Darum gehts
- Benzin- und Dieselpreise erreichen neue Rekorde: In Winterthur ZH kostet Diesel bereits mehr als 2.50 Franken pro Liter
- Italien und Frankreich haben Entlastungen beschlossen, in Deutschland werden weitere Massnahmen gegen die hohen Spritpreise diskutiert
- Der Bundesrat sieht derzeit keinen Handlungsbedarf – und setzt vorerst auf die Sicherung der Versorgung
Die Fahrt zur Tankstelle tut Autolenkerinnen und Autolenkern richtig weh: Aktuell kostet der Liter Bleifrei 95 hierzulande im Schnitt 2.10 Franken, Diesel 2.38 Franken. Dass es noch happiger geht, zeigen Beispiele aus Zürich-Leimbach oder Altdorf UR: Dort fliesst Diesel für sagenhafte 2.47 Franken pro Liter durch die Schläuche einiger Tankstellen. Noch extremer gehts in Winterthur ZH: An der Shell-Tankstelle an der Zürcherstrasse müssen Diesel-Fahrer neuerdings 2.52 Franken pro Liter berappen! Ein neuer Allzeitrekord – höher als während der Energiekrise nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs 2022. Damals kostete der Liter Diesel «nur» 2.38 Franken.
Auch bei unseren Nachbarn im Norden jagen die Spritpreise von einem Rekord zum nächsten: In Deutschland kostet ein Liter Bleifrei 95 laut ADAC im Schnitt ebenfalls 2.10 Franken, bei Diesel sind es 2.17 Franken. Der Preis für einen Liter Superbenzin E10 erreichte am Dienstag den vierten Rekord in direkter Folge. Wie reagieren unsere Nachbarn auf die hohen Preise an den Zapfsäulen?
Italien schenkt Millionen Autofahrern die Kfz-Steuer
Etwas günstiger ist Tanken derzeit in Italien: Bleifrei 95 kostet im Schnitt 1.90 Franken, Diesel 2.02 Franken. Trotzdem hat die Regierung rund um Ministerpräsidentin Georgia Meloni (49) jetzt Massnahmen beschlossen: Für das gesamte Jahr 2027 werde keine Fahrzeugsteuer auf bestimmte PW und Motorräder erhoben. Das verkündete Meloni am Donnerstag.
Bei Autos gilt die Befreiung für Fahrzeuge mit höchstens 80 Kilowatt Leistung, also rund 109 PS. Pro Person kann zudem nur ein Fahrzeug geltend gemacht werden. Der Steuererlass ist vorerst auf ein Jahr begrenzt. Der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti (59) erklärte jedoch, die Regierung wolle die Befreiung dauerhaft machen.
Frankreich verlängert Subventionen
Auch Frankreich reagiert auf die explodierenden Spritpreise: Der Staat unterstützt besonders betroffene Berufsgruppen und hat nun die Tankzuschüsse für Landwirtschaft, Baugewerbe und Fischerei bis Jahresende verlängert. Für Fischer steigt der Zuschuss sogar – von 25 auf 35 Cent pro Liter. Bauunternehmen und Landwirte erhalten weiterhin 20 respektive 15 Cent pro Liter Diesel für ihre Maschinen.
Ausserdem hat der Ölkonzern Totalenergies vor rund fünf Monaten an seinen französischen Tankstellen einen Preisdeckel eingeführt: Benzin kostet dort maximal 1.99 Euro pro Liter, Diesel höchstens 2.25 Euro.
Gibts in Deutschland wieder Tankrabatt?
Deutschland hat noch keine konkreten Massnahmen zur Entlastung geplagter Autofahrer verabschiedet. Bundeskanzler Friedrich Merz (70) versprach am Dienstag aber: «Sie können davon ausgehen, dass wir sehr bald einen Vorschlag dazu vorlegen.» Wann genau, liess Merz offen. Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (53), sagte derweil in einem ARD-Interview: «Ich glaube, wenn man das jetzt zügig macht, kann das zum 1. Oktober gelingen.» Viele Politiker weibeln für einen erneuten Tankrabatt, wie es ihn in Deutschland bereits von Anfang Mai bis Ende Juni gab.
Unser Bundesrat sieht «keinen Bedarf für Massnahmen»
Und was macht die Schweiz? Bislang nichts. Auf einen am 19. Juni eingereichten Vorstoss von SVP-Nationalrat Thomas Knutti (53) zu möglichen Massnahmen gegen steigende Treibstoffpreise antwortete der Bundesrat am 2. September: «Insgesamt ist die Situation derzeit nicht vergleichbar mit dem Jahr 2022, als die Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine sehr stark anstiegen.» Und: «Der Bundesrat sieht derzeit keinen Bedarf für Massnahmen, beobachtet die Entwicklung aber aufmerksam.» Aus Bern gibt es derzeit keine Anzeichen, dass sich seither etwas daran geändert hat.
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) erlaubte am 8. September allerdings den Bezug von jeweils bis zu 30'000 Kubikmeter Benzin und Diesel aus den Pflichtlagern. Auslöser war ein technischer Fehler in der Erdölraffinerie in Cressier NE, der einen Produktionsstopp zur Folge hatte. Mittlerweile konnte der Defekt behoben werden. Diese Massnahme diente aber der Sicherstellung der Versorgung, nicht der Verbilligung. Freigegebene Ware aus den Pflichtlagern werde zum aktuellen Marktpreis verkauft, erklärt ein BWL-Sprecher gegenüber Blick.