Darum gehts
- Iran-Krieg belastet Geschäfte in Golfstaaten, Schweizer Unternehmer betroffen
- Immobilienpreise in Emiraten um 30 bis 40 Prozent eingebrochen
- Schweiz ist für Scheichs sehr attraktiv
Viele Schweizer sind in den Golfstaaten tätig. So auch Geschäftsmann Claudio B.* (48). Seit in der Region der Iran-Krieg wütet, liegen die meisten seiner Geschäfte brach, obwohl er gerade einen lukrativen Deal kurz vor Abschluss hatte. Seinen Namen möchte B. nicht in der Zeitung lesen. Auch um künftige Geschäfte nicht zu gefährden.
Ein für Anfang März geplanter Gold-Deal in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist geplatzt: «Der Käufer konnte für den Vertragsabschluss nicht in die Emirate einreisen. Zudem wissen wir im Moment nicht, wie wir das Gold exportieren können, und müssen uns neu aufstellen», erklärt B.
Kampfflugzeuge sichern Passagierjets
Das Problem sind die horrend gestiegenen Versicherungsprämien für Flüge in die Golfregion. Das gilt für Passagier- ebenso wie für Frachtflüge. Einzig die lokalen Airlines wie Emirates, Etihad oder Qatar Airways halten noch einen rudimentären Flugdienst aufrecht – unter strengen Sicherheitsbedingungen. «Bei An- und Abflug werden die Flüge von Kampfflugzeugen begleitet», berichtet B. Allerdings haben auch die Golf-Airlines viele ihrer Flugzeuge an sicheren Orten geparkt – zum Beispiel auf dem spanischen Provinzflugplatz Teruel.
Die Gefahr der iranischen Drohnen hat schon viele Expats aus den Emiraten vertrieben. Mit gravierenden Folgen für den Immobilienmarkt. «Die Preise sind um 30 bis 40 Prozent eingebrochen», weiss B. Das zeigt, wie fragil das neue Geschäftsmodell der Golfstaaten nach wie vor ist: weg von Öl und Gas, hin zu Tourismus, Handel und Dienstleistungen. «Viele Emirati sind enttäuscht, fühlen sich von ihren Geschäftspartnern im Stich gelassen», erzählt B. «Die Stimmung ist sehr deprimiert.»
Ein paar Wochen Krieg haben ausgereicht, um Reputation und Geschäftsgrundlage der Emirate und der anderen Staaten am Persischen Golf zu zerstören. «Es wird Jahre dauern, bis die Sicherheitsbedenken ausgeräumt sind und die Reputation wiederhergestellt ist», befürchtet B., der aber nicht daran denkt, sich aus den Emiraten zu verabschieden.
Viele Gelder sind schon hier
Die eingetrübte Stimmung hat nun auch die Scheichs erfasst. Sie beginnen, sich nach Alternativen umzuschauen. «Die Schweiz ist bei den Arabern sehr beliebt, viele verbringen die Sommermonate seit langem hierzulande», erzählt B. Vor allem Destinationen rund um den Genfersee, aber auch Gstaad BE liegt hoch im Kurs. Deshalb hatte er schon vor dem Krieg immer mal wieder Anfragen von seinen Geschäftspartnern, was ein Umzug in die Schweiz mit sich bringen würde.
Für die Schweiz sprechen nicht nur die milden Sommertemperaturen. Ebenso wichtig ist die Dichte renommierter Privatschulen sowie die globale Bedeutung der Finanzplätze Genf und Zürich. «Eine Geldschwemme wird es deshalb auf dem Finanzplatz aber nicht geben», vermutet B.
Denn erstens ist es inzwischen nicht mehr so einfach, seine Millionen vom Golf an den Paradeplatz oder die Rue de la Confédération in Genf zu transferieren. Die Eröffnung eines Kontos kann durchaus ein paar Wochen oder Monate dauern. Zudem sind die superreichen Araber breit diversifiziert, ihr Geld liegt bereits jetzt bei Schweizer Banken – allerdings nicht in ihrem Heimatland, sondern in den Buchungszentren in der Schweiz oder in Asien.
Kein Exodus erwartet
B. erwähnt noch einen weiteren Aspekt: «Ein Grossteil der Gelder wird auch in den Emiraten und den anderen Golfstaaten bleiben. Denn dieses wird nach dem Ende des Kriegs für den Wiederaufbau gebraucht. Und vor allem, um die Reputation wiederherzustellen und die Sicherheitsbedenken auszuräumen.»
Gerade beim Thema Sicherheit kann die politisch neutrale Schweiz punkten. Die tiefe Kriminalitätsrate spricht ebenfalls für die Schweiz. Gegen die Schweiz sprächen einzig das Minarett- und das Burkaverbot, weshalb für Golfstaaten-Reiche auf der Suche nach einer temporären Bleibe auch Südfrankreich oder Spanien attraktiv seien.
«Den grossen Exodus der Scheichs werden wir nicht sehen», ist B. überzeugt. «Gut möglich aber, dass der eine oder andere seinen eh schon geplanten Aufenthalt in der Schweiz verlängern wird.» Oder seine Kinder schon etwas früher in eine der superteuren Privatschulen in der Schweiz schickt.
* Name geändert