Neues vom «Alten»
ZDF-Serie schreibt mit 50 Staffeln TV-Geschichte

Wer hätte das 1977 gedacht! Mit Staffel 50 schreibt die Krimiserie «Der Alte» TV-Geschichte.
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«Der Alte» startet in die 50. Staffel.
Foto: ORF

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Serie «Der Alte» startet diese Woche in die 50. Staffel
  • Premiere war 1977 mit 18 Millionen Zuschauern, heute 5 Millionen
  • 2013 erstmals Kommissarin, aktuell rein weibliches Umfeld für Ermittler
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Regula Elsener
Tele

Serien, mit denen man gross geworden ist, gibt es einige. Solche, mit denen man sogar selber alt wird, sind dagegen selten. «Der Alte» ist so eine Serie. «Der Alte» gehört zu den langlebigsten TV-Sendungen im deutschen Sprachraum. Diese Woche startet die 50. Staffel! Länger laufen nur der «Tatort» (seit 1970) und das «Sandmännchen» (seit 1959).

Premiere war am Ostermontag 1977: Sagenhafte 18 Millionen Menschen sahen gebannt zu, als Hauptkommissar Erwin Köster (Siegfried Lowitz) den allerersten Fall löste. Inzwischen sind es fast fünfhundert Fälle geworden. Klar, heutzutage lockt auch «Der Alte» nur noch rund 5 Millionen vor den Bildschirm. Für das ZDF bleibt die Serie aber ein Quotengarant. Ebenso für SRF und ORF.

In vier Jahrzehnten wenig verändert

Schaut man sich die Folgen der Frühzeit an, wähnt man sich in einer Zeitmaschine: Die Kommissare trugen fast rund um die Uhr Trenchcoat, rauchten und sassen entweder im spartanisch eingerichteten Büro oder im BMW 520, Silbermetallic. An die damalige Ausstattung kann sich auch der aktuelle «Alte» Thomas Heinze alias Caspar Bergmann noch gut erinnern. «Die Bürowände waren meist sepiabraun gestrichen», sagte er im April 2025 in einem TELE-Interview lachend, «die Telefone grün und die Ermittlungsmethoden natürlich ganz anders als jene von Bergmann und seiner Kollegin Annabell Lorenz.»

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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In den Grundzügen hat sich in den vier Jahrzehnten sonst wenig verändert: Geboten wird solide Krimiunterhaltung für die ganze Familie – ohne viel Gewalt, Action und schon gar nicht Erotik.
Wobei: Zu Beginn fielen durchaus auch mal die Hüllen. Konkret bereits in der dritten Folge. Die brachte der damals noch jungen Serie reichlich Schelte ein. Zum einen fälschte der häufig knochentrockene Köster ohne Skrupel ein Geständnis, um einen Mörder zu überführen. Was bei den echten Berufskollegen zu einem Aufschrei der Empörung führte, die ihre Standesehre in Gefahr sahen.

Zum anderen schickte der Alte auch noch seinen Assistenten Heymann (Michael Ande) mit einer Verdächtigen ins Bett, um an Infos zu kommen. Einen Polizeibeamten! Das hemmungslose Gefummel und zwischenzeitliche Busenblitzer trafen das konservative Krimipublikum komplett unvorbereitet. Die Folge verschwand erst mal für eine Weile im Giftschrank des ZDF. Im Nachhinein überrascht eher, dass die Figur des Gerd Heymann anfangs offensichtlich als Herzensbrecher und Ermittlungs-Casanova angelegt war. Später wirkte er meist so spröde, dass man sich fragte, ob dieser Mann das Büro der Mordkommission in den folgenden vierzig Jahren überhaupt je verliess.

«Wollte aufhören, solange ich noch glaubhaft bin»

So lange nämlich spielte der heute 81-jährige Michael Ande die Rolle des ewigen Assistenten, der niemals zum Chef befördert wurde. 2016 ging er in seine wohlverdiente Pension – und «überlebte» damit vier der bislang fünf Alten. Der erste Wechsel kam nach 100 Folgen. Der Abgang von Siegfried Lowitz als Erwin Köster war dramatisch: Er wurde erschossen und zwar von niemand Geringerem als dem damals noch unbekannten späteren Bond-Bösewicht, dem Österreicher Christoph Waltz. Auf Lowitz folgte Rolf Schimpf, der wohl am stärksten mit der Rolle identifiziert wurde. 222 Folgen lang spielte er den seriösen, stets korrekten Leo Kress, den scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann. Auch wenn man es ihm nicht ansah: Bei seinem Abschied 2007 war Schimpf bereits 82 Jahre alt.

Im Gespräch mit TELE sagte er damals: «Ich wollte aufhören, solange ich als Leo Kress noch glaubhaft bin. Und solange die Leute eben sagen: Schade, dass er geht …» Am meisten Sorge bereitete ihm, dass das ZDF die Serie bei dieser Gelegenheit einstampfen könnte. «Es ging ja schliesslich um all meine liebenswerten Kollegen», betonte Schimpf. Entsprechend gross sei seine Erleichterung gewesen, als mit Walter Kreye ein Nachfolger präsentiert wurde. In der langen Kress-Ära kamen und gingen auch mehrere Assistenten (Ausnahme: Heymann). In Erinnerung geblieben ist v. a. Kommissar Henry Johnson, gespielt von Charles M. Huber (heute 69).

Der Münchner (der bürgerlich eigentlich Karl-Heinz Huber heisst) ist der Sohn eines senegalesischen Diplomaten und war 1986 der erste dunkelhäutige Ermittler im deutschen Fernsehen. Damit schrieb «Der Alte» glatt ein Stück TV-Geschichte. Aber zurück zum «Alten» Nummer drei: Walter Kreye trat nach Lowitz und Schimpf in grosse Fussstapfen. Er erledigte seinen Job durchaus solid, blieb als melancholischer Hauptkommissar Rolf Herzog jedoch stets ein wenig blass. 

Lange eine reine Männerdomäne

Nach nur gerade vier Jahren war Schluss – von Seiten des ZDF offensichtlich nicht gerade auf die feine englische Art. Wie Kreye öffentlich machte, erfuhr er mitten in einer Chemotherapie, dass man ihn ersetzen würde – am Telefon. Die Nachfolge übernahm 2012 Jan-Gregor Kremp (63) als Richard Voss. In dessen Amtszeit fällt eine bahnbrechende Neuerung: Frauen! 38 Jahre lang war der «Alte» eine reine Männerdomäne, Frauen dienten höchstens mal als Zeuginnen, Täterinnen oder Leichen.

2013 trat die Pathologin Dr. Franziska Sommerfeld (Christina Rainer) ihren Dienst an. Und, schwups, flatterten alsbald die ersten Schmetterlinge durchs Morddezernat. Zwischen Voss und Sommerfeld knisterte es gewaltig. Als der Kommissar sich für einen Neuanfang in Italien entschied, hatte auch Sommerfeld genug vom Obduzieren und folgte ihm. Ersetzt wurde sie durch eine Frau mit Zauberkräften: Die neue Pathologin Dr. Luisa Geiger wird von Sidonie von Krosigk (36) gespielt, die in den Nullerjahren als herzige Teenie-Hexe Bibi Blocksberg bekannt wurde. Doch sie ist heute längst nicht mehr die einzige weibliche Kraft, im Gegenteil. 2015, knapp vierzig Jahre nach dem Start der Serie, durfte erstmals auch eine Kommissarin ran: die forsche Annabelle Lorenz (Stephanie Stumph; 41).

Unterstützt wird das aktuelle Ermittlerteam von IT-Spezialistin Julia Lulu Zhao (Yun Huang). In einem ZDF-Interview sagt Thomas Heinze dazu: «Kommissar Bergmann befindet sich tatsächlich in einem rein weiblichen Umfeld und fühlt sich offensichtlich ganz wohl.» Der Ermittler beurteile sein Umfeld ohnehin nicht nach dem Geschlecht, sondern sehe «einfach Menschen, die ihre Arbeit machen – und das tun sie gut». Gleichzeitig verrät Heinze, dass in den kommenden Folgen mit dem schrägen Pathologen Prof. Spindler (Helmfried von Lüttichau) eine neue Figur eingeführt werde, wenn auch vorerst nur für zwei Folgen.

Gewidmet ist die Jubiläumsstaffel dem 2011 verstorbenen TV-Produzenten Helmut Ringelmann, der als Schöpfer der Serie und Vater des deutschen TV-Krimis gilt, wie das ZDF in einer Würdigung schreibt. Auch «Der Kommissar», «Derrick» oder «Siska» waren dank Ringelmann ein Erfolg. Er hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert.

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