Darum gehts
- Dieselpreise in der Schweiz erreichen 2.46 Franken im Schnitt, Benzin 2.14 Franken
- In Österreich kostet Bleifrei 95 umgerechnet nur 1.72 Franken pro Liter an der Grenze
- In Österreich lohnt sich der Tanktourismus am meisten
Ein Blick auf die Preistafeln hiesiger Tankstellen macht Autofahrern gerade richtig Bauchweh: Laut Touring Club Schweiz (TCS) kostet Diesel im Schweizer Schnitt 2.46 Franken pro Liter. An einer Tankstelle in Winterthur ZH knackte der Dieselpreis jüngst gar die 2.50-Franken-Marke. Und auch beim Benzin – für das man derzeit durchschnittlich 2.14 Franken pro Liter berappen muss – könnten die Preise weiter steigen.
Auch in unseren Nachbarländern spielen die Preise an den Zapfsäulen verrückt. Sie haben deshalb bereits reagiert: Deutschland will die Energiesteuer auf Benzin und Diesel ab Oktober bis Ende Jahr um 14 Cent pro Liter senken. In Österreich ist ebenfalls eine Entlastung ab Oktober um 12 Cent pro Liter vorgesehen. Die italienische Regierung um Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) schenkt derweil Millionen Auto- und Töfffahrern ab kommendem Jahr die Fahrzeugsteuern.
Wann lohnt sich Tanken ennet der Grenze?
Schon heute ist der Liter ennet der Grenze teils günstiger als in der Schweiz. Doch der Preis auf der Tafel erzählt nur die halbe Geschichte. Wer eigens zum Tanken über die Grenze fährt, verbraucht unterwegs Most. Für Sparfüchse stellt sich deshalb die Frage: Lohnt sich der Ausflug überhaupt?
Blick hat nachgerechnet. Für den Vergleich sind landesweite Durchschnittspreise im Ausland wenig hilfreich. Wer in der Schweiz losfährt, tankt schliesslich eher gleich nach der Grenze als irgendwo im Landesinnern. Deshalb hat Blick die Tankstellen-Preise in beliebten Grenzregionen genommen und daraus jeweils einen Durchschnitt für Bleifrei 95 und Diesel berechnet. In Deutschland wurden etwa Tankstellen bei Konstanz, Lörrach, Weil am Rhein sowie Jestetten berücksichtigt.
Berechnete Grenz-Durchschnittspreise
- Deutschland: 2.18 Franken (Bleifrei 95), 2.30 Franken (Diesel)
- Frankreich*: 1.85 Franken (Bleifrei 95), 2.09 Franken (Diesel)
- Österreich: 1.72 Franken (Bleifrei 95), 2.03 Franken (Diesel)
* Bei den französischen Preisen sind jene der Tankstellen-Kette Totalenergies ausschlaggebend. Solche Stationen gibt es nahe der Schweizer Grenze, etwa bei den Kantonen Genf, Neuenburg und Basel. Der Konzern hat im Frühjahr einen Preisdeckel für seine französischen Tankstellen eingeführt.
Für die Rechnung hat Blick folgende Daten als Grundlage genommen:
- 50-Liter-Tank
- 7 l/100 km Verbrauch
- 2 Franken je Liter für den zusätzlichen Fahrweg
- 5 Franken müssen nach dem Umweg mindestens übrig bleiben
- Entfernung = zusätzliche Gesamtstrecke für Hin- und Rückfahrt
Diese Umwege lohnen sich
Ein Blick auf die Tabelle zeigt: Am meisten Spielraum bietet Österreich. Beim Benzin beträgt der Preisvorteil 42 Rappen pro Liter. Eine Füllung mit 50 Litern kostet damit zunächst 21 Franken weniger als in der Schweiz. Nach Abzug der gewünschten Mindestersparnis von 5 Franken bleiben 16 Franken für die Fahrt. Das reicht bei 14 Rappen pro Kilometer für höchstens 114 zusätzliche Kilometer. Beim Diesel sind es 117 Kilometer. Wer also im Kanton St. Gallen wohnt, könnte hier mit einem Trip über die Grenze sparen.
Auch Frankreich kann sich rechnen. Mit den erhobenen Preisen dürfen Verbrenner insgesamt 67 Kilometer, Dieselfahrer 96 Kilometer Umweg fahren. Good News also für Autofahrer aus Genf, aus der Waadt sowie Pratteln, Liestal oder Sissach im Kanton Basel-Land.
Deutschland schneidet derweil deutlich schlechter ab: Bleifrei 95 ist dort in der Stichprobe sogar 4 Rappen pro Liter teurer als in der Schweiz. Beim Diesel spart eine 50-Liter-Füllung zunächst 8 Franken. Damit nach der Fahrt noch 5 Franken bleiben, darf der zusätzliche Weg höchstens 21 Kilometer betragen.
Das Verrückte daran: In den Berechnungen sind die geplanten Entlastungen für Deutschland und Österreich noch gar nicht eingepreist. Heisst: Ab Oktober lohnt sich der Tanktourismus noch mehr.