Totaler Förder-Flop aus Bern
Niemand will das geschenkte Geld für Elektro-Traktoren

Beim Förderprogramm für Elektrotraktoren ist nach einem Jahr kein einziges Gesuch eingegangen. Der Bund will zahlen, aber keiner will kassieren: Wie ist so etwas möglich? Bern ziele völlig am Markt vorbei, sagen Kritiker.
Kommentieren

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
IMG_4140.jpg
Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Der Bund hat einen Honigtopf aufgestellt. Gefüllt ist er mit Staatsgeld, garniert mit den besten politischen Absichten. Doch niemand greift hinein – keine einzige Person will bisher Geld daraus haben!

Seit Anfang 2025 können Bauern Fördergelder beantragen, wenn sie einen Elektrotraktor anschaffen. Der Staat will damit die Elektrifizierung auch in der Landwirtschaft vorantreiben. Die Reaktionen darauf waren verhalten. Und nach dem ersten Jahr fällt die Bilanz definitiv ernüchternd aus: 2025 sind überhaupt keine Gesuche in Bern eingegangen. Das bestätigt das Bundesamt für Landwirtschaft gegenüber Blick.

«Kostenvorteile werden weggefressen»

Gefördert werden E-Traktoren ab 30 Kilowatt Leistung. Pro Kilowatt gibt es rund 100 Franken – finanziert über die sogenannte Strukturverbesserung. Zunächst prüfen die Kantone die Gesuche, danach werden sie an den Bund weitergereicht.

1/6
E-Traktoren sind in der Schweiz derzeit nur in Einzelfällen im Einsatz.
Foto: zVg

Aber der Anreiz scheint zu verpuffen. Warum hapert es so sehr? Das Bundesamt selbst ordnet die Erfahrungen mit den E-Traktoren-Geldern auf Anfrage nicht ein. 

Den Bauern vorschnell einen Vorwurf zu machen, greift allerdings zu kurz. Vielmehr zeigt sich: Der Staat fördert derzeit einen Markt, der eigentlich noch kaum existiert. Blick hat sich bei Fachleuten aus der Landtechnik umgehört. Namentlich zitieren lassen will sich niemand – die Branche ist klein, und Kritik an einem staatlichen Fördermodell könnte schlecht ankommen.

Das Grundproblem ist schnell benannt: Das Angebot an E-Traktoren ist nach wie vor sehr klein. In der Praxis kommen weniger als eine Handvoll Modelle überhaupt infrage – und diese sind entweder teuer, leistungsschwach oder noch kaum etabliert. «Der Bund gibt Fördergelder für etwas, das sich fast nicht kaufen lässt», sagt ein Landtechnik-Fachmann.

Besonders ins Gewicht fällt der Preis. Für einzelne Modelle werden schon mal zwischen 180'000 oder 200'000 Franken fällig. Vergleichbare Dieseltraktoren sind markant günstiger – häufig mehr als die Hälfte. «Auch wenn die Betriebskosten von Elektrofahrzeugen tiefer sind als die von Verbrennern, fressen die Abschreibungen die Kostenvorteile weg», so der Fachmann. Wer für ein solches Fahrzeug 100'000 Franken mehr bezahlen müsse, lasse sich von einem Förderbeitrag von 5000 Franken kaum überzeugen. Ein langjähriger Händler spricht von «einer Rechnung, die halt einfach noch nicht aufgeht».

Die Grenzen der E-Traktoren

Hinzu kommt: Ein Traktor ist kein Spontankauf. Wer so eine Maschine anschafft, plant für viele Jahre. Entsprechend zählen nicht nur der Kaufpreis, sondern auch Fragen wie: Wie lange hält der Akku? Und was kosten Reparaturen? Bei den neuen Modellen ist vieles noch unklar. 

Auch technisch sind den E-Traktoren derzeit Grenzen gesetzt. Elektromotoren arbeiten zwar effizient, lokal emissionsfrei und verhältnismässig leise. Doch bei schweren Arbeiten wie Pflügen oder Mähen ist über längere Zeit sehr viel Energie nötig. Dort stösst die heutige Batterietechnik an Grenzen.

«Die Förderung läuft nicht primär deshalb ins Leere, weil sich die Bauern gegen den Wandel sperren», bilanziert der Händler. «Der Bund setzt den Anreiz schlicht zu einem Zeitpunkt, in dem der Markt dafür noch kaum bereit ist.»

Der Landtechnik-Fachmann sagt es noch deutlicher: «Ich hätte die Förderinstrumente anders ausgestaltet.» Aus seiner Sicht gäbe es ausgereifte Maschinen mit Elektroantrieb – etwa Hoflader oder Umschlagmaschinen –, bei denen staatliche Anreize derzeit mehr Wirkung entfalten würden.

Auf Feldern dominiert noch der Diesel

Dass E-Traktoren auch insgesamt noch ziemlich irrelevant sind, zeigen die Zahlen. Ende 2024 waren 146'802 landwirtschaftliche Traktoren immatrikuliert. Nur gerade 15 davon fuhren elektrisch. Anders gesagt: Auf rund 9800 Maschinen kam gerade mal ein E-Traktor. Auf den Feldern dominiert also weiterhin fast vollständig der Diesel.

Die Förderung der E-Traktoren ist bis Ende 2028 befristet. Einen eigenen Topf gibt es dafür nicht. Die Beiträge laufen über die allgemeinen Strukturverbesserungen, unter die auch viele andere Massnahmen fallen. 2024 zahlte der Bund dafür insgesamt rund 87 Millionen Franken aus.

In der Praxis läge teils sogar noch mehr Geld für die E-Traktoren drin: Manche Kantone legen zusätzlich etwas drauf. Doch selbst das bringt den Markt bislang kaum vom Fleck.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen