Darum gehts
- Gregory Bovino sorgt in Minneapolis für Proteste wegen seines harten Vorgehens
- Sein olivgrüner Mantel löst Nazi-Vergleiche und Empörung in sozialen Medien aus
- Bei Operation «Metro Surge» sind knapp 3000 schwer bewaffnete Beamte beteiligt
Für die einen gilt Gregory Bovino (57) als harter Hund, als einer, der endlich durchgreift im Kampf gegen illegale Migration. So wie es Donald Trump (79) bereits vor seiner ersten Amtszeit versprochen hatte. Kritiker beschreiben den Sohn italienischer Einwanderer als Hardliner, der rechtsstaatliche Grenzen überschreite und mit seinen Auftritten ein Klima der Angst gegenüber Migranten, aber auch gegenüber Minderheiten insgesamt schüre.
Seit Wochen dreht sich die Gewaltspirale in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Auf der einen Seite die ICE-Beamten, die im Rahmen der Operation «Metro Surge» illegale Einwanderer aufspüren und festnehmen sollen. Auf der anderen Seite protestieren Bürgerinnen und Bürger gegen das Vorgehen der knapp 3000 Beamten und dokumentieren die Einsätze, um Vorfälle zu belegen. Denn immer wieder kommt es zu Gewaltexzessen, die auch unschuldige Zivilisten treffen.
Ihren Höhepunkt erreichten diese mit der mutmasslichen Ermordung von Renée Good (†37) am 7. Januar durch einen ICE-Beamten. Seitdem eskalieren die Proteste in der 430'000-Einwohner-Stadt regelmässig.
«Warum sieht er aus wie Hitler?»
Für Trumps Chef für Grenzschutz scheint es nicht oberste Priorität zu haben, die Lage zu entschärfen, wie man nach den Bildern von vergangener Woche vermuten kann. Bovino marschiert bei einem Besuch durch die Strassen von Minneapolis – flankiert von schwer bewaffneten Bundesbeamten –, gekleidet in einen auffällig langen, olivgrünen Mantel mit Abzeichen seiner Behörde. Goldene Knöpfe, kantiger Schnitt, dazu eine streng gebundene Krawatte und ein dunkler Schal.
In den sozialen Medien lässt die Reaktion nicht lange auf sich warten. Mehrere Nutzer vergleichen Bovinos Outfit mit Uniformen aus der Nazizeit, sprechen von «Nazi-Cosplay» und ziehen Parallelen zu den langen Mänteln, wie sie einst von Funktionären des NS-Regimes getragen wurden. «Warum sieht er aus wie Hitler?», fragt ein User unverblümt. Ein anderer schreibt: «Chief Greg Bovino läuft durch Minneapolis in seinem massgeschneiderten Nazi-Mantel und schikaniert Patrioten.»
Bovino zeigt Gesicht – als Einziger
Bovino selbst äussert sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Bovino ist bekannt dafür, sich für seine Aufgabe gezielt in Szene zu setzen. Er stellt sich gerne den Fragen der Presse und inszeniert sich dabei als Mann der Taten. Bereits im Oktober vergangenen Jahres gab er CNN ein ausführliches Interview, in dem er das harte Vorgehen gegen Migranten verteidigte. Schon damals wurde er in seinem auffälligen Mantel fotografiert.
Unklar bleibt auch, ob der Mantel Teil einer offiziellen Uniform ist – oder eine persönliche Wahl. Auffällig ist jedenfalls: Unter den mehr als einem Dutzend ihn begleitenden Beamten ist er der Einzige, der dieses Kleidungsstück trägt. Während seine Eskorte mit Sturmgewehren, kugelsicheren Westen und zum Teil mit Masken auftritt, zeigt Bovino demonstrativ sein Gesicht.
Auf Videoaufnahmen ist zudem zu hören, wie der Grenzschutz-Chef Demonstranten anschreit und sie von der Strasse weist. «Runter von der Strasse», ruft er, während Protestierende ihn als «Braunhemd» beschimpfen – eine Anspielung auf die paramilitärischen Nazi-Schlägertrupps der SA.