Nasa-Video zeigt Blitze über Kiew bei Nachtangriff
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Krieg aus dem Weltall:Nasa-Video zeigt Blitze über Kiew bei Nachtangriff

Die Ukraine nutzt die neue Weltlage geschickt
Iran-Krieg spielt Selenski in die Hände

Der Krieg im Nahen Osten verdrängt den Terror in der Ukraine aus den Schlagzeilen. Doch Wolodimir Selenski weiss den schwierigen Moment geschickt für sich zu nutzten. Und: Eine erstaunliche Entwicklung im Februar macht den Ukrainern neue Hoffnung.
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Der Krieg im Nahen Osten hat die Ukraine aus den Schlagzeilen verdrängt.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 2025 tobten weltweit 61 zwischenstaatliche Kriege, viele sind weitgehend unbeachtet
  • Die Ukraine produziert 60 Prozent ihrer Waffen selbst und investierte 14 Milliarden Franken in die Drohnenentwicklung
  • Elf Länder bitten die Ukraine um Hilfe gegen Drohnen, darunter Deutschland und die USA
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Samuel SchumacherAusland-Reporter

61 Kriege tobten 2025 laut der belgischen Organisation International Crisis Group auf der Welt. Die meisten finden weit ausserhalb unserer Wahrnehmung statt. Angesichts der dramatischen Ereignisse im Nahen Osten droht jetzt auch der Ukrainekrieg in Vergessenheit zu geraten.

Präsident Wolodimir Selenski (48) kämpft mit allen Mitteln dagegen an. Denn: Fällt die Aufmerksamkeit weg, verflüchtigt sich irgendwann auch die Unterstützung. Und: Ganz allein können die Ukrainer die zweitgrösste Armee der Welt nicht stoppen, die seit vier Jahren ihr Land zu überrennen versucht. So bedrohlich dieser Moment für Kiew ist: Selenski hat einen Trumpf im Ärmel, der gerade jetzt in diesem blutigen Frühling stechen könnte.

Nie zuvor nämlich haben der Westen und die arabische Welt gemerkt, wie sehr sie punkto Abwehrfähigkeit ins Hintertreffen geraten sind. Hunderte erfolgreiche iranische Drohnenangriffe auf Ziele am Golf zeugen davon, dass selbst vermeintlich hochgerüstete Militärnationen nicht genügend ausgerüstet sind, um die surrenden Killer vom Himmel zu holen.

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Der Krieg im Nahen Osten hat die Ukraine aus den Schlagzeilen verdrängt.
Foto: keystone-sda.ch

Dramatische Videos von Shahed-Drohnen, die erst wenige Hundert Meter vor dem Burj Khalifa gestoppt werden konnten, oder von Kamikaze-Drohnen, die die US-Botschaft im irakischen Bagdad trafen, sind beängstigende Belege für die Wehrlosigkeit der arabischen Staaten.

Ukrainische Waffenfirmen werben auch in der Schweiz

Die Ukraine kann Abhilfe schaffen – und tut das auch. Elf Länder (inklusive der USA) haben in Kiew offiziell um Hilfe beim Kampf gegen die Drohnengefahr gebeten. Deutschland, Rumänien, Grossbritannien: Sie alle lassen sich von ukrainischen Profis schulen. Ukrainische Waffenproduzenten sind gefragte Gäste an internationalen Konferenzen – im Januar auch am Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Ukraine ist 2026 nicht mehr länger nur Bittsteller, sondern gefragter Sicherheitsdienstleister.

Natürlich macht die Ukraine das nicht aus reinem Goodwill. Kiew will Cash für seine Hilfestellung. Oder noch besser: Munition und Waffen. Gebt uns eure Patriot-Raketen, dann holen wir für euch die Drohnen vom Himmel, so die Botschaft. Die Ukraine braucht die Flugabwehrgeschosse dringend, um russische Marschflugkörper und Raketen abzuwehren.

Doch abgesehen vom Flugabwehr-Munitionsmangel präsentiert sich das Kriegsland zu Beginn des fünften Kampffrühlings auffällig schlagkräftig: 60 Prozent ihres Waffenarsenals – darunter auch die bis zu 1500 Kilometer weit fliegenden Marschflugkörper vom Typ Flamingo – und mehr als 96 Prozent aller Drohnen produziert die Ukraine laut eigenen Angaben inzwischen im Inland (zu Beginn des Krieges waren es etwa 10 Prozent). 2025 liess sich das Land die Entwicklung und Forschung an neuen Drohnen umgerechnet 14 Milliarden Franken kosten.

Die militärische Zusammenarbeit – Geheimdienstdaten, Satellitenfotos, Informationsaustausch – mit den Amerikanern funktioniert trotz der aggressiven Rhetorik von Präsident Donald Trump (79) nach wie vor. Trump scheint zwar weiter an seiner prorussischen Verblendung festzuhalten. Selbst jetzt, wo klar ist, dass Wladimir Putin (73) die Iraner mit GPS-Daten amerikanischer Kriegsschiffe und mit in Russland produzierten Geran-2-Drohnen unterstützt.

Trendwende beim Territorialgewinn

Trotzdem: Die Ukraine bleibt militärisch gut aufgestellt. Erstmals seit der Kursk-Offensive im August 2024 ist es den Ukrainern im Februar 2026 wieder gelungen, in einem Monat mehr Gebiete zu befreien, als die Russen neu besetzen konnten. Eine Trendwende? Vielleicht. Jedenfalls ein positives Zeichen.

Mit seiner Waffendiplomatie im Nahen Osten dürfte es Selenski gelingen, neue, zahlungskräftige Verbündete in der arabischen Welt zu gewinnen, die möglicherweise gar von ihrer bislang hochgehaltenen Neutralität Abschied nehmen. Katar insbesondere dürfte sich hinterfragen, ob man die Russen weiterhin als Gäste empfangen soll, nachdem die russische Unterstützung für das iranische Regime jetzt auch von arabischen und amerikanischen Geheimdiensten belegt ist.

Dass Russland mindestens einen Teil seiner Kampfdrohnen über das Kaspische Meer an die Mullahs liefert, bedeutet noch kein Ende des Terrors in der Ukraine; Moskau produziert inzwischen laut ukrainischen Schätzungen täglich ungefähr 500 Drohnen des Typs Geran-2 und Geran-3 (basierend auf iranischen Shahed-Drohnen). Trotzdem: Jede Drohne, die die Russen nicht gegen die Ukraine abfeuern können, schwächt die russische Kriegsmaschine wenigstens ein bisschen.

Die Ukraine mag kurzfristig aus den Schlagzeilen verschwunden sein. Im Hintergrund aber arbeitet sie an einem schlagkräftigen Comeback. Ohne ihr Know-how und ihre Drohnensysteme wird die Welt den Kampf gegen den modernen Terror – von welchem Regime er auch kommen mag – nicht gewinnen können.

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