Darum gehts
- Benzinpreise könnten bald steigen trotz tiefen Rohölpreisen
- Rheinfrachtkosten seit 11. Juni von 33.50 auf 68.50 Franken gestiegen
- Aktueller Preis: Bleifrei 95 bei 1.81 Franken, Diesel bei 1.98 Franken
Die Ruhe an der Spritpreisfront täuscht! Zwar ist Tanken in der Schweiz seit einigen Wochen wieder etwas günstiger geworden, der Preis für ein Fass Rohöl seit Mitte Mai von gut 110 auf heute rund 71 Franken gesunken.
Doch kurz vor den Sommerferien ziehen neue Gewitterwolken am Treibstoffmarkt auf. Das hat vorderhand nichts mit dem Nahost-Konflikt zu tun, der beim Rohöl im Frühjahr für Höhenflüge gesorgt hat. Auch mit dem Ferienbeginn in ersten Kantonen der Schweiz habe der nun drohende Preisanstieg an den Zapfsäulen keinen Zusammenhang, sagt Michael Knobel (45), Betreiber der Etzelpark-Tankstellen.
Rheinfrachttarife steigen massiv
In den vergangenen Tagen musste Knobel wieder mehr für den Einkauf von Benzin und Diesel auf den Tisch blättern. «Die Pegelstände sind tief, was die Frachtkosten steigen lässt», erklärt Knobel. Laut Touring Club Schweiz (TCS) haben sich die Tarife für die Rheinschifffahrt seit 11. Juni von 33.50 auf aktuell 68.50 Franken pro Tonne mehr als verdoppelt. «Dieser Anstieg wirkt sich auf den Benzinpreis an der Tankstelle mit etwa 2,5 Rappen pro Liter aus», rechnet TCS-Sprecher Marco Wölfli vor.
Konkret liegt der vom TCS ermittelte Durchschnittspreis für einen Liter Bleifrei 95 aktuell bei 1.81 Franken. Ein Liter Diesel kostet 1.98 Franken. Das sind 12 Rappen (Benzin) respektive 15 Rappen (Diesel) pro Liter weniger als noch vor sechs Wochen. Im Februar – also vor Beginn des Nahost-Konflikts – waren es 1.67 Franken beim Bleifrei 95 und 1,79 Franken beim Diesel.
Benzin-Engpässe auch in der Schweiz?
Es gibt derzeit aber noch weitere Einflussfaktoren, die kurzfristig für einen Preisanstieg an den Zapfsäulen sprechen: Ein Dollarkurs von über 80 Rappen und insbesondere eine Knappheit an Raffinerien, die Benzin, Diesel und Heizöl produzieren können. «Wir laufen tatsächlich auf eine Verknappung zu», bestätigt Etzelpark-Chef Knobel. Auch das niedrigere Angebot wirke als Preistreiber. Knobel bleibt laut eigenen Aussagen nichts anderes übrig, als an seinen zehn Billig-Tankestellen demnächst mit den Preisen hochzugehen.
Andere Betriebe dürften folgen. Tankstellenbetreiber Socar will nichts zu konkreten Preissteigerungen sagen. Ein Sprecher lässt aber auf Anfrage durchblicken, dass es mit den Preisen wieder nach oben geht. Wie stark, «hängt stark von der internationalen Marktlage ab». Er merkt an: Speziell beim Diesel seien die Preisausschläge in beide Richtungen zuletzt stärker als beim Benzin gewesen.
Apropos Ferien: Ist es aktuell sinnvoll, eine Grenze mit vollem Tank zu überqueren oder und erst jenseits der Grenze aufzufüllen? Einen Anhaltspunkt über die Spritpreis-Situation in den jeweiligen Ferienländern der Schweizerinnen und Schweizer gibt ein Europa-Preisvergleich von TCS. Die erhobenen Daten sind allerdings von Mitte Juni und noch nicht aktualisiert worden.
Während sich die Benzin- und Dieselpreise in Italien und Frankreich kaum von jenen in der Schweiz unterscheiden, tanken Automobilisten in Österreich und Deutschland deutlich günstiger. Wer mit dem Auto in Spanien unterwegs ist, darf sich freuen: Dort kostet der Liter Bleifrei 95 umgerechnet 1.48 Franken, der Literpreis von Diesel beträgt 1.55 Franken.