Video zeigt «Tandem»-Angriff auf Russen-Waffenlager
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Taktik immer öfter angewandt:«Tandem»-Angriff auf Russen-Waffenlager

Auch Schweizer können sich für die «Killhouse Academy» bewerben
Das lernt man in der geheimen ukrainischen Drohnenkriegerschule

Ohne die Fähigkeiten ihrer Drohnenpiloten hätten die Ukrainer den Krieg längst verloren. In einer Lagerhalle in Kiew lehren Profis der 3. Sturmbrigade Zivilisten und Soldaten den Umgang mit Kampfdrohnen. Bald will die Killhouse Academy eine Schule im Ausland eröffnen.
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Killhouse Academy: Seit 2025 bildet die dritte Sturmbrigade der ukrainischen Armee hier Zivilisten und Soldaten im Umgang mit Drohnen aus.
Foto: Getty Images

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Feindliche Kampfdrohnen vom Himmel schiessen: Das kann die Ukraine nach vier Jahren Krieg besser als jedes andere Land der Welt. Seit dieser Woche interessieren sich plötzlich auch die arabischen Golfstaaten und sogar US-Präsident Donald Trump (79) dafür. Sie haben in Kiew angerufen und offiziell um Hilfe beim Kampf gegen die iranischen Kamikazegeschosse gebeten.

Die Ukrainer sind gerne bereit, ihr Drohnen-Wissen weiterzugeben. Nicht nur an Trump, sondern an jeden, der sich dafür interessiert. Zum Beispiel an der Killhouse Academy, einer gut versteckten Drohnen-Schule der ukrainischen Armee. Blick hat das geheime Trainingszentrum besucht.

Das Killhouse sieht aus wie ein Paradies für Paintball-Fans: eine riesige Lagerhalle, alte Panzer, leuchtende Ringe, Autoreifen und hippe junge Menschen – darunter auffällig viele Frauen –, die mit ihren Konsolen in geheizten Containern vor Bildschirmen sitzen und First-Person-View-Drohnen (FPV) durch die Halle steuern. In der Luft der surrende Sound der Fluggeräte und der Geruch von Automatenkaffee.

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Die ukrainische Killhouse Academy befindet sich an einem geheimen Ort in Kiew.
Foto: Getty Images

Seit 2025 bildet die 3. Sturmbrigade der ukrainischen Armee hier Drohnenprofis aus. Knapp die Hälfte der Schüler sind Soldaten, die andere Hälfte Zivilisten. 6000 Absolventen zwischen 11 und 68 Jahren haben mindestens einen der drei einwöchigen Kurse (FPV-Grundlagen, FPV-Pro oder Drohnen-Ingenieur) absolviert. Wer besteht, der weiss, wie man mit Drohnen andere Drohnen vom Himmel holt, Dinge von A nach B transportiert, auskundschaftet und – wenn nötig – Gegner tötet.

Zehn Prozent der Drohnenprofis sind Frauen

«Etwa fünf Prozent sind Ausländer – vor allem aus Kolumbien, Brasilien und den USA. Gut zehn Prozent sind Frauen», sagt Anna, PR-Managerin der Akademie. Willkommen sei jeder Ausländer, der sich einem Hintergrundcheck unterziehen lasse und mindestens 18 Jahre alt sei. Auch Schweizer, betont Anna.

«Drohnenpiloten sind die Scharfschützen des modernen Kriegs: Ohne ihre Skills kann keine Armee auf dem Schlachtfeld bestehen», sagt Anna. Die ukrainische Armee setzt für ihre Verteidigung zusehends auf selbst gebaute Highspeeddrohnen. 80 Prozent ihrer Treffer an der Kriegsfront landen die Ukrainer laut eigenen Angaben inzwischen mit Drohnen. Sie sind die Superwaffe gegen die zahlenmässig überlegenen Russen.

Mitten in der Killhouse-Halle steht Ausbildner Evgen (25). «Drohnenfliegen müsste man heute so selbstverständlich erlernen wie Erste Hilfe», sagt der ukrainische Soldat. Drohnen seien das Kampf-, Logistik- und Hilfsmittel der Zukunft – überall auf der Welt, nicht nur im Krieg. Nur habe das die Welt noch nicht ganz verstanden. «Wir haben viele internationale Delegationen, die uns besuchen kommen. Wirklich anpacken, tun sie im Nachhinein aber nichts», sagt Evgen.

In einem gelben Container am Rand der Halle sitzt Olha (25) und schraubt an einem schwarzen Fluggerät herum. «Ich wollte meinen Beitrag für mein Vaterland leisten und dachte mir: Warum nicht als Drohnenpilotin?», erzählt die junge Frau aus dem westukrainischen Lwiw. Erfahrung mit Drohnen hatte die Sozialarbeiterin keine. «Draussen fliegen ist in der Ukraine seit Kriegsbeginn verboten. Also habe ich mir zur Vorbereitung in meiner Wohnung einen Minidrohnenparcours gebaut und bin rumgeschwirrt», erzählt Olha.

Ganz ähnlich ging es der Killhouse-Instruktorin Tokyo (26), die in ihrer schwarzen Raver-Kluft in der Lagerhalle steht und vom Fliegen schwärmt. «Drohnenpilotinnen sind genau das, was die Ukraine braucht. Ich kann mir nichts Sinnvolleres vorstellen», sagt sie.

Sprengstofffragen: unerwünscht

Und wie funktioniert das genau mit den selbst gebauten Sprengsätzen, die die ukrainischen Soldaten auf dem Schlachtfeld an die Drohnen befestigen und damit die russischen Gegner angreifen? Sprengstoffexperte Bodan (25) wird für den Blick-Reporter herbeigerufen. Grimmiger Blick, dichter Bart, tiefe Stimme. Er erzählt, erklärt, zeigt. In der Zeitung stehen darf aber nichts davon: Draussen ist Krieg. Da bleibt geheim, was geheim bleiben muss.

Es ist kurz vor der Mittagspause. Im Schulungscontainer am Rand der Halle sitzt Sebastian (30) aus Chile und steuert mit dem Übungsprogramm «Lift Off» eine Drohne durch den digitalen Raum. «Ich war an der US-Militärakademie West Point und danach drei Jahre als Offizier in der chilenischen Armee. Aber das hier», sagt Sebastian und zeigt auf seine Konsole, «das lernt man nur in der Ukraine.»

Noch dieses Jahr will die Killhouse Academy in einem europäischen Partnerland eine erste Ablegerschule eröffnen. Im Umgang mit feindlichen Drohnen steckt die Welt noch in den Kinderschuhen. Das zeigte sich vergangenes Jahr im Umgang mit den mysteriösen Flugkörpern, die plötzlich über europäischen Flughäfen auftauchten. Und das zeigt sich derzeit in den Golfstaaten, die die iranischen Drohnen (genau dieselben, mit denen Russland seit Jahren die Ukraine attackiert) nicht aufhalten können.

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