Darum gehts
- Dieselpreise in der Schweiz erreichen 2.50 CHF und belasten Transportunternehmen massiv
- Astag fordert Steuergutschriften und vergünstigten «Gewerbe-Diesel» als Entlastung
- 30 % höhere Dieselpreise kosten pro Lastwagen jährlich 20'000 Franken
Die rekordhohen Dieselpreise sind ein Schock! Nicht nur für ganz normale Autofahrer, die zur Arbeit fahren oder die Kinder ins Fussballtraining bringen. Sondern auch für die vielen Fuhrhalter im Land, die Tag für Tag auf Schweizer Strassen unterwegs sind. Die hohen Kosten schlagen direkt auf die Liquidität, fressen einen grossen Teil ihrer Marge weg – und dürften über kurz oder lang für einige gar existenzbedrohend werden.
Darum fordert der Nutzfahrzeugverband Astag vom Bund sofortige Entlastungsmassnahmen. Für viele Transportunternehmen werde die Situation zur «ernsthaften Belastungsprobe», warnt der Astag in einem Brief an Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62). Der Verband kennt die Sorgen der Lastwagen- und Carunternehmen nur zu gut. Er vertritt mehr als 3000 Firmen.
20'000 Franken pro Lastwagen
Besonders kleine und mittlere, oft familiengeführte Betriebe könnten die höheren Kosten kaum auffangen. Das Problem: Viele Firmen stecken in langfristigen Verträgen. Die plötzlich explodierten Dieselpreise könnten deshalb nicht oder erst mit Verzögerung an die Kunden weitergegeben werden. Kleineren Firmen fehle zudem häufig die Marktmacht, höhere Frachttarife durchzusetzen.
Jetzt stellt der Astag einen Forderungskatalog auf. So verlangt der Verband unter anderem Steuergutschriften, um die Mehrkosten abzufedern. Und noch dringlicher: Es soll ein sogenannter «Gewerbe-Diesel» zu vergünstigten Preisen eingeführt werden. Eine Massnahme, die all die Fuhrhalter im Lande sofort entlasten würde.
«Die Treibstoffe machen zwischen 20 und 35 Prozent der Betriebskosten eines Transportunternehmens aus und wirken sich somit unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit aus», sagt Astag-Direktor Reto Jaussi (58) zu Blick. Konkret: Bei den heute rund 30 Prozent höheren Dieselpreisen macht das pro Lastwagen und Jahr 20'000 Franken aus.
«Auf schnelle Massnahmen angewiesen»
Jaussi ist erstaunt: «Im Vergleich zum Ausland ist die Schweiz das einzige Land, das bisher keine staatlichen Massnahmen kennt», sagt er. Und betont: 80 Prozent der Mitglieder seien familiengeführte Kleinstunternehmen mit einem bis zehn Fahrzeugen. «Ihre Gewinnmargen sind äusserst bescheiden. Mit den hohen Dieselpreisen werden ihre Gewinne vernichtet.» Beim Verband sei man «sehr besorgt». «Eine systemrelevante Branche ist in dieser ausserordentlichen Lage, die sich nicht in absehbarer Zeit entschärft, auf schnelle Massnahmen angewiesen», so Jaussi weiter.
Der Astag erhöht deshalb den Druck auf den Bundesrat. Die Transporteure stellten täglich die Versorgung und Entsorgung der Schweiz sicher. Diese Leistung müsse auch bei den aktuellen Dieselpreisen gewährleistet bleiben. Ob Keller-Sutter den Lastwagenfirmen tatsächlich beim Tanken entgegenkommt, ist offen. Bisher hat sich der Bund mit entsprechenden Sofortmassnahmen zurückgehalten.