Darum gehts
- Rekord-Dieselpreise belasten Schweizer Landwirte massiv
- Bauer Markus Lüscher zahlt 30 Prozent mehr für 9000–12'000 Liter Diesel jährlich
- Seit Anfang 2026 stieg der Dieselpreis um 60 Rappen, keine staatliche Hilfe
Die aktuellen Spritpreise machen dem Ackerbauer Markus Lüscher (59) zu schaffen. Der Blick auf das Preisschild an der Zapfsäule schmerzt. In den letzten Tagen kletterte der Dieselpreis auf rekordhohe 2.41 Franken pro Liter. «Wenn sich das nicht innerhalb kurzer Zeit wieder normalisiert, muss das über die Preise in der Wertschöpfungskette ausgeglichen werden», sagt Lüscher.
Tausende Franken an Mehrkosten
Auf seinem Hof in Schalunen BE verbraucht Markus Lüscher im Schnitt zwischen 9000 und 12'000 Liter im Jahr. «Je nachdem, wie viel wir bewässern müssen», sagt er, denn auch die Wasserpumpen werden mit Diesel betrieben. Seit Anfang Jahr ist der Dieselpreis um 60 Rappen gestiegen, das entspricht einem Anstieg von mehr als 30 Prozent. Wäre der Dieselpreis schon das ganze Jahr auf dem heutigen Niveau, würde der Sprit auf Lüschers Hof mit mehreren Tausend Franken zusätzlich zu Buche schlagen.
Auf diesen Mehrkosten bleibt Lüscher sitzen: «Der Dieselpreis ist Unternehmerrisiko, das können wir nicht weitergeben», sagt er und genau da sieht er das Problem: Während die abgelieferten Gurken, Kartoffeln und Zuckerrüben pauschal abgerechnet werden, bezahlt er für alle Dienstleistungen, die er in der Produktion in Anspruch nimmt, einen Dieselzuschlag. Diese Zusatzkosten würde Lüscher gerne auch den Abnehmern seiner Produkte verrechnen: «Wir können ja nichts dafür, wenn dort Krieg herrscht. Das ist nicht unser Problem. Wir müssen die landesweite Lebensmittelversorgung sicherstellen.»
Bauernverband will höhere Preise
Ähnliche Forderungen werden auch von Verbandsseite laut: «Unser Ziel ist es, dass die Landwirtschaftsbetriebe ihre höheren Produktionskosten in Form von höheren Preisen für ihre Produkte weitergeben können», schreibt der Bauernverband auf Anfrage von Blick.
In Frankreich hat der Staat reagiert und die Dieselpreise gesenkt, indem er die Steuer auf Agrardiesel vorübergehend aussetzte. Solche Massnahmen erhofft sich Ackerbauer Lüscher auch in der Schweiz: «Hier müsste eigentlich, im Sinne der Schweizer Versorgungssicherheit, eine Dieselverbilligungsaktion durchgeführt werden.» Bereits jetzt können die Bauern ihre Mineralölsteuer zurückverlangen. Dies mit der Begründung, dass ihre Fahrzeuge die Strassen weniger nutzen. Über diese Regelung fliessen jährlich zwischen 60 und 70 Millionen Franken zurück an die Bauernbetriebe.
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sieht bislang keinen weiteren Handlungsbedarf. «Das BLW verfolgt aufmerksam die Lage und die Preisentwicklung bei den landwirtschaftlichen Produktionsmitteln, zu denen auch Treibstoffe gehören.» Auch das BLW hält Auswirkungen auf die Konsumentenpreise für möglich.
Sparen sei kaum noch möglich
Um auf den Höfen zu sparen, seien die Möglichkeiten erschöpft, meint Bauer Markus Lüscher: «Wir drehen sowieso schon alles Ökonomische auf das Minimum herunter. Wir setzen hochleistungsfähige, effiziente Pumpen ein und auch die grossen Traktoren sind alle hochmodern.» Auf E-Traktoren zu setzen, um vom Diesel unabhängig zu werden, sei auch keine Option, meint der Bauernverband: «Bezüglich Elektrotraktoren ist es so, dass es zwar erste Modelle gibt, diese aber bezüglich Leistung noch eingeschränkt sind.» Der Bund versuchte diese zwar finanziell zu fördern, stiess bei den Bauern aber auf taube Ohren.