Darum gehts
- Rekordhitze legt Schifffahrt auf dem Rhein bei Kaub (D) lahm
- Pegel bei Kaub auf einstellige Zentimeter: Schiffe bald nicht mehr fahrbar
- Basler Rheinhäfen: 2025 fast 4 Mio. Tonnen Güter importiert, 10 % des Handels
Die Folgen der intensiven Hitzewellen dieses Rekordsommers werden immer deutlicher. Die anhaltende Trockenheit bringt die Schifffahrt auf dem Rhein – einer der wichtigsten Transportadern Europas – praktisch zum Erliegen. Auch in den nächsten Tagen bleibt grossflächiger, kräftiger Regen über weiten Teilen Europas aus. Der Rhein könnte für Schiffe schon diese Woche zweigeteilt werden, wie der «Spiegel» berichtet.
Besonders kritisch ist die Situation in der deutschen Gemeinde Kaub zwischen Koblenz und Mainz. Dort wird laut dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) erstmals ein Pegelstand im einstelligen Zentimeterbereich erwartet. «Im Prinzip ist der Rhein damit nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt», warnt BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen. Die Fahrrinne ist in diesem Abschnitt ohnehin vergleichsweise flach. Sinkt der Pegel weiter, können Frachter dort keine Güter mehr transportieren. Auch Ausflugsschiffe und Flusskreuzfahrten wären betroffen.
Brot und Benzin werden teurer
Die Konsequenz: Europas wichtigste Wasserstrasse würde in zwei getrennte Verkehrsgebiete zerfallen. Im Norden könnten Schiffe weiterhin zwischen den grossen niederländischen Häfen Rotterdam, Amsterdam, dem belgischen Antwerpen sowie der deutschen Region Köln verkehren. Südlich der kritischen Stelle bliebe der Verkehr unter anderem auf die Rhein-Zuflüsse Main, Neckar und Mosel sowie über den Main-Donau-Kanal möglich. Die durchgehende Verbindung zwischen Nordsee und dem Süden wäre jedoch gekappt.
Auch für die Schweiz hätte das unmittelbare Folgen: Waren aus den grossen Häfen Rotterdam und Antwerpen könnten nicht mehr direkt per Schiff nach Basel gelangen, schreibt SRF. Stattdessen müssten sie unterwegs auf Züge oder Lastwagen umgeladen werden. Das ist aufwendig – und vor allem teuer. Betroffen wären unter anderem Getreide, Futtermittel und Treibstoffe. Versorgungsengpässe seien zwar nicht zu erwarten. Höhere Transportkosten wirken sich aber schnell auf die Preise aus. Brot oder Benzin sowie Futtermittel könnten also teurer werden.
Noch komplizierter wird es bei grossen Maschinenteilen oder Chemikalien. Denn sie erfordern auf der Strasse teure Sondertransporte. Gewisse Gefahrengüter dürfen teilweise gar nicht transportiert werden. Auch die Bahn kann nicht beliebig einspringen: Denn die Nord-Süd-Güterachse ist wegen Bauarbeiten bis 2030 eingeschränkt. Auch die Strasse ist nur bedingt eine Alternative. Denn: Lastwagen allein können die Rheinschiffe laut SRF nicht ersetzen. Ein einziges Schiff in Richtung Basel transportiert bis zu 90 Container. Auf der Strasse wären dafür Dutzende Lastwagen nötig – samt Chauffeuren, die schon heute schwierig zu finden sind.
«Das Fahren ist mühsamer!»
Helfen kann da eigentlich nur noch Regen! Auch am Basler Rheinhafen gehen die besorgten Blicke deshalb immer wieder in Richtung Himmel oder auf die Wetterapp. Die Arbeit als Schiffsführer auf dem Rhein ist derzeit besonders herausfordernd. «Das Fahren ist mühsamer, weil der Rhein so wenig Wasser führt und darum enger ist», erklärte René Stäheli (42) vom Frachter Grindelwald-Mürren gegenüber Blick. Und weiter: «Wo wir sonst 20 bis 30 Meter Platz zwischen den Schiffen haben, um aneinander vorbeizukommen, sind es momentan zum Teil nur noch 2 bis 3 Meter.»
Der Rhein ist eminent wichtig für die Schweiz, er ist der einzige Meerzugang. Von Rheinfelden AG bis Rotterdam schiffbar, verbindet er die Schweiz mit der globalen Hochseeschifffahrt. Letztes Jahr wurden fast vier Millionen Tonnen an Gütern über die drei Basler Rheinhäfen in Basel, Muttenz BL und Birsfelden BL in die Schweiz importiert. Insgesamt wickeln die Häfen so rund zehn Prozent aller Schweizer Importe und Exporte ab.