Bund prüft illegale Benzinaufschläge
Zahlen Schweizer seit zwei Jahren zu viel für ihren Sprit?

Autofahrer könnten beim Tanken stärker zur Kasse gebeten worden sein als gesetzlich erlaubt. Es herrscht der Verdacht, dass Treibstoffimporteure und Tankstellen einen Klimazuschlag rechtswidrig an ihre Kundschaft weitergegeben haben. Nun ermittelt der Bund.
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Wegen des Kriegs im Nahen Osten ist das Tanken in der Schweiz seit Anfang Jahr deutlich teurer geworden.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer zahlen seit 2024 möglicherweise 3 Rappen pro Liter zu viel für ihren Sprit
  • Bund prüft, ob Treibstoffimporteure Klimazuschlag unrechtmässig an Kunden weitergegeben haben
  • Bei 6 Milliarden getankten Litern pro Jahr läge der Schaden bei 180 Millionen Franken
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Tanken war auch schon billiger: Der Iran-Krieg hat dieses Jahr die Spritpreise in der Schweiz stark nach oben getrieben. Mittlerweile sind die Preise wieder etwas gesunken. Aktuell bezahlt man an der Zapfsäule 1.81 Franken für einen Liter Bleifrei 95, Diesel kostet derzeit 1.98 Franken. Und jetzt auch noch das: Laut Recherchen des «Tages-Anzeigers» könnten Schweizer Autofahrer und Autofahrerinnen seit 2024 zu viel für ihren Sprit abgedrückt haben. Laut der Zeitung erhärtet sich der Verdacht, dass Treibstoffimporteure den gesetzlich erlaubten Klimazuschlag von 5 Rappen an der Zapfsäule nicht nur erhöht, sondern auch an die Kundschaft weitergegeben haben.

Zur Einordnung: Wer in der Schweiz tankt, bezahlt nicht nur für Benzin oder Diesel, sondern auch für den Klimaschutz. Mit dem Erlös finanzieren die Treibstoffimporteure sogenannte Kompensationsprojekte im In- und Ausland. Damit für Autofahrer nicht zu hohe Zusatzkosten anfallen, hat das Parlament im Rahmen der Revision des CO₂-Gesetzes eine Obergrenze festgelegt, welchen Betrag die Treibstofffirmen maximal an die Kundschaft weitergeben dürfen. Dieser beträgt 5 Rappen pro getanktem Liter.

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Klammheimlich von 5 auf 8 Rappen

2024 erhöhte die Stiftung Klimaschutz und CO₂-Kompensation, kurz Klik, den Zuschlag aber auf 8 Rappen. Dies machte damals bereits der «Beobachter» publik. Die Stiftung darf die Gebühr auch erhöhen. Nur: Die Differenz von 3 Rappen müssten die Treibstoffhändler per Gesetz selbst tragen. Sie dürfen sie nicht an die Kunden weitergeben. Genau das könnte aber der Fall sein.

Der «Beobachter» konfrontierte grosse Treibstoffhändler direkt mit der Frage, ob sie den Gewinnausfall an die Kunden weitergeben. Bei einem jährlichen Treibstoffverbrauch von rund 6 Milliarden Litern wären das 180 Millionen Franken, die Autofahrer zu viel bezahlt hätten. Die Migros-Tochter Migrol gab an: «Der Aufschlag wurde dem Markt weitergegeben und ist in den aktuellen Säulenpreisen enthalten.» Die Tankstellenbetreiberin krebste dann aber nach dem Hinweis auf eine mögliche Rechtswidrigkeit zurück. 

Nun untersucht das Bafu, ob die Grenze rechtswidrig überschritten wurde. Die Untersuchung werde voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen, erklärt ein Sprecher gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Auch die Wettbewerbskommission (Weko) wurde über die Vorgänge informiert. Die Aufsichtsbehörde hat allerdings «aus Kapazitätsgründen» noch keine eigene Untersuchung eingeleitet.

Bundesrat entlastet Autoimporteure

Die CO₂-Vorgaben beschäftigen derzeit nicht nur die Treibstoffimporteure. Auch die Autoimporteure mussten zuletzt kräftig Geld an den Bund abdrücken: Für das letzte Jahr kommen 97,7 Millionen Franken an Sanktionsgebühren für überschrittene CO₂-Werte ihrer Flotten zusammen, wie die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Energie zeigen.

Trotzdem dürfte die Branche aufatmen: Die Busse fiel nämlich deutlich tiefer aus als ursprünglich erwartet. Im Januar 2025 passte der Bundesrat die Berechnung der CO₂-Sanktionen an – vorangetrieben durch den Bundespräsidenten und ehemaligen Auto-Schweiz-Chef Albert Rösti (58). Ohne diesen Beschluss wäre die Zahlung rund doppelt so hoch ausgefallen. Für Autofahrer eine bittere Pointe: Während die Branche zuletzt massiv entlastet wurde, könnten ausgerechnet sie beim Tanken jahrelang draufgezahlt haben.

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