Darum gehts
- Emmentalerkäse kämpft seit Jahren mit Absatzrückgang und Exportproblemen, Schweiz betroffen
- Produktion seit 2015 um ein Drittel gesunken, Lage bleibt herausfordernd
- Schweizer Käseexport 2025: Rohmilchkäse nicht automatisch von LSD-Verbot betroffen
Die Schweizer Käsebranche steckt in der Krise! Besonders im Loch: der Emmentaler. Nicht nur brachen seine Absatzzahlen in den vergangenen Jahren regelrecht ein – auch für die grundsätzlich schwierige Situation auf dem Käsemarkt muss der «Swiss Cheese», wie unser Löcherkäse in den USA schlicht genannt wird, regelmässig herhalten.
Das ist wenig überraschend: Nirgends zeigt sich die Misere so ausgeprägt wie beim Schweizer Symbolkäse schlechthin. Sowohl im In- als auch im Ausland verlieren die Konsumentinnen und Konsumenten nach und nach die Lust am urchigen Traditionsprodukt. Seit 2015 schrumpfte die Produktion um ein Drittel – im selben Masse verschwanden auch die Käsereibetriebe. Nun schlagen der US-Zollhammer und die sinkende Kaufkraft in der EU zusätzlich auf den Export. Und eine Rinderseuche, die der Schweiz immer näher kommt, hilft wenig, um dem Emmentaler wieder ein attraktives Image zu geben. Wie ergeht es dem Käse in diesem Sturm?
Des einen Freund, des anderen Feind
Blick hätte gerne erfahren, wie die Käseproduzenten sich aus der schwierigen Phase befreien möchten. Nur: Während der Rest der Branche gerne über ihre Herausforderungen Auskunft gibt, blockt die Emmentaler Sortenorganisation jegliche Anfragen ab. Beim einstigen Vorzeigeprodukt liegen die Nerven blank.
Die gute Nachricht: Der Absatz im Inland scheint immerhin die Talsohle überwunden zu haben. So teilt es die Sortenorganisation Emmentaler jedenfalls über eine PR-Agentur mit. Im Zusammenhang mit der schwierigen Marktsituation der Schweizer Käsebranche, die aktuell an zahlreichen Fronten kämpft, wolle man jedoch nichts sagen. Kein Wunder, glaubt man den Worten von weiter oben: Die Situation beim Emmentaler sei «unverändert herausfordernd», teilt die Dachorganisation Swiss Cheese Marketing (SCM) auf Blick-Anfrage mit.
Sowieso besitzt der Emmentaler bereits einige Verhaltensauffälligkeiten:
- Das spezielle Herstellungsverfahren und der tiefe Salzgehalt sorgen für eine süsslich-nussige Note – er trifft damit nicht bei jedem den Geschmack, dafür bei einigen sehr fest. Kurz: Was der Koriander bei den Kräutern ist der Emmentaler bei den Milchprodukten.
- Seine legendären Löcher behält der Käse nur mit viel Mühe und Not. Wie Agrarforscher des Bundes letztes Jahr aufzeigen konnten, sorgen die gestiegenen Hygienevorschriften für eine dramatische Abnahme der charakteristischen Löcher. Um das Kulturgut zu erhalten, veredeln die Käserinnen und Käser ihr Produkt mit Heublumenpulver, das zu früheren Zeiten in den Ställen von ganz allein in die Milch gelangte.
- Weil es die Schweizer Sortenorganisation weiterhin nicht geschafft hat, die Bezeichnung Emmentaler geografisch einzuschränken, produzieren und vermarkten ihn auch österreichische, französische oder deutsche Käsereien fleissig unter seiner Berner Herkunftsbezeichnung.
Branche erholt sich allmählich
Während sich der Rest der Branche – besonders auch der Branchenprimus Gruyère – allmählich von seinem Exportschock erholt, geht beim Emmentaler daher der Absatz weiter zurück. Emmentaler ist im Exportmarkt die Nummer 2.
Auch im Inland gehört er zu den Verlierern: Die aktuelle Milchschwemme bringt besonders die Bauern in eine verzwickte Situation, die ihre Kühe nach den strengen Richtlinien der Käsesorte halten. Und der freie Handel mit der EU wurde besonders für Halbhartkäse wie den Emmentaler zum Bumerang – auch weil die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten ihre Liebe immer mehr in Frischkäse aus dem Ausland stecken.
Der Grosslochkäse kommt zu alledem auch wegen der Hautknotenkrankheit, auch bekannt als Lumpy Skin Disease (LSD), unter die Räder. Die Rinderseuche wütet aktuell in Frankreich. Der Bund verfügte Anfang Jahr ein Sömmerungsverbot für Schweizer Kühe ennet der Grenze. Das Bundesamt für Lebensmittel- und Veterinärwesen warnte zudem vor einschneidenden Folgen, würde sich die Krankheit auch hierzulande festsetzen – bis hin zu einem EU-Exportverbot für Rohmilchkäse.
Rohmilchkäse? Selbstverständlich der Emmentaler, denkt man. Das bringt die Marke zusätzlich ins Schwitzen. Dabei wären alle anderen Rohmilchprodukte – darunter auch der Gruyère – genauso von den drohenden Einschränkungen betroffen.
Rinderseuche weniger alarmierend
Der Dachverband zeigt sich deutlich gelassener: Zwar nehme man die Sache ernst, teilt Swiss Cheese Marketing mit. Die Exportperspektive sei mittlerweile aber differenzierter und weniger alarmierend als noch 2025 angenommen: Eine Analyse der verschiedenen Märkte habe gezeigt, dass der Rohmilchkäse im Zusammenhang mit LSD nicht mehr automatisch vom Export ausgeschlossen wäre.
Zudem merkt SCM an: Während die Krankheit für Rinder tödlich endet, ist sie für den Menschen harmlos. «Entscheidend ist, gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten klar zu kommunizieren, dass es sich um eine Tierseuche handelt, nicht um ein Risiko für den Verzehr von Käse.»
Und: Einen generellen Imageschaden befürchte man deshalb wegen der Rinderseuche keineswegs. Von den selbstbewussten Worten aus der Branche könnte sich besonders der Emmentaler eine Scheibe abschneiden.