Darum gehts
- Benzinkrise in Russland: Engpässe und steigende Preise belasten Bevölkerung stark
- Auf der Krim kostet Benzin bis zu 400 Rubel pro Liter
- Russlands Wirtschaft schrumpfte im Q1 2026 um 0,2 Prozent
Russlands Benzinkrise spitzt sich weiter zu: Ukrainische Drohnen greifen ganz gezielt russische Raffinerien und Lastwagen an, die Benzin transportieren. Mit Erfolg: Ein Drittel der Raffinerien steht still. In grossen Teilen Russlands wird das Benzin knapp. Und die Preise an den Zapfsäulen steigen. Das nervt viele Russinnen und Russen, die im Alltag aufs Auto angewiesen sind. Und bringt Präsident Wladimir Putin (73) im eigenen Land unter Druck.
Besonders kritisch ist die Lage auf der Halbinsel Krim, die Russland seit 2014 besetzt. Pro Woche bekommen Autofahrer nur noch 20 Liter Sprit. Die Warteschlangen vor den Zapfsäulen sind lang, manche Kunden müssen sich stundenlang gedulden, bis sie tanken können. Szenen von Autofahrern, die die Nerven verlieren und sich prügeln, machen in den sozialen Medien die Runde – eine Blamage für Putin.
Und die Preise sind rekordhoch. An gewissen Tankstellen auf der Krim fliesst der Sprit für 330 Rubel durch den Tankschlauch, wie die «Bild» berichtet. Umgerechnet sind das gut 3.40 Franken pro Liter. Einmal mit 50 Litern volltanken – und schon sind 15 Prozent des durchschnittlichen Monatslohnes weg. Zum Vergleich: In der Schweiz gehen für einen vollen Tank nur etwas mehr als 1 Prozent des monatlichen Lohns drauf.
400 Rubel auf dem Schwarzmarkt
Auf dem Schwarzmarkt wird der Liter auf der Krim gar für 400 Rubel verkauft, wie die Zeitung «Kommersant» berichtet. Das sind Ausreisser. Und doch: Benzin wird in ganz Russland teurer. Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde stiegen die Spritpreise im Juni um 7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Sprit fast 20 Prozent teurer.
Nina F.* (38) aus Moskau beobachtet die Entwicklung mit Sorge: «Bei uns ist der Benzinpreis um 1 Rubel auf 74 Rubel gestiegen. Tagsüber kann man ganz normal tanken. Am Abend gibts aber Warteschlangen», sagt sie zu Blick. Und fügt an: «An den Lukoil-Tankstellen, wo wir tanken, darf man Benzin nicht mehr in Kanister abfüllen.» So wird verhindert, dass Benzin gehamstert wird.
Ein paar Hundert Kilometer weiter östlich sieht es laut Nina F. anders aus. «Bei den Rosneft- oder Lukoil-Tankstellen gibts Warteschlangen, weil dort auch die Preise nicht steigen», berichtet sie. Den Liter Benzin gibts für knapp unter 80 Rubel. «Kleinere Tankstellen haben die Preise aber auf 120 Rubel pro Liter angehoben.»
Hochzinspolitik hat verheerende Folgen
Doch längst nicht nur die Benzinkrise setzt dem Land von Kreml-Chef Putin zu. Die russische Wirtschaft steckt in einer gröberen Krise. Im ersten Quartal 2026 schrumpfte die Wirtschaft um 0,2 Prozent. Und fürs Gesamtjahr sagen die Ökonomen noch «ein minimales Wachstum» von 0,6 Prozent voraus – 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Frühjahr.
Neben der Benzinknappheit sehen Experten die Hochzinspolitik der russischen Notenbank als Hauptgrund für die wirtschaftliche Krise. Mitte Juni beschlossen die Währungshüter in Moskau auf Druck von Putin zwar eine Zinssenkung, der Leitzins beträgt aber immer noch 14,25 Prozent. Zum Vergleich: Die Schweizerische Nationalbank hat seit längerem Nullzinsen. Für zusätzliche Probleme sorgen die wegen Sicherheitsbedenken verhängten Internetsperren. Sie schaden der stark digitalisierten Wirtschaft Russlands.
* Name bekannt