Anlage-Experte Thomas Stucki
«Die Deutschen bringen ihr Geld wieder in die Schweiz»

Einmal mehr zeigt sich: Die Schweiz steht wirtschaftlich besser da als ihre Nachbarn. Der starke Franken schütze die Bevölkerung vor Teuerung, und die Sicherheit des Finanzplatzes ziehe neue Vermögen an, sagt Ökonom Thomas Stucki.
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Trotz hoher Benzinpreise ...
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweiz bleibt wirtschaftlich stabil, trotz Inflationsdruck und globaler Unsicherheiten
  • Der starke Franken reduziert die importierte Inflation, belastet jedoch Schweizer Exporteure
  • Die Schweiz ist als sicherer Hafen für Vermögen gesucht
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Christian KolbeRedaktor Wirtschaft

Das Wort von Thomas Stucki (63), Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, hat Gewicht. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung lässt er sich weder von überhitzten Börsen noch von geopolitischen Krisen aus der Ruhe bringen, wie sich im Gespräch mit Blick zeigt. Routiniert steuert er durch Themen wie Teuerung, Zinsen, Franken und Deutschland – und erklärt, was das alles für die Konsumenten und Firmen in der Schweiz bedeutet. 

Blick: Herr Stucki, rein statistisch hat die Schweiz die Inflation im Griff – viel besser als andere Länder. Wieso haben wir trotzdem das Gefühl, dass das Leben immer teurer wird?
Thomas Stucki: Das liegt daran, dass wir nur ganz wenige Preise in unsere Überlegungen miteinbeziehen. Der eine spürt die Teuerung bei den Nahrungsmitteln, die andere bei den Flug- oder Benzinpreisen. Das Inflationsempfinden ist sehr individuell: Wer eine neue Wohnung sucht, nimmt die Teuerung wieder anders wahr. 

Weil Wohnen in der Schweiz immer teurer wird.
Die Mieten sind einer der wichtigsten Inflationstreiber in der Schweiz, allerdings gilt das vor allem für die Angebotsmieten, die die Neumieter bezahlen müssen. Diese steigen überdurchschnittlich stark an. Oder wenn der Referenzzinssatz für Wohnen steigt … 

… womit in der nächsten Zeit aber nicht zu rechnen ist?
Richtig, aber spätestens wenn die Nationalbank die Zinsen anhebt, wird der Referenzzinssatz wieder zulegen. Das wird aber erst in zwei Jahren der Fall sein. 

Weil die SNB vorher die Zinsen nicht erhöhen wird?
Wir gehen davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) ab Mitte des nächsten Jahres ihre Kommunikation in Richtung einer Zinserhöhung auf Anfang 2028 verändern wird. Vorher wird nicht viel passieren. 

Wenn keine Zinserhöhung ansteht, warum steigen dann die Zinsen für langfristige Festhypotheken?
Das hat damit zu tun, dass der Markt nicht mehr mit Negativzinsen rechnet. Diese Änderung der Zinserwartungen hat zu einer Verteuerung der Festhypotheken geführt.

Aber eine Erhöhung hat die SNB noch nicht in Aussicht gestellt?
Genau, im Moment besteht kein Handlungsbedarf. Wichtiger als die Zinsdifferenz zum Euro und Dollar ist derzeit die Inflationsdifferenz. Der Franken wird weiter aufwerten, einfach weil die anderen beiden Währungen aufgrund der höheren Teuerung schwächer werden.

Heute kostet der Dollar 81 Rappen, der Euro 92 Rappen.
Mittelfristig sehen wir den Dollar bei 76 Rappen und den Euro bei 90 Rappen. 

Wer profitiert vom starken Franken?
Vor allem die Konsumenten. Die importierte Inflation ist tiefer, den Anstieg der Energiepreise spüren wir zwar auch, aber deutlich weniger stark als andere Länder. Und jeder, der im Ausland Ferien macht, kann sich noch ein bisschen mehr leisten. Und auch der Finanzplatz profitiert. 

Inwiefern profitieren unsere Banken?
Die Deutschen bringen wieder ihr Geld in die Schweiz. Und nicht nur sie, auch aus anderen Ländern fliesst Geld in die Schweiz. Wegen der Zinsen bringt niemand sein Geld hierher, aber wegen der Sicherheit. Die Welt wird immer unsicherer, da ist der Franken einmal mehr als sicherer Hafen gefragt. Die Krise der deutschen Wirtschaft veranlasst viele Deutsche, einen Teil ihres Vermögens in die Schweiz zu bringen. 

Persönlich: Thomas Stucki

Thomas Stucki (63) ist Anlagechef der St.Galler Kantonalbank (SGKB). Er hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Vor seiner Position bei der SGKB war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

Thomas Stucki (63) ist Anlagechef der St.Galler Kantonalbank (SGKB). Er hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Vor seiner Position bei der SGKB war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

Aus Misstrauen gegenüber der eigenen Regierung?
Ja, das kann man schon als eine Art Misstrauensvotum gegenüber der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz sehen. 

Das freut zwar die Banken, aber kaum die Industrie?
Richtig, die Exporteure in den Dollar- oder Euro-Raum leiden. Gerade die Krise in Deutschland macht vielen Unternehmen Mühe. Deutschland ist nach den USA der wichtigste Absatzmarkt. Auf der anderen Seite ist ein starker Franken für Exportfirmen nichts Neues. Sie haben gelernt, damit umzugehen. Und viele haben so eine starke Marktposition in ihrem Markt, dass sie höhere Preise an die Kunden weitergeben können. 

Vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheiten: Wie wächst die Schweizer Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr?
Die Schweizer Wirtschaft wird in diesem Jahr ein Prozent wachsen. Im nächsten Jahr wird das Wachstum im Zuge einer Erholung der Weltwirtschaft auch in der Schweiz etwas zunehmen. Einen Boom werden wir aber nicht sehen.

Die Wirtschaft läuft solide, die Aktienmärkte gehen seit Monaten geradezu durch die Decke. Droht bald ein Crash?
Angst vor einem Crash habe ich nicht. Es gibt einzelne Titel, gerade im Bereich von KI, deren Bewertungen sich nicht mehr rational erklären lassen. Andererseits stehen viele Firmen solide da und fahren Gewinne ein. Die Börsen dürften in den kommenden Wochen volatiler werden, eine Korrektur von 5 bis 10 Prozent würde ich nicht ausschliessen. Das würde ich sogar als gut erachten, dann wäre die heisse Luft draussen. Und das würde den Diskussionen um eine KI-Blase oder einen grossen Einbruch der Märkte die Grundlage entziehen. 

Was soll ich als Anleger jetzt machen – meine Aktien verkaufen?
Aktien sind die beste Anlage, um vom Wachstum der Weltwirtschaft zu profitieren. Darum empfehle ich, ein gut diversifiziertes Portfolio von Aktien von Firmen, die jeden Sturm überstehen, durch gute und schwierigere Zeiten zu halten. Wenn ich in meinem Portfolio Aktien habe, die in den letzten Wochen sehr stark gestiegen sind, beispielsweise aus dem Tech-Bereich, dann lohnt es sich aber, dort die Gewinne abzuschöpfen und einen Teil zu verkaufen.

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Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.

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