Darum gehts
- Dieselpreis in der Schweiz erreicht 2.46 Franken pro Liter im Schnitt
- Goldman Sachs prognostiziert Benzin-Preisanstiege durch geringeres Angebot bis 2027
- Rohölpreis stieg seit Januar 2026 von 60 auf 100 Dollar pro Fass
Bei den Ölkonzernen und Raffinerien sprudeln die Gewinne, an den Tankstellen klettert der Dieselpreis von Rekord zu Rekord. Wer kann, lässt seinen Verbrenner in der Garage stehen – auch in der Schweiz. Laut Touringclub TCS kostet der Liter Diesel derzeit 2.46 Franken im nationalen Schnitt. An vielen Tankstellen blättern Kundinnen und Kunden für den Liter mehr als 2.50 Franken hin.
Damit vergrössert sich der Abstand zum Benzinpreis. Gegenwärtig kostet der Liter Bleifrei 95 durchschnittlich 2.14 Franken. Doch auch hier droht der nächste Preis-Schock: Bloomberg spricht von einem möglichen Kostenanstieg beim Benzin. Die Nachrichtenagentur verweist auf einen Bericht der Investmentbank Goldman Sachs. Darin ist die Rede, dass Raffinerien ihre Produktion vermehrt von Benzin weg auf Diesel ausrichten würden, weil dort mehr zu holen ist. Dies führe zu einem knapperen Angebot an Benzin.
«Diesel könnte zwar noch weiter steigen, doch Benzin biete nun mehr Chancen auf Preissteigerungen», zitiert Bloomberg aus dem Anlage-Bericht. Die Goldman-Sachs-Banker empfehlen «Wetten auf Preisanstiege bei europäischem Benzin» für Mitte 2027.
Schweizer Branchenvertreter erwarten knappes Angebot
«Tatsächlich stellen die fehlenden Raffineriekapazitäten einen zusätzlichen kostentreibenden Faktor dar», sagt Olivier Fantino (40), Direktor von Avenergy Suisse, zu Blick. Die Mitglieder der Organisation – von Agrola, Migrol, Socar bis Tamoil – unterhalten hierzulande eines der dichtesten Tankstellennetze in Europa. Fantino: «In Europa wurden in den letzten Jahren zahlreiche Raffinerien stillgelegt, und in Russland sowie im Nahen Osten wurden viele Raffinerien durch kriegerische Handlungen beschädigt oder zerstört.» In den letzten Wochen habe sich diese Problematik eher in der Tatsache niedergeschlagen, dass die Dieselpreise stärker gestiegen sind als die Benzinpreise, so der Experte.
Avenergy macht keine Preisprognosen. Die Hauptfaktoren für die hohen Preise seien ohnehin nach wie vor der Iran-Krieg und, weniger ausgeprägt, der Ukraine-Krieg. «Die Entwicklung der Rohölpreise hängt stark von der weiteren Entwicklung auf diesen Kriegsschauplätzen ab», sagt Fantino. Aktuell kostet das Fass Rohöl mehr als 100 Dollar an den Märkten. Anfang des Jahres waren es lediglich 60 Dollar.
Trump spricht von Diesel-Export-Stopp
Mit dem Iran-Krieg sorgt US-Präsident Donald Trump (80) für explodierende Ölpreise weltweit. Und indirekt auch für höhere Spritpreise in Europa und der Schweiz.
Um die heimischen Treibstoffpreise zu senken, erwägen die USA jetzt einen Export-Stopp für Diesel. «Ich habe gesagt, lasst uns den Diesel nicht ausführen», sagte Trump diese Woche am Rand der Uno-Generaldebatte in New York. Zuletzt unterbrochen hatten die USA ihre Exporte von Rohöl während der Ölkrise in den 1970er-Jahren, um amerikanische Automobilisten zu entlasten.
Fakt ist: Die Spritpreise in der Schweiz sind nicht nur durch internationale Unsicherheiten an den Märkten und durch den Rohölpreis bestimmt, Einfluss haben auch die steigenden Frachtkosten für die Einfuhr, weil die Rheinpegelstände tief sind.
Diesel und Benzin dürften bis auf Weiteres und ins Jahr 2027 hinein teuer bleiben und das Leben der Schweizer Haushalte zusätzlich verteuern.