich auch beim Pitbull-Konzert im November in Zürich zeigen. Traditionell kaufen sich Fans künstliche Glatzen und Fliegerbrillen, um als ihr Idol verkleidet ans Konzert zu gehen. Im Londoner Hydepark steht am 10. Juli 2026 sogar ein Weltrekordversuch auf dem Programm. Auf sozialen Medien wird das jetzt schon abgefeiert. Ganz nach dem Motto: «Kopf aus, Spass an.»