Darum gehts
- US-Beamte erschossen den 37-jährigen Alex Pretti in Minneapolis, DHS spricht von Notwehr
- Video zeigt, dass der Mann entwaffnet und keine Bedrohung war
- Rund 200 Randalierer waren laut Ministerium während des Vorfalls anwesend
Nach den tödlichen Schüssen eines Bundesbeamten auf Alex Pretti (†37) in Minneapolis verteidigte das US-Heimatschutzministerium (DHS) das Vorgehen der Einsatzkräfte. In einer Mitteilung auf X erklärte die Behörde, die Beamten hätten im Rahmen einer gezielten Operation einen gesuchten, bewaffneten Verdächtigen festnehmen wollen.
Pretti habe sich den Beamten mit einer Pistole genähert, Widerstand geleistet und damit eine direkte Bedrohung für Leben und Sicherheit der Beamten dargestellt. Die Schüsse seien in Notwehr abgegeben worden. Ausserdem sei die Situation durch rund 200 Randalierer vor Ort eskaliert, sodass weitere Massnahmen zur Kontrolle der Menschenmenge nötig gewesen seien.
US-Präsident Donald Trump (79) griff die Argumentation des Ministeriums auf und attackierte den Bürgermeister und den Gouverneur des Bundesstaats Minnesota. «Der Bürgermeister und der Gouverneur stacheln mit ihrer selbstgefälligen, gefährlichen und arroganten Rhetorik einen Aufstand an!», schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Trump schrieb mit Blick auf die US-Einwanderungsbehörde ICE auch: «Lasst unsere ICE-Patrioten ihren Job tun!»
Video zeigt etwas anderes
Videoaufnahmen vom Einsatz werfen jedoch erhebliche Zweifel an dieser Darstellung auf. Darin ist der 37-jährige weisse Einwohner von Minneapolis zu sehen, wie er primär mit seinem Smartphone filmt und versucht, andere Personen vor den Beamten zu schützen. Bei Minute 0:28 wird dem Mann im Handgemenge offenbar etwas entwendet, das wie ein Patronenmagazin aussieht.
Bei Minute 0:40 rennt ein Beamter mit einer Waffe in der Hand weg – dabei handelt es sich nach neusten Erkenntnissen um eine Schweizer Waffe. Einerseits stimmt das mit dem Bild überein, das das Ministerium veröffentlichte. Andererseits nutzen ICE-Beamte keine solchen Waffen. Demnach muss es sich um die Waffe des späteren Opfers handeln. Erst nach dieser Szene eröffnet ein weiterer Beamter das Feuer. Die Aufnahmen legen nahe, dass Pretti zu diesem Zeitpunkt bereits entwaffnet war und keine unmittelbare Bedrohung mehr darstellte.
Fazit: Während DHS den Einsatz als Notwehr darstellt, deutet das Video darauf hin, dass Pretti bereits kontrolliert war, bevor er erschossen wurde. Die Sequenz stellt somit zentrale Punkte der Ministeriumsdarstellung infrage.