Zahlen nur halb so viel
Wie Röstis Rechenkniff den Autoimporteuren Millionen Franken spart

Die Rechnung ist happig: Fast 100 Millionen Franken müssen Schweizer Autoimporteure wegen verfehlter CO₂-Ziele zahlen. Ohne eine Anpassung unter der Federführung von Albert Rösti wären es gar 200 Millionen Franken gewesen.
Kommentieren
1/5
Der Bundesrat passte die Berechnung der CO₂-Sanktionen, vorangetrieben durch Albert Rösti, vergangenes Jahr an.
Foto: ALESSANDRO DELLA VALLE

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Autoimporteure zahlen für 2025 knapp 100 Millionen Franken Busse wegen CO₂-Zielverfehlung
  • Volkswagen-Gruppe trägt mit 54 Millionen die höchsten Sanktionskosten
  • Ohne Lockerung der mathematischen Berechnung der Sanktionshöhe wären Strafzahlungen doppelt so hoch
Nathalie_Benn_Praktikantin Wirtschaft _Blick_2-Bearbeitet.jpg
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Weil neu zugelassene Pkws in der Schweiz die vorgegebenen CO₂-Ziele im Jahr 2025 im Durchschnitt verfehlten, müssen die Grossimporteure nun ihr Portemonnaie öffnen. Konkret müssen sie für 2025 eine Summe von insgesamt 97'663'000 Millionen Franken an den Bund abdrücken, wie die neuen Zahlen des Bundesamts für Energie (BfE) zeigen. Dies, weil die Autoflotten mit durchschnittlichen CO₂-Werten von 101,6 Gramm pro Kilometer leicht über der gesetzlichen Vorgabe von 93,6 Gramm lagen. Deshalb werden Sanktionsgebühren fällig.

Die Volkswagen-Gruppe inklusive Porsche zahlt mit 54 Millionen Franken mit Abstand die höchsten Sanktionen, gefolgt von BMW mit 19 Millionen und Ferrari mit rund 9 Millionen. 

Ohne Lockerung wäre das Doppelte fällig gewesen

Interessant: Ohne eine Anpassung in der Berechnungsformel für die Sanktionen durch den Bundesrat wären die Zahlungen massiv höher ausgefallen. Die hiesige Autobranche hat schon lange auf eine Lockerung gepocht. Die Ziele seien angesichts der Nachfrageentwicklung und des schleppenden E-Auto-Absatzes zu streng, hiess es. Bei Bundesrat und UVEK-Vorsteher Albert Rösti (58) stiess das Anliegen auf offene Ohren: Auf sein Wirken hin passte der Bundesrat deshalb die Verordnung entsprechend an. Seit dem 1. Januar 2025 fallen die Sanktionen bei gleicher CO₂-Überschreitung tiefer aus, was den Importeuren deutliche Erleichterungen verschafft.

Heisst konkret: Ohne diese Anpassung wären gar 200 Millionen Franken fällig gewesen. So schreibt das BfE im Bericht: «Ohne diese Erleichterung wären die Sanktionen der Grossimporteure im Jahr 2025 rund doppelt so hoch ausgefallen.»

Nicht alle begrüssen die mildere Berechnung

Die Reaktionen zu den diesjährigen Strafzahlungen fallen gemischt aus. Martin Winder, Leiter Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Schweiz (VCS), hält die Anpassung für falsch: Die Importeure hätten das Ziel deutlich verfehlt. «Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Schweiz nicht auf Kurs ist, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen», sagt er gegenüber SRF. Erleichterungen bei den Sanktionen zu gewähren, sei der falsche Weg – und die Gesetzgebung zu lasch, so Winder. 

Thomas Rücker, Direktor des Branchenverbands Auto Schweiz, begrüsst die Senkung der Sanktionsgebühren. Die Nachfrage nach emissionsarmen Fahrzeugen sei schlicht nicht hoch genug gewesen, sagt er. Laut ihm verfehlte die Branche die CO₂-Ziele also nicht wegen mangelnden Einsatzes, sondern wegen der schwachen Nachfrage nach E-Autos. Die Lockerung der Regeln habe deshalb immerhin die finanziellen Folgen für die Branche abgefedert.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen