Die Mullahs nehmen Musks Starlink ins Visier
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Die kleinen Satelliten von Elon Musks Starlink helfen den einen Kriegsparteien, während sie den andern schwer zu schaffen machen. Nebst dem Krieg in der Ukraine spielt die Technologie auch im Iran eine wichtige Rolle.
Das System hat sich als digitale Lebensader für die Opposition und zur Koordination von Drohnenangriffen erwiesen. Starlink bleibt das Hauptinstrument, um die staatliche Zensur und das nationale Intranet zu umgehen. Diese asymmetrische Kriegsführung hat den Druck auf die iranische Führung massiv erhöht.
Die Mullahs wollen nun Starlink angreifen. Iranische Medien berichten, dass die Starlink-Infrastruktur in der Region zu einem «legitimen Ziel» geworden sei. Dabei dürften kaum Angriffe auf die Satelliten selber gemeint sein. Das wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen.
Eher stehen Starlink-Bodenstationen in Golfstaaten im Visier der Iraner. Mehrere Staaten haben mit Starlink eine Zusammenarbeit vereinbart, um im eigenen Land einen stabilen Internetzugang anzubieten. Dass die Iraner nebst Seeminen auch noch über Geschosse verfügen und genau zielen können, haben sie in den letzten Wochen schon mehrere Male bewiesen.
Trump kündigt Abzug in «zwei oder drei Wochen» an
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Donald Trump hat wieder mal gesagt, wann er den Krieg im Iran beenden will. Und natürlich: Es ist wieder mal eine andere Frist. Am Dienstagabend hat er in Aussicht gestellt, dass die USA den Iran in «zwei oder drei Wochen» verlassen wollten.
Vor Reportern begründete der US-Präsident diesen Schritt mit dem Erreichen der militärischen Ziele. «Wir gehen, weil es für uns keinen Grund gibt, das weiterzuführen», so Trump. Er zeichnete dabei ein Bild der massiven Zerstörung der iranischen Infrastruktur durch die US-Luftwaffe: «Sehen Sie, was im Iran passiert. Ich meine, wir sind völlig unkontrolliert. Alles wurde weggebombt.» Und er fügte an: «Wir gehen sehr hart gegen sie vor. Letzte Nacht haben wir unzählige Raketenproduktionsanlagen zerstört.»
Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat sich am Dienstag offen für ein Ende der militärischen Auseinandersetzungen gezeigt. In einem Gespräch mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, betonte er, dass sein Land bereit sei, die Kämpfe einzustellen – sofern klare Sicherheitsgarantien vorliegen.
Der Iran hat den USA stark zugesetzt. Vor wenigen Tagen wurde ein teures Spionageflugzeug zerstört. Meine Kollegin Janine Enderli zeigt, warum der Verlust des Flugzeugs den Amerikanern so richtig wehtut.
Wie wird es weitergehen? Vielleicht wissen wir bald mehr. Am Mittwoch um 21 Uhr Ortszeit (Donnerstag, 3 Uhr Schweizer Zeit) will Trump ein «Update» zum Krieg geben.
Apple, Google, Microsoft: Iran droht mit Angriffen auf US-Techfirmen
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
«Wir empfehlen den Mitarbeitern dieser Firmen, umgehend ihren Arbeitsplatz zu verlassen, um ihr Leben zu retten.» Mit dieser Warnung baut der Iran eine weitere Drohkulisse auf. Gemeint sind 18 US-Firmen im Nahen Osten, die die Iranischen Revolutionsgarden in einer Erklärung genannt haben.
Neben Branchengrössen wie Apple, Microsoft, Google und Meta stehen auch Unternehmen wie Cisco, HP, Intel, IBM und Nvidia auf der Liste. Sogar Tesla und der Flugzeughersteller Boeing werden aufgeführt.
Hintergrund sind die jüngsten Tötungen mehrerer hochrangiger Vertreter der iranischen Führung, für die Teheran die USA und Israel verantwortlich macht. Sollten weitere Mitglieder der Führung in Teheran ums Leben kommen, kündigt die Eliteeinheit Vergeltung an. Ab Mittwochabend, 1. April, 20 Uhr Ortszeit, könnten entsprechende Standorte in der Region angegriffen werden, teilten die Revolutionsgarden mit.
Die Revolutionsgarden rufen nicht nur Mitarbeiter zum Verlassen der Gebäude auf. Auch Anwohner im Umkreis von einem Kilometer um die betroffenen Firmenstandorte sollten ihre Häuser räumen.
Seit Beginn der gemeinsamen Angriffe der USA und Israel Ende Februar wurden mehrere einflussreiche Figuren der iranischen Führung getötet. Der Iran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf Ziele in Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.
Doch auch die andere Seite hält sich mit Drohungen gegenüber dem vermeintlichen Feind nicht zurück. Wie Trump mit einem ultimativen Schlag den Frieden erzwingen möchte, kannst du im Text meines Kollegen Samuel Schumacher hier nachlesen.
Hegseth: «Wir würden gerne einen Deal machen, bis dahin...»
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Am Dienstag haben sich US-Kriegsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine an einer Medienkonferenz zur Operation «Epic Fury» im Nahen Osten geäussert. Washington signalisiert Gesprächsbereitschaft, will aber auch weiter militärisch Druck machen. Wen Hegseth expliziert kritisierte und für wen es Lob gab, erfährst du hier.
Trump: «Geht zur Strasse von Hormus und nehmt es euch einfach»
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Die Blockade des Irans in der Strasse von Hormus lässt nicht nur den Benzinpreis für Autos in die Höhe schnellen, sondern auch das Kerosin für Flugzeuge wird immer teurer. Fluggesellschaften auf der ganzen Welt müssen Tausende von Flügen streichen, nachdem der Krieg im Iran die Preise für Flugzeugtreibstoff mehr als verdoppelt habe. Darüber berichtete der «Telegraph» am Montag.
Donald Trump (79) macht jetzt den Ländern, die wegen des Iran-Kriegs kein Kerosin mehr bekommen, einen Vorschlag auf seiner Plattform Truth Social. «Erstens, kauft das Kerosin einfach in den USA, wir haben genug», meint der US-Präsident in seinem Post.
«Zweitens, nehmt endlich euren Mut zusammen, geht zur Strasse von Hormus und nehmt es euch einfach. Ihr müsst lernen, für euch selbst zu kämpfen.» Die USA werden laut Trump in Zukunft weigern, den Staaten zu helfen, die den US-israelischen Krieg im Iran nicht unterstützen. «Holt euch euer eigenes Öl!»
In einem anderen Post vom Dienstag hatte sich der US-Präsident etwa über die mangelnde Hilfe Frankreichs im Iran-Krieg beschwert. «Frankreich verweigerte Flugzeugen mit Militärgütern an Bord, die nach Israel unterwegs waren, den Überflug französischen Territoriums», schrieb Trump. Das Land habe sich in diesem Konflikt als «äusserst unbehilflich» erwiesen.
Laut Reuters hatte sich vergangene Woche auch Italien geweigert, mehreren US-Militärflugzeugen die Landeerlaubnis auf dem Luftwaffenstützpunkt Sigonella in Sizilien zu erteilen. Grund dafür sei, dass Washington keine vorherige Genehmigung von der Regierung in Rom eingeholt habe.
Trump zeigt Bereitschaft für Kriegs-Ende
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Eine Mission, um die Öffnung der Strasse von Hormus durchzusetzen, könnte US-Präsident Donald Trump nochmals Wochen kosten. Darum sei er mittlerweile bereit, die Militäraktionen gegen den Iran zu beenden, auch wenn die strategisch wichtige Meerenge weiterhin blockiert bleibe, schreibt das «Wall Street Journal».
Laut der Zeitung will Trump den Fokus auf die Schwächung der iranischen Marine und Raketenarsenale legen. Iran-Expertinnen und Experten wie Suzanne Maloney kritisieren diese Strategie scharf als «unglaublich unverantwortlich», da die anhaltende Blockade der Strasse massive wirtschaftliche Schäden verursacht.
Im vergangenen Monat äusserte Trump immer wieder widersprüchliche Aussagen in Bezug auf die Meerenge. Zum einen drohte er mit Angriffen auf zivile Infrastrukturen, sollte die Strasse nicht geöffnet werden und auf der anderen Seite spielte er die Bedeutung der Meerenge herunter. Für die USA sei die Strasse von Hormus gar nicht von solcher Wichtigkeit. Ihre Schliessung sei ein Problem «anderer Nationen».
Wie die «New York Times» und andere US-Medien am Montag berichteten, befinden sich zurzeit aber auch Hunderte von US-Spezialkräften im Nahen Osten. Diese umfassen Navy Seals und Army Ranger. Die Präsenz dieser Kräfte würden Trump neue Optionen eröffnen, die wieder auf die Öffnung der Strasse von Hormus abzielen. Das klingt stark nach einer Art. «Doppelstrategie».
Maloney kritisiert, dass die USA und Israel diesen Krieg gemeinsam begonnen haben und sich nicht den Folgen entziehen können. «Energiemärkte sind von Natur aus global, und es gibt keine Möglichkeit, die USA vor dem bereits eintretenden wirtschaftlichen Schaden zu schützen, der sich bei anhaltender Schliessung der Meerenge exponentiell verschlimmern wird.»
Neben den Hauptzielen ist zwar auch Thema, weiter Druck auf Teheran auszuüben, um den freien Warenverkehr wieder aufzunehmen, sollte dies jedoch scheitern, hat Trump einen Plan B. So würde Washington Verbündete in Europa und am Golf drängen, Initiative zu ergreifen, um die Strasse wieder zu öffnen.
Man könnte also denken, dass diese Aktion auch seine Art sein könnte, sich an Europa und den Nato-Staaten zu rächen, welche ihm die Unterstützung bei dem Angriffs-Krieg auf den Iran verweigerten. Wie wütend Trump auf Europa ist, hat Ausland-Redaktor Guido Felder hier beschrieben. Mehr zu seiner Kritik an der Nato und dass die USA «von niemandem» Hilfe brauche, liest du hier.
Trump schickt wieder Bunkerbrecher los
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Die US-Streitkräfte haben ein grosses Munitionslager in der zentraliranischen Stadt Isfahan angegriffen. Laut einem US-Regierungsbeamten kamen dabei «2000 Pfund schwere» Bunkerbrecher-Bomben (Penetratormunition) zum Einsatz, um tief liegende Strukturen zu zerstören. Es könnte die Rache für das zerstörte Spionageflugzeug gewesen sein. Wie der teure Flieger funktioniert, beschreibt meine Kollegin Janine Enderli hier.
Präsident Trump bestätigte den Erfolg der Operation indirekt durch die Veröffentlichung eines Videos der Explosionen auf Truth Social. Dieser Angriff ist Teil einer breiteren Offensive: Innerhalb des einmonatigen Krieges haben die USA bereits über 11'000 Ziele im Iran attackiert, um dessen militärische Offensivkapazitäten systematisch zu schwächen. Die Amerikaner hatten schon beim Angriff auf die Atomanlagen im vergangenen Jahr bunkerbrechende Bomben eingesetzt.
Parallel zu den Luftschlägen verschärft sich die Lage auf den Seewegen des Persischen Golfs. Die Behörden von Dubai gaben am Dienstag bekannt, dass sie den Brand an Bord eines kuwaitischen Rohöltankers, der in den Gewässern von Dubai vor Anker lag, erfolgreich gelöscht haben. Auslöser war ein Drohnenangriff.
Das Pentagon wird um 14 Uhr Schweizer Zeit eine Pressekonferenz zum Krieg im Iran abhalten – die erste dieser Art seit fast zwei Wochen. Blick begleitet die Pressekonferenz live im Ticker.
Golfstaaten holen Hilfe bei Selenski
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski zieht eine positive Bilanz seiner jüngsten Reise in die Golfregion und spricht auf seiner Homepage von «historischen Vereinbarungen» mit Golfstaaten.
- Sicherheit und Verteidigung: Es wurden konkrete Abkommen zur Stärkung der Luftverteidigung getroffen. Ein zentraler Punkt ist die gemeinsame Entwicklung von Rüstungsgütern. Die Ukraine kann wertvolles Kampf-Know-how und moderne Verteidigungstechnologien in die Region exportieren. Da kümmert es niemanden, wenn sich der Rheinmetall-Chef in einem Artikel von meinem Kollegen Martin Schmidt über die einfache ukrainische Drohnenproduktion lächerlich macht.
- Wirtschaft und Energie: Um die ukrainische Infrastruktur zu sichern, wurde eine enge Zusammenarbeit im Energiebereich vereinbart. Dies umfasst insbesondere die Lieferung von Kraftstoffen aus den Golfstaaten.
- Erweiterung des Netzwerks: Während feste Zusagen bereits mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar bestehen, laufen derzeit Verhandlungen mit Jordanien und Kuwait. Zudem signalisierten Bahrain und Oman bereits Interesse an einer verstärkten Kooperation mit der Ukraine.
Iran will Mautsystem in der Strasse von Hormus einführen
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Die Strasse von Hormus verschwindet nicht aus den Schlagzeilen. Seit Beginn des Konflikts blockiert der Iran die für den internationalen Rohstoffhandel essenzielle Meerenge. Jetzt will die Islamische Republik für die Strasse von Hormus ein Mautsystem einführen. Der zuständige Parlamentsausschuss hat entsprechende Pläne am Montag bewilligt, wie CNN mit Bezug auf den staatlichen iranischen Rundfunk IRIB berichtet. Der Vorschlag solle umgehend im Parlament beraten und verabschiedet werden.
Mit dem System will der Iran seine Kontrolle und Überwachung der Strasse von Hormus stärken sowie Geld für den Krieg generieren. Wie hoch die Preise sein werden, ist unbekannt, die Rede war aber schon von 2 Millionen Dollar pro Durchfahrt. Der Entwurf würde vorsehen, dass Schiffe aus Staaten, die in den vergangenen Jahren Sanktionen gegen die Islamische Republik verhängt haben, die Meerenge in Zukunft nicht passieren dürfen. Davon betroffen wären dementsprechend Schiffe aus den USA, Israel sowie aus Staaten der EU.
Der iranische Parlamentsausschuss stellt sich damit gegen US-Präsident Donald Trump (79). Dieser hatte den Iran bereits mehrfach dazu aufgefordert, die Meerenge wieder uneingeschränkt zu öffnen. Die Blockade des Irans treibt unter anderem die weltweiten Benzinpreise in die Höhe.
Darum will Pakistan zwischen den USA und dem Iran vermitteln
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Reden die USA und der Iran trotz des Krieges miteinander? Donald Trump (79) scheint sich selbst nicht ganz sicher zu sein, ob er der Islamischen Republik drohen oder mit ihr verhandeln will. Am Montagmittag schrieb der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social, dass ein Deal mit dem Iran kurz bevorstehe. Darüber berichtete meine Kollegin Janine Enderli in ihrem Ticker Eintrag. Der Iran streitet seinerseits ab, dass es bisher überhaupt Verhandlungen mit den USA gegeben hat, wie etwa «Al Jazeera» schreibt.
Währenddessen hat sich eine dritte Nation als Schlüsselfigur für potenzielle Verhandlungen ins Spiel gebracht. Pakistan hat am Sonntag angekündigt, on Kürze Gespräche zwischen den USA und dem Iran ausrichten zu wollen. «Pakistan fühlt sich geehrt, dass sowohl der Iran als auch die USA Pakistan ihr Vertrauen ausgesprochen haben», sagte der Aussenminister laut der Nachrichtenagentur AP News. Weder die US-Regierung noch die Islamische Republik haben sich bis jetzt zu diesen angeblichen Gesprächen geäussert.
Warum möchte Pakistan aber zwischen den beiden Konfliktparteien vermitteln? Einerseits hat das Land laut AP News sowohl gute Beziehungen zu Washington D.C. als auch zu Teheran. Pakistan habe den USA beispielsweise bei der Übermittlung von Trumps 15-Punkte-Friedensplan an den Iran geholfen.
Andererseits habe der Krieg grosse Auswirkungen auf Pakistan. Das Land beziehe den grössten Teil seines Öls und Gases aus dem Nahen Osten. Der Konflikt im Iran hätte Pakistan dazu gezwungen, seine Treibstoffpreise um etwa 20 Prozent zu erhöhen. Das setzte die Regierung in Islamabad unter Druck. Auch kämpft Pakistan selbst im Moment gegen die Taliban-Regierung in Afghanistan.
Das Land ist also an einer schnellen Lösung des Konflikts im Iran interessiert. Ob sich Pakistan aber tatsächlich als Schlüsselfigur in möglichen Verhandlungen etablieren kann, bleibt offen.