Darum gehts
- Das BLV verbietet 2026 die Sömmerung von 6000 Schweizer Rindern in Frankreich
- Grund ist die Tierseuche LSD, die in Grenznähe auftritt
- Ein LSD-Ausbruch bedroht Export von 40 % der Schweizer Käseproduktion
Für rund 6000 Schweizer Rinder fallen die Sommerferien in Frankreich dieses Jahr aus: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat den Bauern die Sömmerung von Schweizer Rindern im Nachbarland verboten.
Die Massnahme wurde wegen der Tierseuche Lumpy Skin Disease (LSD), auch Knötchenkrankheit genannt, ergriffen. In Grenznähe ist die Krankheit auf dem Vormarsch. Auch wenn in der Schweiz noch kein Fall registriert wurde, herrscht Alarmbereitschaft. Denn die wirtschaftlichen Risiken eines Ausbruchs wären enorm. Käse ist das wichtigste Exportgut der Schweizer Landwirtschaft – rund 40 Prozent der Produktion gehen ins Ausland.
Finanzielle und psychische Folgen
Das Problem: Diverse Schweizer Käse wie etwa der Emmentaler werden aus Rohmilch hergestellt. Und sollte LSD in der Schweiz ausbrechen, drohen massive Handelsbeschränkungen beim Export von Rohmilchprodukten. Länder wie Grossbritannien oder Kanada haben bereits in der Vergangenheit mit Importverboten für nicht pasteurisierte Milchprodukte auf LSD-Ausbrüche reagiert. Das BLV warnt, dass bei einem Fall in der Schweiz der freie Handel mit der EU sowie der Export in Drittstaaten unmittelbar gefährdet wären.
«Wir unterstützen die getroffenen Entscheide und Massnahmen des BLV vorbehaltlos», sagt denn auch Mireille de Cocatrix, Mediensprecherin von Swissmilk, zu Blick. Die Organisation der Schweizer Milchproduzenten hält es für zentral, dass jetzt in die Prävention investiert werde und sich alle – ohne Wenn und Aber – an die Vorgaben des BLV hielten. «Wir haben grossen Respekt vor den wirtschaftlichen Folgen eines solchen Ereignisses.»
Auch für die Betroffenen wäre ein Seuchenfall eine Tragik, sowohl finanziell als auch psychisch. Aktuell würden politische Vorstösse mit dem Ziel einer besseren Absicherung laufen.
Für Menschen harmlos
Das Amt für Veterinärwesen Bern beschreibt LSD als «hochansteckende Viruserkrankung», die Rinder, Büffel und Bisons befällt. Die Krankheit äussere sich etwa durch Fieber, Appetitlosigkeit und die namensgebenden Knoten auf der Haut der Tiere. Zudem komme es zu einem massiven Rückgang der Milchleistung. Übertragen werde das Virus durch stechende Insekten wie Fliegen und Mücken, auf denen der Erreger bis zu zwei Tage überleben könne.
In der Schweizer Gesetzgebung wird LSD offiziell als «hochansteckende Seuche» eingestuft. Dennoch ist die Krankheit für den Menschen völlig harmlos. Auch der Konsum der Milch oder des Fleisches betroffener Tiere sei unbedenklich. Für den Fall eines Ausbruchs von LSD in der Schweiz seien Notfallszenarien ausgearbeitet worden, die den Schaden tief halten sollen. Unter anderem müsste entschieden werden, welche Produkte kurzfristig mit pasteurisierter Milch produziert würden, sagt Swissmilk.
Tierseuchenpolizei kontrolliert
Tritt ein Fall von LSD in einem Betrieb auf, sieht die Tierseuchenverordnung strenge Massnahmen vor. Die gesamte infizierte Herde muss getötet – im Fachjargon «gekeult» – werden. Frankreich liess im vergangenen Sommer bereits Tausende Tiere töten. Immerhin: Die Landwirte stehen im Ernstfall nicht vor dem finanziellen Ruin, da der Bund 90 Prozent des Schätzungswerts der Tiere entschädigt.
Für die Überwachung und den Vollzug der Massnahmen ist die Tierseuchenpolizei zuständig. Das sind etwa die Kantonstierärzte oder amtliche Tierärzte. Im Seuchenfall wird zudem eine Schutzzone um den betroffenen Betrieb errichtet.