Drohende Schock-Inflation
Krieg im Iran treibt die Preise hoch

Der Angriff von Israel und den USA auf das Regime der Mullahs könnte eine erneute Ölkrise auslösen. Steigende Energiekosten werden die Inflation anheizen – und Konsumenten wie Anleger treffen.
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Containerhafen im chinesischen Nanjing. Steigt der Erdölpreis, verteuern sich die Transporte.
Foto: IMAGO/CFOTO

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ölpreis steigt durch Krieg gegen Iran, Brent-Fass erreicht 90 Dollar
  • Katar warnt vor Blockaden: Ölpreis könnte 150 Dollar erreichen
  • Euro fällt auf 90 Rappen, Druck auf die Nationalbank steigt
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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Seit Israel und die USA den Krieg gegen den Iran begonnen haben, kennt der Ölpreis nur eine Richtung: nach oben. Am Freitag kletterte der Kurs für ein Fass Rohöl der Sorte Brent zeitweise auf rund 90 Dollar – und es gibt derzeit kaum Anzeichen dafür, dass die Preisspirale bald zum Stillstand kommen könnte. Auch an den Terminmärkten wird Öl bereits zu deutlich höheren Preisen gehandelt. Niemand kann sagen, wie lange diese Entwicklung anhält.

Sollten sich Befürchtungen aus Katar bewahrheiten, wonach der Export von Öl und Gas für Wochen oder gar Monate blockiert sein könnte, droht eine weitere Eskalation der Preise. Der katarische Energieminister warnte gar, dass dies «die Weltwirtschaft zum Erliegen bringen könnte». Er prognostiziert, dass alle Energieexporteure am Golf innerhalb weniger Tage die Produktion einstellen und den Ölpreis damit auf 150 Dollar pro Barrel treiben. Der Nahe Osten ist und bleibt nun mal eine der wichtigsten Zapfsäulen der globalen Ölversorgung.

Ein steigender Ölpreis verteuert nicht nur Benzin oder Heizöl. Die Auswirkungen reichen weit darüber hinaus: Transporte werden teurer, ebenso industrielle Vorprodukte, die direkt oder indirekt auf Erdöl basieren – von Kunststoffen über Chemikalien bis hin zu Aluminium oder Stahl. Auch der Flug- und Strassenverkehr spürt die höheren Energiekosten unmittelbar.

Damit wächst der Inflationsdruck. In den vergangenen vier Jahren wurde die Teuerung durch fallende Rohstoffpreise gedämpft. Nun scheint sich das Blatt zu wenden. Die Europäische Zentralbank warnt bereits vor einem «erheblichen Anstieg» der Inflation, sollten der Krieg länger andauern und die Energielieferungen ins Stocken geraten.

«Cash is trash» bei hoher Inflation

Steigende Inflationsraten treffen alle. Zuerst die Konsumenten, die für ihren täglichen Einkauf mehr bezahlen müssen. Aber auch viele Anleger könnten verlieren. Wer aus Angst vor einer Eskalation des Konflikts seine Aktien verkauft und vollständig in Cash flüchtet, läuft ebenfalls Gefahr, real an Kaufkraft einzubüssen: Inflation frisst den Wert von Geldvermögen schleichend auf. In Zeiten hoher Inflation heisst es nicht umsonst: «Cash is trash.»

Für langfristig orientierte Investoren spricht deshalb weiterhin vieles dafür, zumindest teilweise in Aktien investiert zu bleiben. Einige sehen in den jüngsten Kursrückgängen sogar neue Einstiegschancen. Auch Gold dürfte in diesen chaotischen Zeiten attraktiv bleiben. Es gilt seit jeher als Absicherung gegen geopolitische Risiken und Inflation. Attraktiv ist auch der Schweizer Franken, der sich einmal mehr als sicherer Hafen in Krisenzeiten erweist.

Gegenüber der US-Währung hat der Franken seit Ausbruch des Krieges zwar leicht nachgegeben. Das liegt jedoch vor allem daran, dass Rohstoffhändler sich mit Dollars eindecken, um die steigenden Rohstoffpreise zu bezahlen. Rohöl, Gas und zahlreiche andere Rohstoffe – etwa Kupfer oder Weizen – werden weltweit überwiegend in Dollar fakturiert.

Starker Franken drückt den Export

Gegenüber dem Euro hat sich der Franken hingegen erneut verteuert. Am Freitag kostete ein Euro zeitweise nur noch knapp über 90 Rappen – so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Für exportorientierte Unternehmen und Branchen in der Schweiz sind das keine guten Nachrichten. «Ich würde mir einfach mal wünschen, dass ein halbes Jahr lang nichts Aussergewöhnliches geschieht – kein Krieg, kein Zollstreit, kein Trump», sagt ein Industrieller, der aus der Schweiz Maschinen in die ganze Welt liefert. Sein Frust ist nachvollziehbar: Ein starker Franken verteuert Produkte im Ausland und drückt damit auf die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens.

Noch lässt die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Währungskurse weitgehend spielen. Doch SNB-Vizepräsident Antoine Martin hat bereits angekündigt, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen, um eine weitere Aufwertung des Franken zu bremsen. Die Bereitschaft zu Interventionen sei angesichts der jüngsten politischen Ereignisse gestiegen, sagte Martin diese Woche anlässlich der Präsentation der neuen Banknotenserie.

Im Vergleich zu den USA sind das allerdings beinahe Luxusprobleme. Die Amerikaner haben mit dem Krieg gegen den Iran nicht nur den Nahen Osten ins Chaos gestützt, sondern unkalkulierbare Kosten für die globale Wirtschaft verursacht – unter denen auch die eigene zu leiden haben wird. Die grösste Volkswirtschaft der Welt ist unter Trump verwundbarer geworden und zeigte schon vor dem Krieg deutliche Ermüdungserscheinungen. Das sieht man am Dollar, der sich seit Monaten im strukturellen Kriechgang befindet, auch die Aktienmärkte laufen nicht mehr so rund wie noch vor wenigen Monaten. Jetzt hat sich zudem der Arbeitsmarkt eingetrübt: Im Februar gingen überraschend 92’000 Jobs verloren, wie das US-Statistikamt am Freitag bekannt gab.

Ein wichtiger Krisenindikator sind die Anleihemärkte. Solange sie einigermassen ruhig bleiben, besteht Zuversicht, dass die Weltwirtschaft die aktuellen Schocks abfedern kann. Beginnen aber auch die Bondmärkte zu wanken, könnte der Krieg gegen den Iran der Funke sein, der eine neue globale Finanzkrise entfachen könnte.

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