Darum gehts
- Trump tobte am Karfreitag nach Absturz eines US-Kampfjets im Iran
- Ein Pilot überlebte, zweiter 36 Stunden schwer verletzt in Gebirge
- 444 Tage Geiselnahme 1979 beeinflusst Trumps Angst vor ähnlichem Szenario
US-Präsident Donald Trump (79) soll herumgeschrien und getobt haben, als er am Karfreitagnachmittag vom Absturz eines US-Kampfjets erfahren hatte. Die beiden Insassen wurden zuerst vermisst; während der Pilot relativ schnell gerettet werden konnte, musste der zweite Mann an Bord 36 Stunden schwer verletzt im iranischen Gebirge durchhalten. Im Rahmen einer Hochrisikomission wurde der US-Soldat schliesslich rausgeholt.
Personen, die Trump an diesem Nachmittag erlebt hatten, erklärten laut dem «Wall Street Journal», dass den 79-Jährigen Bilder der iranischen Geiselkrise von 1979 nicht losgelassen hätten – vermutlich auch im Hinblick auf die anstehenden Midterm-Wahlen in den USA. «Wenn man sich ansieht, was mit Jimmy Carter passiert ist … mit den Helikoptern und den Geiseln, das hat ihn die Wahl gekostet», so Trump Mitte März. «Welch ein Chaos.» Doch was ist damals vorgefallen? Und wieso hat Trump dermassen Angst davor?
444 Tage lang in Gefangenschaft
November 1979: Die Iranische Revolution fegte durch die Strassen von Teheran. Der gestürzte Schah, Mohammad Reza Pahlavi (1919–1980), war geflohen, die USA boten ihm Exil. Den Iranern und Iranerinnen gefiel das gar nicht – am 4. November besetzten Studenten folglich die US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt und nahmen Geiseln. Ihre Forderung: die Auslieferung Pahlavis für die Freilassung der Geiseln. Die Vereinigten Staaten lehnten die Auslieferung des Schahs ab.
Zuerst befanden sich 66 Personen in der Gewalt der Geiselnehmer. Am 19. und 20. November 1979 wurden 13 Personen freigelassen, hauptsächlich Frauen und Afroamerikaner. Aufgrund einer Krankheit, die sich später als Multiple Sklerose herausstellte, wurde am 11. Juli 1980 ein Mann freigelassen.
Im Rahmen der Rettungsmission «Eagle Claw» versuchte die Carter-Administration, die verbleibenden 52 Personen zu befreien – vergeblich. Die Helikopter, die für die Mission eingesetzt wurden, stürzten teils bereits in der Anfangsphase in der Wüste ab. «Eagle Claw» wurde daraufhin eingestellt.
Die restlichen Geiseln blieben folglich bis zum 20. Januar 1981 in Teheran – 444 Tage lang wurden die 50 Männer und zwei Frauen festgehalten. Um ihre Freilassung zu erreichen, mussten die USA dem Iran garantieren, sich nicht in seine politischen Angelegenheiten einzumischen.
Trumps Horrorszenario
Eine solche Geiselnahme dürfte auch für Trump ein Horrorszenario sein. Deswegen würde er sich auch immer wieder mit Händen und Füssen gegen einen Einsatz von Bodentruppen wehren – obwohl er diese auch immer wieder selbst androhte. Die Drohungen sollen lediglich Druck auf den Iran ausüben, um die Mullahs an den Verhandlungstisch zu bringen.
Ein konkretes Beispiel: Laut dem «Wall Street Journal» soll sich Trump gegen eine Bodenoperation auf der Ölinsel Charg ausgesprochen haben. Seine Berater hätten ihm zwar mehrfach bestätigt, dass die Operation gelingen würde, Trump habe sich aber zu sehr vor hohen amerikanischen Verlusten und potenziellen Geiselnahmen gefürchtet. Die Soldaten seien «leichte Beute», so der US-Präsident.
Auch im Hinblick auf die anstehenden Midterm-Wahlen weiss Trump: Wollen er und sein republikanisches MAGA-Lager gewinnen, darf er sich keine weiteren Fehltritte leisten.
Midterm-Wahlen prophezeien Aufschwung der Demokraten
Viele nannten die Geiselnahme von 1979 das grösste aussenpolitische Versagen einer amerikanischen Präsidentschaft in der jüngeren Zeit – auch die Folgen waren klar. Der damalige US-Präsident Jimmy Carter (1924–2024) verlor die nächste Präsidentschaftswahl 1980 gegen seinen republikanischen Herausforderer Ronald Reagan (1911–2004) klar.
Davor hat offenbar auch Trump Schiss – nicht nur werden die Stimmen gegen ihn – auch aus seinem eigenen Lager – immer lauter, es stehen im Herbst zudem die Midterm-Wahlen an. Erste Vorhersagen zeichnen dabei ein klares Bild: Die Demokraten überholen ihre Gegner selbst in republikanischen Hochburgen wie dem US-Bundesstaat Texas. Trump dürfte seine Mehrheit im Senat verlieren.