Wagt er das Undenkbare?
Trump will den Irankrieg mit einem massiven Schlag beenden

Eine Bodeninvasion im Iran galt lange als allerletztes Mittel. Angesichts der stockenden Verhandlungen und des widerspenstigen Regimes aber scheint die US-Regierung bereit, im Nahen Osten aufs Ganze zu gehen. Drei Szenarien sind denkbar. Jedes birgt massive Risiken.
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Der US-Präsident hat mehrere Tausend U.S. Marines und Kämpfer der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten beordert.
Foto: IMAGO/TT

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Ein 15-Punkte-Plan der Amerikaner, ein 5-Punkte-Plan der Iraner, eine Donald-Trump-Deadline, dann noch eine. Verhandlungen. Oder doch nicht? Alle Seiten bomben weiter. Häuser stürzen ein. Menschen sterben. Nach einem Monat Krieg herrscht im Nahen Osten primär eines: Verwirrung.

Vielleicht gehört das alles zur Strategie des US-Präsidenten. Vielleicht aber zeugt die chaotische Lage vier Wochen nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf die Mullahs schlicht von der mangelhaften Planung, die der Mission «Epischer Zorn» vorangegangen ist. Jetzt aber hat Donald Trump (79) einen Entscheid getroffen, der den Krieg in eine völlig neue, gefährliche Richtung drehen könnte.

Der US-Präsident hat mehrere Tausend Bodentruppen Richtung Iran losgeschickt, darunter 4500 Marineinfanteristen und fast 3000 Kämpfer der 82. US-Luftlandedivision, einer Eliteeinheit, die bereits in der Normandie, in Vietnam, im Kosovo, in Afghanistan und im Irak im Einsatz war. Dazu schickt Trump zwei weitere Flugzeugträger (die USS-Boxer und die USS-Tripoli) in die Region. Spätestens in ein paar Tagen sollen alle Kräfte am Ziel ankommen, laut dem «Wall Street Journal» bald gefolgt von 10'000 weiteren Soldaten.

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Donald Trump steht vor der folgenschwersten Entscheidung im Irankrieg.
Foto: AP

Dass Trump den massiven Truppenaufmarsch als reine Drohkulisse inszeniert, glauben die wenigsten. Der Iran geht von einem baldigen Bodenangriff aus, wie Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf auf X betont. Und vier unabhängige Quellen aus Trumps Umfeld haben gegenüber der Plattform Axios bestätigt, dass der selbst ernannte Friedenspräsident unmittelbar vor einer Landinvasion des Irans steht.

Hier könnten die Amerikaner einfallen

Der amerikanische Oberbefehlshaber hofft offenbar darauf, das iranische Regime mit diesem Schachzug ausser Gefecht zu setzen und sich damit ideale Bedingungen für die anstehenden Verhandlungen zu schaffen.

Drei mögliche Angriffsszenarien lassen sich ausmachen:

  1. Die Insel Kharg: Das Eiland ist wegen seiner tiefen Küstengewässer ideal für die Beladung schwerer Tanker. 90 Prozent seines Ölhandels wickelt der Iran über die kleine Insel ab und verdient damit bis zu 300 Millionen Dollar pro Tag. Krallt sich die USA die Insel, versiegt die mit Abstand wichtigste Geldquelle der Mullahs. Zerstörte der Iran seine Infrastruktur auf der Insel, um sie nicht den USA überlassen zu müssen, stürzt das die Weltwirtschaft in eine Krise. Spürbar wäre das durch die massiv steigenden Ölpreise rasch auch bei uns. Machbar wäre die Eroberung für die US-Armee. Gefährlich wäre es vor allem, Kharg zu halten. Die Insel liegt nur 25 Kilometer vor der iranischen Küste und geriete mit Sicherheit unter Dauerbeschuss.
  2. Die Insel Larak: Sie liegt strategisch gut, um die Strasse von Hormus zu kontrollieren. Zudem hat der Iran hier Bunker, Radaranlagen und Angriffswaffen stationiert, mit denen er den Schiffsverkehr in der Meeresenge jederzeit blockieren könnte.
  3. Die Insel Abu Musa: Auch das gerade mal 13 Quadratkilometer grosse Eiland liegt strategisch gut, um die Meeresenge im Blick zu halten. Zudem streiten sich der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate seit Jahren darüber, wem die Insel effektiv gehört.

Um das Regime unter Druck zu setzen und so etwas wie einen Sieg vorweisen zu können, scheint die US-Regierung gewillt, die enormen Risiken einer solchen Bodeninvasion einzugehen. Es wäre der erste amphibische Angriff (also ein Einfall vom Wasser aus) unter massivem gegnerischem Beschuss seit der amerikanischen Attacke auf die japanische Insel Okinawa 1945. Verluste wären kaum vermeidbar.

Die innenpolitischen Kosten, die Trump für die gefallenen Söhne und Töchter zu Hause tragen müsste, wären hoch. Jetzt schon sind laut einer Umfrage des Pew Research Centers sechs von zehn Amerikanern gegen den Krieg. Sterben weitere US-Bürger in Trumps nahöstlicher Schlacht, wird die Stimmung weiter kippen.

Trotzdem: Einen Rückzieher kann sich der US-Präsident kaum leisten, ohne zum Gespött nicht nur der Mullahs, sondern weiter Teile der Welt zu werden. Es ist wahrscheinlich, dass er in den kommenden Wochen gar noch einen Schritt weiter gehen und Spezialeinheiten auf das iranische Festland schicken wird, um die knapp 450 Kilogramm Uran sicherzustellen, die der Iran noch immer hat.

Uran-Gefahr: Keine Alternative zur Entsendung von Spezialeinheiten

Die Mullahs haben das Schwermetall auf bis zu 60 Prozent angereichert. Das reicht für den Bau sogenannter dreckiger Bomben, mit denen sich ganze Städte radioaktiv verseuchen liessen. Dass der Iran seine Sprengsätze in die ganze Welt schicken kann, hat das Regime mit den beiden Raketenangriffen auf die 4000 Kilometer entfernte Insel Diego Garcia vergangene Woche bewiesen. Experte Fabian Hoffmann, der an der Uni Oslo zu Raketentechnologien forscht, schreibt auf seinem Blog «Missile Matters», es gäbe keine Alternative zur Bodeninvasion, wenn die USA wirklich sichergehen wollten, dass alles angereicherte Uran zerstört oder beschlagnahmt werden konnte.

Paradoxerweise präsentiert sich die Situation im Nahen Osten nach einem Monat Krieg genau so: Je erfolgreicher die USA mit ihren Schlägen gegen das iranische Regime sind und je wahrscheinlicher es wird, dass unterschiedliche Splittergruppen der Armee oder der Revolutionsgarde mitten im Chaos nach der Macht im Land streben, umso grösser wird die Gefahr, dass das radioaktive Material in die falschen Hände gerät. Experten sprechen von «nuklearer Anarchie». Mit diplomatischen Mitteln wäre kaum noch etwas zu erreichen. 

Heute noch erscheint eine amerikanische Bodeninvasion als eine von mehreren Möglichkeiten, wie es im Iran weitergeht. Bald schon könnte sie die letzte Option sein, um eine globale Eskalation des dreckigen Kriegs zu verhindern.

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