Oberster Energiechef warnt vor Kollaps
«Grösste Bedrohung in Geschichte der Menschheit»

Die Welt steht vor einer historischen Energiesicherheitskrise, warnt IEA-Chef Fatih Birol. Die Sperrung der Strasse von Hormus hat das globale Öl- und Gasangebot drastisch reduziert, mit enormen Risiken für die Weltwirtschaft.
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Fatih Birol: Stehen vor «grössten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit».
Foto: Anadolu via Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • IEA-Chef Fatih Birol warnt vor globalem Energiekollaps wegen Irankrieg
  • 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasangebots werden durch Strasse von Hormus transportiert
  • Birol sieht grosse Risiken für die Weltwirtschaft
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Christian KolbeRedaktor Wirtschaft

Fatih Birol (68) schläft derzeit wenig und reist viel. Der türkische Ökonom ist als Chef der Internationalen Energieagentur IEA so etwas wie der oberste Energieminister der Welt. Und seine Sorgenfalten sind tief. In einem Gespräch mit der «F.A.Z.» findet Birol deutliche Worte, um die Welt wachzurütteln: «Ich habe nicht den Eindruck, dass die politischen Entscheidungsträger die Tragweite des Problems, in dem wir uns befinden, schon verstanden haben», erklärt Birol. Und warnt vor dem globalen Energiekollaps: Man stehe vor der «grössten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit».

Der Grund für die grosse Sorge: Selbst bei den beiden Ölkrisen von 1973 und 1979 sei das Ölangebot auf dem Weltmarkt weniger geschrumpft als jetzt durch die Sperrung der Strasse von Hormus. In den 70er-Jahren war immer genug Öl verfügbar, es war vor allem eine Preiskrise: Der Ölpreis vierfachte sich 1973 praktisch über Nacht, kletterte von drei auf zwölf Dollar pro Fass. Das war der wahre Schock! 

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Das ist heute anders: Durch das geopolitische Nadelöhr bei Hormus flossen bis vor wenigen Wochen rund 20 Prozent des globalen Öl- und Gasangebots. «Der Schaden ist also grösser als bei den beiden grossen Ölpreisschocks zusammen», untermauert Birol seine Sorgen. Zudem sei der Schock beim Gas noch grösser als beim Ausbruch des Ukraine-Krieges. Heute fehle fast die doppelte Menge als nach dem Überfall durch Russland im Jahr 2022. 

Grosse Risiken für Weltwirtschaft

Das Problem: Das meiste Öl- und Gas aus den Golfstaaten floss bis anhin nach Asien. Doch wenn Indien, China und die anderen asiatischen Staaten der Energienachschub auszugehen droht, werden sie versuchen, diesen auf dem Weltmarkt einzukaufen. Und treiben so die Preise nach oben. Kommt dazu, dass Öl als Rohstoff in vielen weiteren Produkten steckt und auch rund 30 Prozent der globalen Düngerproduktion die Strasse von Hormus passieren muss. 

«Wenn man all diese Dinge zusammennimmt, wird die Weltwirtschaft grossen, grossen Risiken ausgesetzt sein, wenn die Strasse von Hormus nicht bald wieder geöffnet wird», warnt Birol. Und gibt zu bedenken, dass es Monate dauern könnte, bis einige der wegen des Iran-Kriegs stillgelegten Öl- und Gasfelder wieder in Betrieb genommen werden können.

Deshalb betreibt er derzeit eine unermüdliche Reisediplomatie, versucht Länder wie Australien, Kanada, Mexiko und die USA zu einer höheren Öl- und Gasförderung zu bewegen. Doch so schnell lässt sich die Produktion meist nicht hochfahren, weshalb es in den Augen des IEA-Chefs die Freigabe zusätzlicher strategischer Ölreserven braucht. 

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