Darum gehts
- Iran-Krieg treibt Treibstoffpreise in der Schweiz massiv in die Höhe
- Benzinpreise: 1.89 CHF/Liter (+13 %), Diesel 2.14 CHF/Liter (+25 %)
- 48 % Anstieg bei E-Auto-Suchen auf AutoScout24 seit März 2026
Die Folgen des Iran-Krieges treffen Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer mit voller Wucht. Laut einer neuen Studie von Marketagent Schweiz spüren bereits 62 Prozent der Bevölkerung die steigenden Spritpreise deutlich im Portemonnaie. Besonders hart trifft es Menschen mit tiefem Einkommen: Dort spricht fast jeder Zweite von einer «grossen finanziellen Belastung».
Kein Wunder, der Liter Bleifrei kostet laut TCS im Schnitt 1.89 Franken – 13 Prozent mehr als vor Kriegsausbruch. Der Liter Diesel fliesst gar für 2.14 Franken durch den Zapfschlauch, der Preis hat sich um ein Viertel verteuert. Viele Schweizer treten wegen der hohen Preise auf die Bremse. Vier von zehn Personen nutzen ihr Auto, Motorrad oder Moped inzwischen seltener. Jeder Neunte hat seine Fahrten sogar «deutlich reduziert», heisst es in der Studie.
Das Sonntagsfährtli ist gestrichen
Stattdessen steigen viele Autofahrer auf Zug, Bus und Tram um – oder gehen häufiger zu Fuss. Auch Velos und Roller erleben einen Boom. Mehr als jeder Vierte verzichtet bewusst auf unnötige Fahrten. Und spaziert am Wochenende mit der Gattin lieber durch den nahen Wald, als mit dem Oldtimer eine Ausfahrt aufs Land zu machen.
Der Grund für die Nervosität ist simpel: Viele Schweizerinnen und Schweizer rechnen nicht mit einer schnellen Entspannung. Zwei von fünf Befragten glauben, dass die hohen Preise noch mindestens sieben Monate bleiben. Acht Prozent gehen sogar davon aus, dass Benzin und Diesel dauerhaft teuer bleiben.
Schweizer denken über Umstieg nach
Die Krise verändert aber nicht nur das Fahrverhalten, sie gibt auch der Elektromobilität plötzlich neuen Schub. Die zentrale Frage: Fahre ich doch günstiger, wenn ich mir einen Stromer in die Tiefgarage stelle? Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer beantworten diese Frage mit einem Ja. Laut der repräsentativen Umfrage würden sich heute bereits mehr Menschen für ein Hybrid- oder Elektroauto entscheiden als für klassische Benziner oder Diesel.
Das deckt sich mit einer aktuellen Auswertung von AutoScout24. Auf der grössten Schweizer Auto-Plattform lagen die Suchanfragen nach E-Autos im Januar und Februar noch 8 Prozent über dem Vorjahr. Nach Ausbruch des Iran-Krieges beschleunigte sich das Wachstum von Mitte März bis Mitte April auf 48 Prozent. Autofahrer informieren sich also markant häufiger über alternative Antriebsformen als noch vor einem Jahr. Und fahren plötzlich auf Stromer ab.
«Mehr als ein simpler Sparreflex»
Besonders die Jungen denken um: In der Gen Z denkt bereits mehr als jeder Vierte ganz konkret über einen Wechsel auf ein Elektroauto nach. Insgesamt sagt in der Marketagent-Befragung jede fünfte Person, dass die aktuelle Krise sie zum Umdenken gebracht habe. «Die steigenden Treibstoffpreise treffen die Menschen mitten im Alltag», sagt Roland Zeindler von Marketagent Schweiz.
Die Krise wirke wie ein Beschleuniger für alternative Mobilität und Elektroautos. «Das ist mehr als ein simpler Sparreflex», sagt Zeindler. Die aktuelle Situation sei «möglicherweise ein struktureller Wandel». Dürfte also weit über den Iran-Krieg und die hohen Spritpreise hinaus anhalten.