Darum gehts
- ICE-Agent erschiesst Frau in Minneapolis; angeblich versuchte sie Beamte zu töten
- Videoanalyse zeigt, Frau wich Beamten aus; tödliche Kopfverletzung im Spital
- Proteste eskalieren: Schneebälle geworfen, Flaggen verbrannt, Tränengas eingesetzt
Es ist ein Fall, der in den USA für Bestürzung und landesweite Proteste sorgt. Am Mittwochmorgen (Ortszeit) erschoss ein Beamter der US-Einwanderungspolizei (ICE) in der US-Metropole Minneapolis eine Frau (†37) während einer Demonstration. In einem Video ist zu sehen, wie die Beamten nach dem Vorfall einen Mann wegschicken, der sich um die 37-Jährige kümmern will. Angeblich soll die Frau zuvor versucht haben, die Beamten der Einwanderungsbehörde mit ihrem Auto «zu töten». Die wichtigsten Punkte.
Beim Opfer handelt es sich um die dreifache Mutter und US-Bürgerin Renee G.*. Gegenüber «Minneapolis Star-Tribune» bestätigte G.s Mutter in der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) die Identität ihrer Tochter. «Renee war einer der freundlichsten Menschen, die ich je gekannt habe. Sie war extrem mitfühlend. Sie hat ihr ganzes Leben lang Menschen geholfen. Sie war liebevoll, verzeihend und herzlich. Sie war ein grossartiger Mensch», erklärte sie.
Laut Aussagen von Augenzeugen filmte G. zusammen mit ihrer Partnerin die Proteste als Beobachterin. Dann soll es zu den Schüssen gekommen sein.
Ein ICE-Agent hatte dreimal auf sie geschossen, als sie mit ihrem Wagen zurücksetzte und davonfuhr. Später sei sie im Spital an einer Kopfverletzung gestorben. Das Verhalten des Beamten sei Notwehr gewesen, erklärte Heimatschutzministerin Kristi Noem (54). Videoanalysen zeigten jedoch, dass die Frau gar nicht auf die Beamten zusteuerte, sondern nach rechts abbog.
Laut einer Erklärung des Heimatschutzministeriums habe G. während der Proteste gegen die ICE-Behörde versucht, «ihr Auto als Waffe einzusetzen». Der Vorfall wird derzeit vom FBI und dem Minnesota Bureau of Criminal Apprehension untersucht.
US-Heimatschutzministerin Kristi Noem (54) behauptete am Mittwoch auf einer Pressekonferenz, G. hätte die ICE-Beamten den ganzen Tag lang «verfolgt und behindert». Die Beamten hätten die 37-Jährige wiederholt dazu aufgefordert, aus ihrem Auto auszusteigen und die Strafverfolgung nicht länger zu behindern, berichtet Fox News.
G.s Mutter wies Vorwürfe zurück, ihre Tochter sei in Proteste gegen die Tätigkeit von ICE verwickelt gewesen. «Das ist so dumm», sagte sie.
Trump äusserte sich auf seiner Plattform Truth Social zum Fall. «Ich habe mir gerade den Clip von dem Vorfall in Minneapolis, Minnesota, angesehen. Es ist schrecklich, das mitanzusehen.» In der Folge bezeichnete Trump G. als Provokateurin. «Die Frau am Steuer des Autos verhielt sich sehr ungebührlich, behinderte und leistete Widerstand, bevor sie dann gewaltsam, vorsätzlich und böswillig den ICE-Beamten überfuhr, der offenbar in Notwehr auf sie geschossen hat», behauptet Trump.
Er gab der «radikalen Linken» Schuld an der aktuellen Situation. «Die Situation wird in ihrer Gesamtheit untersucht, aber der Grund für diese Vorfälle ist, dass die radikale Linke täglich unsere Strafverfolgungsbeamten und ICE-Agenten bedroht, angreift und ins Visier nimmt. Diese versuchen lediglich, ihre Aufgabe zu erfüllen, nämlich Amerika sicher zu machen.»
Ein Video, das online geteilt wurde, zeigt eine weinende Frau. Offenbar handelt es sich um G.s Ehefrau. Die Amerikanerin ist verzweifelt. «Das ist meine Frau, ich weiss nicht, was ich tun soll. Wir sind neu hier und haben niemanden.»
Der Vorfall hat zu heftigen Protesten in Minneapolis geführt. Demonstrierende warfen Schneebälle auf ICE-Beamte und verbrannten amerikanische Flaggen. Videos zeigen, wie Bundesagenten Tränengas und Pfefferspray einsetzten.
Die genauen Umstände des Vorfalls bleiben unklar. Während ICE die Schüsse als Selbstverteidigung bezeichnete, betitelte der demokratische Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey (44), die Darstellung des Heimatschutzministeriums als «Bullshit» und rief ICE auf, Minneapolis zu verlassen: «Wir wollen euch hier nicht. Ihr kommt hierhin, um für Sicherheit zu sorgen, und macht genau das Gegenteil.» Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz (61), forderte die Bevölkerung derweil auf, ruhig zu bleiben.
* Name bekannt