Darum gehts
- SNB-Präsident Martin Schlegel äussert sich zur «Lex UBS» und verteidigt Transparenz
- Vorgänger Thomas Jordan kritisiert für CS-Krise 2023
- PUK bemängelt geringe Zusammenarbeit von Bundesrat, Finma und SNB in der Krise
Ist der Präsident der Nationalbank eine Queen, für die das Motto gilt: sich nie beschweren, sich nie erklären? Oder gehört er zur Schweizer Dreifaltigkeit, die zusammen mit Finanzministerin und Finanzmarktaufsicht (Finma) für einen robusten Finanzplatz geradestehen muss? Drei Jahre nach der CS-Krise regen sich Kritiker darüber auf, dass sich SNB-Präsident Martin Schlegel in einem «NZZ»-Interview zur «Lex UBS» des Bundesrats äussert: Zur Unabhängigkeit der Notenbank gehöre es, sich nicht in die Tagespolitik einzumischen.
Doch wer, wenn nicht die Nationalbank, hat die Expertise, um die Grossbankenregulierung einzuordnen? Die UBS hat eine Flut von Zahlen in die politische Debatte gespült. Da kann eine Einordnung durch die Nationalbank nicht schaden.
Thomas Jordan hat Fehler gemacht
Schlegels Vorgänger Thomas Jordan hat vieles richtig gemacht. Doch ist es kaum Zufall, dass er seinen Rücktritt vor dem PUK-Bericht zur CS-Krise einreichte. Jordan hätte den schlafwandelnden Finanzminister Ueli Maurer wachrütteln müssen. Stattdessen einigten sich Maurer und Jordan auf die fragwürdige Aussage, die Credit Suisse brauche Zeit.
Die PUK verlangt, dass sich Bundesrat, Finma und SNB mehr austauschen. Genau hier setzt Schlegel an: Er verschafft eine Entscheidungshilfe. Im Ernstfall wäre es die SNB, die ein sinkendes Schiff retten müsste. Es ist nur konsequent, dass sie alles tut, damit der UBS-Tanker erst gar nicht in Seenot gerät.
Weniger majestätisches Schweigen
Martin Schlegel hat verstanden, dass die SNB anders und proaktiver kommunizieren muss als unter Jordan. Weniger majestätisches Schweigen, mehr Transparenz. Mehr Demut vor der Arbeit der SNB würde den UBS-Freunden guttun.