Tankstellenbetreiber hoffen auf Regen
Niedrigwasser im Rhein lässt die Benzinpreise steigen

Der Rhein ist stellenweise fast ein Rinnsal. Der Fluss führt so wenig Wasser wie noch nie zu dieser Jahreszeit. Mit Folgen für die Schifffahrt und den Konsum. Weil die Frachtschiffe nicht voll beladen werden können, steigen unter anderem die Benzinpreise.
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Die anhaltende Trockenheit macht sich auch im Rhein bemerkbar. Der Fluss führt so wenig Wasser wie noch nie im Juli.
Foto: IMAGO/Marc John

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Rekordtief: Im Juli 2026 führt der Rhein so wenig Wasser wie nie
  • Rheinfrachter transportieren nur ein Drittel der Normallast, Benzinpreise steigen
  • Transportkosten pro Liter Benzin steigen von 2 auf 12 Rappen
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Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Wer dem Basler Volkssport Rheinschwimmen nachgeht, wähnt sich zurzeit eher in einem trägen Rinnsal als in einem reissenden Fluss. Noch nie haben die Messstationen im Monat Juli weniger Wasser registriert als dieses Jahr. Das hat neben weitreichenden Folgen für Fische, Pflanzenwelt und den Tourismus auch Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. Denn die drei Schweizer Rheinhäfen in Basel, Birsfelden BL und Muttenz BL wickeln rund 10 Prozent der Importe und Exporte ab.

Wegen des tiefen Wasserstands können die Rheinfrachter momentan nur noch rund ein Drittel ihrer Normallast führen. Das erhöht die Transportkosten und macht sich so im Portemonnaie der Schweizerinnen und Schweizer bemerkbar.

Auswirkungen an der Zapfsäule

Vor allem voluminöse Produkte wie Benzin, Diesel oder Düngemittel liessen sich am besten mit dem Schiff transportieren, erklärt Claude Maurer (51), Chefökonom des Forschungsinstituts BAK Economics. Und weiter: «Wenn man die Schiffe aufgrund des niedrigeren Pegels weniger beladen kann, wird der Transport teurer und in Form höherer Preise an die Konsumenten weitergegeben.»

Der Ökonom verweist dabei auf das Jahr 2018. Damals wurde die Grossschifffahrt auf dem Rhein wegen Niedrigwasser ganz eingestellt. Mit Folgen für die Benzinpreise: Laut Maurer stiegen diese damals um 4 bis 6 Rappen und veranlassten den Bund, die Pflichtlager anzuzapfen, um die Preissteigerungen aufzufangen.

Tankstellenbetreiber prüft den Wetterbericht

Für die Tankstellenbetreiber ist der Einkauf in den letzten Wochen deutlich teurer geworden. «Normalerweise betragen die Transportkosten für einen Liter Benzin 2 bis 3 Rappen. Über die letzten Wochen sind diese auf 12 Rappen gestiegen», rechnet der Besitzer der Etzelpark-Tankstellen, Michael Knobel (45), vor. Hinzu kommen andere Faktoren wie der Dollar- und Ölpreis. Zusammen mit der aktuellen Trockenheit führt das dazu, dass die Preise an der Zapfsäule wieder steigen, so Knobel.

Der Tankstellenbetreiber hofft deshalb auf einen Wetterumschwung – und prüft täglich den Wetterbericht entlang des Rheins. «Es wäre schön, wenn es jetzt mal ein bis zwei Tage regnen würde», sagt Knobel zu Blick. Und fügt hinzu: «In der Schweiz sollten wir Regentage wieder mehr schätzen, denn sie ermöglichen unseren Wohlstand und unsere Energiesicherheit.»

Erdölimporteure beruhigen

Beim Verband der Erdölimporteure, Avenergy Suisse, ist man bemüht, die Lage nicht zu dramatisieren. Grosse Preissprünge sind laut Ueli Bamert, Leiter Kommunikation von Avenergy Suisse, nicht zu erwarten: «Die Schweiz ist bei ihren Rohölimporten breit abgesichert. Nur jeder fünfte Liter kommt über den Rhein ins Land.» Die anderen Importwege – Bahn, Strasse und Pipelines – und die Mineralölpflichtlager der Branche würden laut Bamert sicherstellen, dass es nicht zu einer unmittelbaren Knappheit komme.

Die Konsumenten dürften es nicht ganz so entspannt sehen. Auch eine Erhöhung um wenige Rappen pro Liter spüren die Autofahrer an der Zapfsäule – und hoffen beim nächsten Mal Tanken auf Regen.


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