Darum gehts
- USA und Israel greifen den Iran an: Der Ölpreis steigt deutlich über 100 Dollar
- Die Benzinpreise steigen – in den USA stärker als in Europa
- Auch die Düngerpreise steigen, und die Lebensmittel könnten sich weltweit ebenfalls verteuern
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat fatale Folgen für die Weltwirtschaft. Insbesondere die Öl- und Gaspreise schiessen durch die Decke. Seit Kriegsbeginn hat sich der Preis für ein Fass Rohöl von rund 80 Dollar auf deutlich über 100 Dollar verteuert. Wie geht es weiter, wie gross ist die Gefahr für die Weltwirtschaft, und was heisst das für den Benzinpreis an der Zapfsäule? Blick hat mit der Rohstoffexpertin Cornelia Meyer über die brennendsten Fragen gesprochen.
Blick: Der Grossteil des Öls aus den Golfstaaten geht nach Asien. Warum steigt der Preis auch bei uns so stark an?
Cornelia Meyer: Der Ölmarkt ist ein globaler Markt. Versiegt der Ölfluss nach Asien, gehen die Asiaten in den USA und Europa auf Einkaufstour und treiben so die Preise nach oben.
Derzeit kostet Rohöl deutlich über 100 Dollar pro Fass. Wie weit steigen die Preise noch?
Prognosen mache ich keine, dazu schwankt der Ölpreis zu stark. Aber klar ist: Solange die Strasse von Hormus geschlossen ist, wird der Preis weiter steigen. Denn zusammen mit den Sanktionen gegen Russland fehlt rund ein Drittel der freien Produktion auf dem Markt.
Laut TCS wird der Liter Diesel an den Zapfsäulen Ende Woche bei 2,20 Franken pro Liter liegen. Was rollt da noch auf Automobilisten zu?
Die Preise an den Zapfsäulen werden weiter steigen. Bei uns wegen all der staatlichen Abgaben auf dem Liter Benzin weniger schnell als in den USA. Dort gehen die Preise ab wie eine Rakete. In wenigen Monaten beginnt in den USA die Driving Season. Bis dann muss Trump den Konflikt beendet haben, damit die Spritpreise wieder sinken. Aber das ist nicht alles.
Was droht uns Konsumenten noch?
Der Weltwirtschaft droht ein grosser Inflationsschub. Die Flugpreise werden sich verteuern. Rohöl steckt in so vielen Produkten, zum Beispiel in allem, was aus Plastik ist. Selbst in medizinischen Anwendungen steckt Rohöl. Doch etwas anderes macht mir noch mehr Sorgen.
Was macht Ihnen denn noch mehr Sorgen als das Rohöl?
Katar und andere Golfstaaten haben die Öl- und Gasproduktion eingestellt, weil ihnen die Lagermöglichkeiten ausgehen. Um die Produktion wieder hochzufahren, braucht es Wochen. Gas braucht es nicht nur als Energieträger, es ist auch die Basis für Dünger. 30 Prozent der weltweiten Düngerproduktion gehen durch die Strasse von Hormus. Die Düngerpreise sind schon stark gestiegen. Die Lebensmittel werden sich deutlich verteuern.
Donald Trump will die Strasse von Hormus mit Kriegsschiffen sichern – ein realistischer Plan?
Da wünsche ich ihm viel Glück dabei. Denn selbst wenn sich ein Versicherer für den Transport findet, wird sich ein Exporteur dreimal überlegen, ob er bereit ist, sein Schiff zu riskieren. Die Ladung mag zwar versichert sein, doch es braucht Jahre, bis ein verlorener Öl- oder Flüssiggastanker ersetzt ist. Und diesen Erwerbsausfall dürfte keine Versicherung bezahlen.
Nur Verlierer, wie es aussieht – gibt es denn auch Gewinner?
Ich gehe davon aus, dass Wladimir Putin einer der Gewinner sein könnte. Er hat einen Teil seines Rohöls in Tankern auf hoher See gelagert. Dieses Öl gewinnt täglich an Wert. Wenn der Konflikt noch lange dauert, werden alle bei Putin um Öl betteln.