Subventions-Irrsinn beim Bund
Diese Staatsausgaben gefährden die Gesundheit

Die Schweiz investiert jährlich mehrere Millionen in die Prävention von chronischen Krankheiten. Gleichzeitig fördert der Bund den Anbau ungesunder Produkte. Blick zeigt, wo Bern seine eigene Präventionspolitik unterläuft.
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Die Zuckerrübe erhält höhere Direktzahlungen als manch anderes landwirtschaftliches Produkt.
Foto: IMAGO/Daniel Scharinger

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Bund gab 2023 770 Millionen Franken für Gesundheitsprävention aus
  • Zuckerproduktion erhielt 35 Millionen Franken Subventionen, Tabakanbau 13 Millionen
  • 8,6 Millionen Franken flossen 2023 in die Weinwerbung
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Simone SteinerBundeshausredaktorin

Tabak, Alkohol und Zucker sind schlecht für die Gesundheit. Um die Bevölkerung vor den sündigen Genüssen zu schützen, gibt der Bund jedes Jahr Unmengen an Staatsgeldern aus. Im Jahr 2023 sprach er 770 Millionen Franken für die Prävention von Krankheiten, die mit diesen Produkten in Zusammenhang stehen können.

Doch der Bund handelt widersprüchlich. Denn gleichzeitig subventioniert er den Anbau eben dieser gesundheitsgefährdenden Genussmittel. Grosse Unterstützung erhält etwa die Alkoholproduktion, wie eine aktuelle Auswertung von Blick zeigt.

Im Jahr 2023 wurden Rebberge in Hanglage mit knapp 12 Millionen Franken unterstützt. Zudem wurden 8,6 Millionen Franken in die Vermarktung der Weine investiert. Die Subventionen für die Weinwerbung wurden 2019 eingeführt. Damals war die Weinproduktion zwei Jahre in Folge besonders hoch.

Diego Taboada (30) von der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse ist das Phänomen ein Dorn im Auge. Dass so viel Geld in die Vermarktung eines gesundheitsgefährdenden Getränks fliesst, ist für ihn unverständlich. «Das wäre, wie wenn man Ölheizungen subventioniert, obwohl die Schweiz ihren CO₂-Ausstoss reduzieren will», sagt er.

Steuergelder für Tabak

Auch die Produktion von inländischem Tabak wird mit 13 Millionen Franken unterstützt. Die Finanzspritze wird aber von den Rauchern selbst bezahlt. Und zwar durch eine Abgabe von 2,6 Rappen pro Zigarettenpäckli.

Taboada sieht auch das kritisch. «Tabak wird besteuert, damit der höhere Preis junge Menschen vom Rauchen abhält», betont er. Wenn dann der Anbau subventioniert wird, mache das die Zigaretten wieder billiger.

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Im Vergleich zu anderen Pflanzen wird Tabak nicht direkt gefördert. Die Bauern kommen aber dennoch in den Genuss von staatlichen Subventionen: Nämlich wenn sie ökologisch anbauen oder Massnahmen zur Erhaltung der Biodiversität einhalten. Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft bewegt sich dieser Betrag jährlich zwischen 350'000 und 490'000 Franken.

Interessant ist auch die Situation beim Zucker: Die Rübe profitiert von besonders hohen Direktzahlungen. 2100 Franken kassieren die Landwirte pro Hektar. Hinzu kommen 200 Franken für den biologischen Anbau. Insgesamt zahlte der Bund der Zuckerproduktion 35 Millionen Franken im Jahr 2023.

Bauernverband verteidigt «ungesunde» Subventionen

Der Direktor des Schweizer Bauernverbandes, Martin Rufer (49), verteidigt die Zahlungen. «Wein, Tabak und Zucker werden sowieso konsumiert», argumentiert er. Durch die Förderung der inländischen Produktion werde sichergestellt, dass die strengen ökologischen Standards eingehalten werden.

Zu den Subventionen für die Vermarktung sagt der Direktor: «Es geht nicht darum, den Konsum anzukurbeln.» Beim Wein etwa würden zwei Drittel aus dem Ausland importiert. Mit der Werbung soll lediglich erreicht werden, dass Personen, die ohnehin Wein konsumieren, zu inländischen Produkten greifen.

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