Darum gehts
- Schweizer Autofahrer tanken günstiger im Ausland, besonders in Österreich und Frankreich
- 38 Prozent der 6000 Umfrageteilnehmenden tanken bereits im Ausland
- Dieselpreis in der Schweiz: über 2.40 Fr., Deutschland: 2.04 Fr. pro Liter
Warum in der Schweiz tanken, wenn der Sprit gleich hinter der Grenze deutlich günstiger ist? Für viele Autofahrer wird der Tankstopp im Ausland zunehmend attraktiv. Während Diesel hierzulande bereits mehr als 2.40 Franken pro Liter kostet, sind Benzin und Diesel in Grenzregionen teils deutlich günstiger. Besonders in Österreich und Frankreich können sich Fahrten über die Grenze bereits heute lohnen – je nach Wohnort und Fahrzeug sogar trotz des zusätzlichen Spritverbrauchs.
Noch grösser könnte der Preisunterschied ab Oktober werden: Deutschland und Österreich planen Entlastungen bei der Mineralölsteuer. Für Schweizer Autofahrer stellt sich damit umso mehr die Frage, ob sich der Weg zur Tankstelle ennet der Grenze künftig noch mehr lohnt.
Günstiger tanken, aber um welchen Preis?
Wir wollten von unserer Community wissen: Würdest du für günstigeren Sprit extra über die Grenze fahren? Die Umfrage mit über 6000 Teilnehmenden zeigt: Für die Mehrheit lohnt sich der Weg derzeit nicht. 45 Prozent wohnen zu weit weg, weitere 17 Prozent finden den Preisunterschied zu klein. Gleichzeitig tanken 38 Prozent bereits im Ausland – entweder, weil sie nahe der Grenze wohnen (29 Prozent) oder weil ihnen der Umweg die Ersparnis wert ist (9 Prozent).
Für Leser Remo Zehnder fällt die Rechnung klar aus. Er ist sieben Kilometer bis zur deutschen Grenze gefahren und hat dort für 2.17 Euro pro Liter getankt. «Umgerechnet 2.04 Franken. Lohnt sich sehr wohl, da der Benzinpreis in Zürich 2.19 Franken ist. Tankfüllung: 8.30 Franken gespart.»
Ein anderer User nimmt den Umweg sogar dann in Kauf, wenn die Ersparnis unter dem Strich gering ausfällt: «Ich fahre gern einen Umweg, wenn jemand den Sprit für über 5 Rappen billiger verkauft. Auch wenn es sich für mich netto nicht lohnt. Ich will damit ein Zeichen gegen die Abzocker setzen.»
Für Otmar Müller lässt sich der Tankstopp gleich mit weiteren Einkäufen verbinden: «Ein Grund mehr, ins Ausland zu fahren, um einzukaufen. Vielleicht könnte man auch einen Tankrabatt in der Schweiz einführen. Und dann wird wieder gejammert, dass so viele Leute das Geld im Ausland ausgeben.»
«Blödsinn, für ein paar Rappen»
Andere Community-Mitglieder halten dagegen. Roger Luginbühl etwa ist der zusätzliche Zeitaufwand wichtiger als die mögliche Ersparnis: «Ich geniesse lieber meinen Feierabend, als dass ich zum Tanken extra irgendwohin fahre. Zeit ist Geld und mehr wert.»
Grundsätzlich infrage stellt Ralph Osterwalter staatliche Unterstützung für günstigere Treibstoffpreise. Es mache «überhaupt keinen Sinn, mit der Giesskanne Geschenke zu verteilen». Das Geld solle vielmehr «den Menschen, die es wirklich brauchen» zugutekommen. Für Fahrzeuge mit sehr hohem Verbrauch brauche es seiner Meinung nach «massive Luxussteuern» statt tiefer Spritpreise. «Wer in einer Versorgungskrise so sorglos mit fossilem Kraftstoff umgeht, soll für seinen Egotrip bezahlen. Und von der Umweltbelastung fange ich jetzt gar nicht erst an», doppelt er nach.
Oskar Schneider sieht den Tanktourismus ebenfalls kritisch. Es sei «Blödsinn, für die paar Rappen den Benzintourismus anzuheizen». Stattdessen schlägt er gemeinsame Einkaufsfahrten mit Nachbarn vor. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass es Menschen gibt, die auf das Auto angewiesen sind, etwa wegen Schichtarbeit oder aus beruflichen Gründen. «Hier könne der Bund schon entgegenkommen», findet er.