Darum gehts
- Schweiz produziert 2026 Überschuss an Milch wegen gehaltvollem Futter für Kühe
- Emmi verarbeitete bisher 10 Prozent mehr Milch als 2025
- Ende 2025 gab es 525'500 Milchkühe, 63'000 weniger als 2015
Die Schweiz hat derzeit Milch im Überschuss. Einer der Hauptgründe: Die Futterernte für Milchkühe war im letzten Jahr ausserordentlich gehaltvoll. Mit gutem Gras produzieren die Kühe mehr Milch. Das wirkt sich auf das Geschäft des Luzerner Molkerei-Unternehmens Emmi aus. Dort laufen die Produktionsstätten auf Hochtouren.
Nun sorgt Emmi-Chefin Ricarda Demarmels (45) mit einer Aussage in einem Interview für Aufsehen: «Wir haben in der Schweiz zu viele Kühe», sagte die CEO des grössten Schweizer Milchkonzerns zu CH Media. Die Milchschwemme sei zwar nur vorübergehend, aber das Aufkommen liege über dem üblichen Niveau. Darum habe Emmi in diesem Jahr bisher 10 Prozent mehr Milch verarbeitet als im Vorjahr. «Wir stossen an unsere Kapazitätsgrenzen», so Demarmels.
Bauernverband widerspricht vehement
Die «Zu viele Kühe»-Aussage stösst beim Schweizer Bauernverband sauer auf. «Bis vor einem halben Jahr hatten wir auch nicht zu viel Milch. Noch vor kurzem machten sich die Verarbeiter sogar Sorgen, dass sie nicht genügend Milch bekommen», sagt Sprecherin Sandra Helfenstein auf Anfrage von Blick. «Von dem her stimmt die Aussage, dass es zu viele Kühe gibt, sicher nicht.»
Fakt ist: Die Anzahl der Milchkühe nimmt in der Schweiz seit längerem ab. Ende 2025 standen rund 525’500 in den Ställen, 63’000 weniger als vor 10 Jahren. Gleichzeitig nimmt die Milchmenge pro Kuh aber leicht zu. Der Milchkonsum pro Kopf ist seit den 1990er-Jahren praktisch gleich geblieben.
Neben der guten Futterqualität macht der Bauernverband vielmehr noch weitere Gründe für den Milchüberschuss verantwortlich. So leide die Schweizer Käse-Industrie unter sinkenden Exportzahlen – «unter anderem in die USA, dem zweitwichtigsten Absatzmarkt, aufgrund der neuen US-Zölle von Trump», so Helfenstein. Auch macht der starke Franken den Schweizer Käse in anderen Exportländern teurer, was den Absatz schmälert. Zudem steige der Importdruck – unterdessen importiere die Schweiz mehr Käse, als sie exportiert.