Migrol-Chef Andreas Flütsch sieht Rekordpreis gelassen
«Bei 3 Franken für einen Liter Diesel verkauft noch niemand das Auto»

An Schweizer Tankstellen, Migrol eingeschlossen, kostet Diesel so viel wie noch nie. Blick konnte mit Migrol-Chef Andreas Flütsch sprechen – und weiss, warum der Marktkenner nicht mit tieferen Preisen rechnet.
Kommentieren
1/8
2.47 Franken kostet ein Liter Diesel aktuell bei dieser Migrol-Tankstelle in Zürich.
Foto: Milena Kälin

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Dieselpreise in der Schweiz erreichen Rekordhoch von fast 2.50 Franken pro Liter
  • Rohstoffmärkte, Kriege und tiefer Rheinpegel treiben Brennstoffpreise weiter an
  • Migrol betreibt 1000 E-Ladestationen, mit 1,5 Millionen Ladevorgängen jährlich
Milena Kälin, Tatiana Molotová

An den Zapfsäulen spielen die Preise verrückt. Ein Liter Diesel kostet fast 2.50 Franken – ein neuer Rekord. Die Migrol hat die Dieselpreise am Dienstag auf über 2.40 Franken erhöht. Blick konnte den Chef der Migros-Tochter, Andreas Flütsch (58), am Rande einer Medienkonferenz zur Einweihung der 1000. E-Ladestation fragen, ob die Spritpreise weiter verreisen. 

Blick: Herr Flütsch, halten Sie es für möglich, dass der Liter Diesel bei Ihnen bis auf 3 Franken steigt?
Andreas Flütsch: Grundsätzlich ist am Markt vieles möglich, aber ich rechne beim Diesel nicht mit einem Anstieg auf 3 Franken pro Liter. Das wäre etwas gar hoch. Leider mussten wir die Preise am Dienstag auf über 2.40 Franken pro Liter Diesel erhöhen. Weil die Rohstoffmärkte in den letzten Tagen durcheinandergewirbelt wurden, gab es da einen starken Aufwärtstrend. 

Gibt es eine Schmerzensgrenze, die Sie nicht überschreiten wollen?
Für die Migrol ist ein tieferer Preis interessanter. Wir wollen lieber günstigere Preise anbieten, damit die Kundinnen und Kunden auch zu uns kommen. Aber letztlich bestimmt der Markt den Preis. Eine feste Preisobergrenze gibt es deshalb nicht. Die Frage ist, wie hoch der Preis sein muss, bis der Autofahrer wirklich markant weniger fährt. Aufgrund von Branchenbefragungen gehen wir davon aus: Auch bei 3 Franken für einen Liter Diesel verkauft noch niemand das Auto. 

Viele können auf ihr Fahrzeug nicht verzichten. Die Leute betanken ihr Fahrzeug, auch wenn die Preise hoch sind?
Bei der Tankfüllung haben wir keine Veränderung bemerkt. Ich würde aber nicht ausschliessen, dass einige etwas weniger tanken, da sie momentan das Auto weniger brauchen. Aber diese Veränderung ist marginal. 

Wie geht es nun mit den Preisen an der Zapfsäule weiter?
Sowohl Benzin als auch Diesel hängen von denselben internationalen Märkten ab und beide sind stark unter Druck. Aktuell tragen der Konflikt im Jemen, der Irankrieg und auch nach wie vor der Krieg Russlands in der Ukraine zur heutigen Krise bei. Hinzu kommen noch die Zwischenwahlen in den USA. Zu einem grossen Preisrückgang wird es in nächster Zeit voraussichtlich nicht kommen.

Es braucht also zuerst eine Entspannung am Weltmarkt, bevor die Preise an der Zapfsäule wieder sinken?
Genau. Ein weiteres Problem sind die geringen Raffineriekapazitäten. In Europa wurden Raffinerien in den letzten Jahren aus Umweltgründen abgebaut. Die in Russland sowie im Nahen Osten werden beschossen. Dadurch gibt es noch weniger Raffinerien, die Rohöl in Benzin und Diesel umwandeln. Entsprechend ist die Verarbeitungsmarge markant gestiegen. Wer heute noch eine Raffinerie betreibt, verdient aktuell damit ganz viel Geld. 

Die Migros besitzt keine Raffinerien. Sie sind ihnen ausgeliefert?
Bei Produkten wie Diesel und Benzin arbeiten wir zwar vielfach mit Jahresverträgen. Aber nur die Menge ist fixiert und nicht der Preis. Die Raffinerien können dadurch die gestiegenen Preise für Treibstoffe an uns weitergeben.

Was treibt sonst noch die Preise an der Zapfsäule nach oben?
Auch der tiefe Rheinpegel macht uns zu schaffen. Mehr Regen würde guttun, dann könnten die Schiffe mehr Volumen transportieren. Der Preis an der Zapfsäule ist aktuell etwa 15 Rappen höher, als das bei einem normalen Rheinpegel der Fall wäre. 

Im Gegensatz zum Sprit schwankt der Preis bei den E-Ladestationen nicht. Wie kommt der Preis da zustande?
Den Strom beschaffen wir zentral über den Migros-Genossenschafts-Bund. Regionale Schwankungen gibt es deshalb nicht, überall gilt der gleiche Preis pro Ladeleistung. Dieser liegt zum Beispiel bei einer Leistung von 50 kW bei 0.48 Franken pro Kilowattstunde und ist seit längerer Zeit gleich. Ich weiss nicht, wann wir ihn zum letzten Mal angepasst haben. 

Sie haben den 1000. E-Ladepunkt in Betrieb genommen. Wie viele Menschen laden täglich ihr Auto während eines Migros-Einkaufs?
Täglich werden drei bis vier Autos pro Ladepunkt geladen. Es sind also etwa 4000 Ladungen pro Tag. Auf das Jahr gerechnet, haben wir somit rund 1,5 Millionen Ladevorgänge.

Das tönt jetzt nicht nach viel. Wie wirkt sich das auf den Umsatz aus?
Es handelt sich dabei um einen Markt im Wachstum, der Umsatz ist markant kleiner als im Tankstellengeschäft. Bei den Diesel- und Benzinpreisen machen Steuern einen grossen Teil aus, bei den Strompreisen ist dies nicht der Fall. Zudem ist es ein neues Geschäftsfeld. Deshalb macht es uns umso stolzer, bereits nach drei Jahren den 1000. Ladepunkt einzuweihen.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen