Die Grosseltern von ICE-Boss Gregory Bovino waren selbst Immigranten
Dieser Mann hat Einwanderern den Krieg erklärt

Mit militärgrünem Mantel und harter Hand: Gregory Bovino wird zum Symbol von «Recht und Ordnung» und dem besorgniserregenden Wandel der USA unter Trump. Brutale Razzien, inszeniert wie Hollywood-Streifen, schüren landesweit Angst und sorgen für Empörung.
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Gregory Bovinos Auftritt in einem «SS-Mantel» sorgte vor knapp einer Woche für Wirbel.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • ICE-Kommandant Gregory Bovino sorgt mit SS-ähnlichem Trenchcoat-Auftritt für Empörung
  • Bovino inszeniert aggressive Razzien und setzt Trumps Motto «Recht und Ordnung» um
  • US-Amerikaner und Kinder nimmt er als Kollateralschäden hin
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marian NadlerRedaktor News

Das Bild brannte sich in die Köpfe vieler US-Amerikaner ein: ICE-Kommandant Gregory Bovino (57) steht in einem militärgrünen Trenchcoat an vorderster Front in Minneapolis. Die goldenen Knöpfe glänzen in der Wintersonne Minnesotas. 

Knapp eine Woche ist der bizarre Auftritt nun her. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom (58) verglich das fragwürdige Outfit mit einer «SS-Uniform». «Warum sieht er aus wie Hitler?», las man unter Social-Media-Posts zu Bovinos grotesker Erscheinung. 

Bovino entgegnete ungerührt, der Mantel sei die «Standarduniform der Grenzpatrouille». Er leitet die Grenzpatrouille seit Jahren und entwickelt sich mehr und mehr zum prominentesten und gefürchtetsten Kommandanten in Trumps zweiter Amtszeit. Wer ist der Mann?

Ein Film prägt Bovino bis heute

«Bovino bezeichnet sich selbst als unpolitisch, während er Tränengasgranaten auf Kinder in Halloween-Kostümen wirft, die schreiend und weinend von Schulparkplätzen gezerrt werden», schreibt die italienische Tageszeitung «La Repubblica» über den ICE-Boss. Stets mit der Kamera im Rücken, als wäre es ein Hollywood-Film.

Bovino wuchs als Enkel italienischer Einwanderer im US-Bundesstaat North Carolina auf. Seine Kindheit prägte nach eigenen Angaben der Streifen «The Border». Nicht etwa, weil er die Ungerechtigkeiten des Systems aufdeckte, sondern weil die Grenzbeamten darin die Bösen waren. Er schwor sich daraufhin, ein «guter» Polizist zu werden.

Trump steht für «Recht und Ordnung»

Seine Grosseltern reisten im Mai 1924 in die Vereinigten Staaten ein. Just in dem Monat, in dem Bovinos heutiger Arbeitgeber, die Grenzpatrouille, gegründet wurde. Mit dem erklärten Ziel, die Einreise von Italienern und anderen Einwanderern aus Südeuropa zu reduzieren.

Heute ist Bovino zum Gesicht der härtesten Razzien der Vereinigten Staaten geworden. Das Motto von US-Präsident Donald Trump, «Recht und Ordnung», setzt er dabei skrupellos um.

US-Amerikaner werden zu Kollateralschäden

Bei einer der ersten Razzien in Kalifornien, die live vom rechtskonservativen Sender News Nation übertragen wurde, zerrten Hunderte maskierte Beamte 37 Venezolaner, darunter Kinder, aus ihren Betten. In Schlafanzügen und ohne Haftbefehl wurden sie in Gewahrsam genommen.

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Wenn US-Bürger gegen das rigide Vorgehen von Bovino protestieren, ergeht es ihnen ähnlich. Alicia Brooks, eine US-Bürgerin, fungiert hier als Beispiel. «Ich zeigte meinen Ausweis, und sie rissen mich zu Boden», sagte sie dem Sender ABC7.

Inszenierung wie in Hollywood

Bovinos Motto lautet: «Was an der Grenze passiert, bleibt nie an der Grenze.» Für ihn ist jede Stadt eine Tarnung für illegale Einwanderer, jeder Latino ein Verdächtiger.

Unter Trump haben sich die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE und die Grenzschutzbehörde Border Patrol von reinen Bundesbehörden zu ideologischen Instrumenten entwickelt, zu einer politischen Polizei. Linke vergleichen sie mitunter mit der Gestapo, Hitlers Polizei im Nationalsozialismus. Bovino ist dabei Chef und Regisseur zugleich. Die Razzien werden zu Videoclips und auf Social Media geteilt, Drohnen fangen verängstigte Gesichter ein, Tränen vermischen sich mit giftigen Dämpfen.

Ein Amerika der Angst

Bovino schreckt vor nichts zurück. In Minnesota benutzten seine Leute einen Bub (5) als Köder, um seinen Vater zu verhaften. Andernorts verwandelten ICE-Agenten die Halloween-Parade einer Schule in ein Schlachtfeld. Tränengas wurde gegen als Kürbisse verkleidete Kinder eingesetzt. Ein Polizist brüllte einen Demonstranten an: «Peng, peng! Du bist tot, du Liberaler!»

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Von Menschenrechtsverletzungen und Misshandlungen will Bovino nichts hören. «Es ist legal, es ist ethisch vertretbar», verteidigt er sich. «Wir haben zehntausend Kriminelle verhaftet.» Dass darunter auch Kinder und amerikanische Staatsbürger sind? Unwichtig.

Bovino sei der perfekte Mann für das Amerika der Angst, analysiert «La Repubblica». Greg Bovino verteidigt keine Grenzen, er verschiebt sie. Und Washington schweigt dazu – oder feiert es.

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