Darum gehts
- US-Agenten erschossen Alex Pretti, er trug SIG-Sauer-P320-Pistole
- P320 gilt als fehleranfällig, keine Abzugssicherung und kurzer Abzugsweg
- Schweizer Armee kaufte 140’000 P320 trotz technischer Mängel im Dezember 2025
Hatten die Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE Angst vor einer Schweizer Armeewaffe? So rechtfertigt jedenfalls Donald Trump (79) die Erschiessung von Alex Pretti (†37). Der Pflegefachmann, der am Samstag bei einem Protest von mehreren ICE-Agenten niedergerungen und erschossen wurde, trug bei seinem Tod eine Pistole des Waffenherstellers SIG Sauer.
In einem Interview mit dem «Wall Street Journal» bezeichnet Trump diese Pistole als «eine gefährliche und unberechenbare Waffe». Weiter sagt der US-Präsident: «Es ist eine Waffe, die sich löst, wenn man es nicht bemerkt.» Die ICE-Agenten hätten dementsprechend aus Notwehr und Selbstschutz gehandelt, da sich Pretti bei seiner Entwaffnung «heftig widersetzt» habe.
Unberechenbare Pistole
Die SIG-Sauer-Pistole des Modells P320, die Pretti bei sich trug, sorgte erst im Dezember für negative Schlagzeilen. Damals gab das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) bekannt, 140’000 dieser Waffen für die Schweizer Armee zu kaufen. Das, obwohl die Pistole die erforderliche «Truppentauglichkeit» nicht erfüllt.
Die P320 wird bisher ausschliesslich in den USA produziert. Das Modell gilt als äusserst fehleranfällig, da die Pistole keine Abzugssicherung besitzt. Dabei handelt es sich um einen kleinen Knopf am Abzugshebel, der erst gedrückt werden muss, damit der Schütze überhaupt schiessen kann. Auch hat die Pistole einen sehr kurzen Abzugsweg. So wird die Strecke genannt, die der Abzug mit dem Finger nach hinten gezogen werden muss, damit sich ein Schuss löst.
Laut einer Analyse von Watson führen diese beiden Aspekte zur Unberechenbarkeit der P320. So könne sich etwa ein unbeabsichtigter Schuss lösen, wenn der Schütze unter Stress stehe oder die Pistole an der Kleidung oder dem Holster hängen bleibe.
Die SIG Sauer AG mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall erklärte derweil in einer Mitteilung im August vergangenen Jahres, das Modell P320 gehöre zu dem sichersten Pistolen weltweit. Und weiter: «Eine unbeabsichtigte Schussabgabe ohne Betätigung des Abzugs ist technisch nicht möglich.»
Ungewollte Schussabgabe «sehr wahrscheinlich»
Ob aber tatsächlich die Unberechenbarkeit von Prettis P320 zu seiner Erschiessung geführt hat, ist noch völlig unklar. Der US-amerikanische Waffenexperte und Anwalt Rob Doar hält es in seiner Analyse auf X für «sehr wahrscheinlich», dass sich aus der Pistole des Pflegefachmanns im Gerangel mit den ICE-Agenten ein unbeabsichtigter Schuss gelöst hatte.
Auf den Videos der Szene lässt sich das aber nicht mit Sicherheit bestätigen. Als Pretti von den Beamten am Boden festgehalten wird, zieht ihm einer der Agenten einen Gegenstand aus der Hose und eilt davon. Dabei könnte es sich um die P320 handeln.
Die bisher bekannten Videoaufnahmen lassen vermuten, dass Pretti entwaffnet und erst danach erschossen wurde, als er wehrlos am Boden lag. Der Schuss könnte sich aber auch, wie es Doar vermutet, erst nach der Entwaffnung gelöst und die Agenten getäuscht haben. Prettis Pistole wird aktuell, zusammen mit weiteren Beweisen vom Tatort, vom FBI untersucht.