Darum gehts
- Iran droht Schiffe in der Strasse von Hormus anzugreifen, blockiert Handel
- Ein Fünftel des weltweiten Rohöls wird durch die Meerenge transportiert
- 170 Containerschiffe betroffen, steigende Energiekosten treffen Autoindustrie hart
Steht die Welt vor einem Inflationsschub? Seit den Angriffen Israels und der USA auf den Iran wagt sich kaum ein Schiff mehr durch die Strasse von Hormus, die für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung ist.
Der Iran kündigte am Montag an, dass man Schiffe bei einer Durchfahrt durch die Meerenge «in Flammen setzen» werde. Mehrere Tanker wurden seit Kriegsbeginn beschossen. Grosse Reedereien wie Maersk, Hapag-Lloyd und MSC haben ihre Fahrten deshalb ausgesetzt. Wenn die Route für längere Zeit blockiert bleibt, bekommt die Autoindustrie ein Kostenproblem.
Ein Fünftel des Rohöls betroffen
Die grösste Sorge ist ein möglicher Ölpreisschock, der die Autoproduktion hart treffen würde. Der Ölpreis ist seit dem Ausbruch des Kriegs bereits deutlich gestiegen. Dazu muss man wissen: Etwa ein Fünftel des weltweiten Angebots an Öl- und Flüssiggas wird durch die Strasse von Hormus verschifft.
Besonders die grossen Autoproduktionsländer Japan und Südkorea beziehen einen Grossteil ihres Öls und Erdgases über diese Route. Stark betroffen ist auch Deutschland, wo Gas nach dem Atomausstieg die Schwankungen bei den erneuerbaren Energien ausgleichen soll. Die Entwicklung des Gaspreises ist eng an den Ölpreis gebunden.
Energieintensive Autoindustrie
Für die Autohersteller ist der Zusammenhang simpel: Die Energiekosten machen einen erheblichen Teil der Gesamtproduktionskosten in der Fahrzeugmontage aus. «Stahlgiessereien und Aluminiumhütten, deren Produktion alle Presslinien weltweit versorgen, gehören zu den energieintensivsten Industrieanlagen überhaupt», schreibt die Beratungsfirma Automotive Manufacturing Solutions.
Das gilt auch für Elektroautos. Hier ist zusätzlich die Batterieproduktion besonders energieintensiv. Dazu kommt: Ein modernes Fahrzeug enthält etwa 150 bis 200 Kilogramm Kunststoff. Die Ausgangsmaterialien dafür werden aus Rohbenzin und Erdgasflüssigkeiten hergestellt.
Zahlreiche Schiffe sind blockiert
Ein weiteres Problem ist der globale Schiffsverkehr. «Es ist zu erwarten, dass der Konflikt Auswirkungen auf die Lieferketten haben wird», sagte eine Sprecherin des deutschen Verbands der Automobilindustrie zur deutschen «Automobilwoche».
Zum Kriegsbeginn befanden sich rund 170 Containerschiffe innerhalb oder in der direkten Umgebung der Strasse von Hormus. Ohne diese Kapazitäten drohen teurere Transportkosten und Verzögerungen bei der Lieferung von Fahrzeugteilen.
Als eine der globalisiertesten Industrien überhaupt ist die Autoindustrie besonders stark von Lieferkettenproblemen betroffen. Ob es nun wie schon nach der Corona-Pandemie auch wegen des Iran-Kriegs zu einem Preisschock bei Neuwagen (und in der Folge Occasionen) kommt, hängt nicht zuletzt auch von der Länge des Konflikts ab.