Darum gehts
- Über 600 Schiffe stecken in der Strasse von Hormus fest
- USA drohen mit Psycho-Waffen und Piraterie, Iran feuert auf Schiffe
- Mullahs haben noch 60 Prozent ihrer Raketenabschussrampen
- Waffenstillstand endet Mittwoch
Wassermelonen wachsen jetzt auf einem der mehr als 600 Schiffe, die an der Strasse von Hormus festsitzen. Gepflanzt hat sie ein chinesischer Matrose, der mit seiner Crew seit 21 Tagen blockiert ist. Die Chance scheint gross, dass er die Früchte ernten kann, noch bevor sein Tanker vom Fleck kommt.
Sowohl der Iran als auch die USA haben die Schalter auf Eskalation umgelegt. Die Revolutionsgarden haben am Samstag entschieden, die Meerenge erneut dichtzumachen. Die Amerikaner ihrerseits drohen mit einer neuen Taktik, die auf den festsitzenden Schiffen Angst und Schrecken verbreitet. Wirklich heftig aber würde es, wenn der Iran ernst macht mit der Drohung, die das Regime am Sonntagmorgen verbreiten liess.
Kurzer Rückblick: Ende vergangener Woche sah kurzzeitig vieles gut aus. Die Strasse von Hormus war offen – wenn man mal vom illegalen Zollsystem absieht, mit dem sich die iranischen Revolutionsgarden am internationalen Schiffsverkehr bereichern wollen. Und wenn man die amerikanische Blockade aller iranischen Schiffe ausblendet, die Washington ab vergangenem Montag durchsetzte. Dann aber machte Teheran am Samstag rechtsumkehrt und stoppte den Verkehr in der Meerenge. Die Blockade gelte so lange, bis die USA aufhörten, iranische Schiffe an der Durchfahrt zu hindern, sagte Teheran.
Hinter den Kulissen verhandeln die beiden Kriegsparteien zwar fleissig weiter. Laut der gut unterrichteten US-Plattform «Axios» sollen die USA gar bereit sein, dem Iran bis zu 20 Milliarden eingefrorener Vermögen zu überweisen, falls die Mullahs ihr angereichertes Uran rausrückten.
Amerikaner setzen auf brutale Psycho-Waffen
Gleichzeitig aber ziehen die Amerikaner in diesen Stunden weitere Kräfte in der Region zusammen, wie ein Blick auf verschiedene Flugzeug- und Militärtracker zeigt. Einsatzbereit steht auch die sogenannte Task Force 59, eine 2021 ins Leben gerufene Super-Tech-Abteilung der US-Navy.
Mit ihren KI-unterstützten Drohnen überwacht die Einheit alles, was durch die Meerenge kommt – oder zu kommen versucht. Falls sich Schiffe ohne Erlaubnis nähern, greift die Einheit mit modernsten Psycho-Waffen an. Dem «LRAD» («Long Range Acoustic Device») zum Beispiel, das Schallwellen von bis zu 150 Dezibel (etwa 15-mal lauter als eine Polizeisirene) zielgerichtet auf die Schiffsbrücken loslässt und damit die ganze Crew sofort lahmlegt.
Ebenfalls im Arsenal hat die Einheit moderne Laserwaffen, mit denen sie Schiffskapitäne blenden kann – ganz ähnlich wie das unfaire Fans immer wieder in Fussballstadien mit Spielern der gegnerischen Mannschaft tun.
Reicht das alles nicht, bereitet sich die US-Navy für die kommenden Tage laut dem «Wall Street Journal» auf regelrechte Piraten-Attacken vor. Mit Schnellbooten und Spezialhelikoptern sollen Elite-Einheiten wie etwa die US-Navy-Seals direkt auf Tankern abgesetzt werden und dort die Kontrolle übernehmen. Ähnliche Angriffe haben die USA in den vergangenen Monaten bereits auf venezolanische Schiffe lanciert. Beschlagnahmen amerikanische Elite-Soldaten aber Öltanker in den internationalen Gewässern von Hormus, wäre das eine neue Eskalationsstufe im Krieg.
Der Iran schaut dem allem nicht einfach tatenlos zu. Übers Wochenende haben seine Revolutionsgarden von Schnellbooten aus auf mindestens zwei Schiffe unter indischer Flagge geschossen, die der Strasse von Hormus zu nahe gekommen waren.
Huthis hätten gefährlichen Trumpf im Ärmel
Laut Recherchen der «New York Times» verfügt der Iran allerdings nicht nur über zahlreiche agile Schnellboote, sondern noch immer über etwa 60 Prozent seiner Raketenabschussrampen und etwa 40 Prozent seiner Angriffsdrohnen. Mehr als genug, um die Strasse von Hormus jederzeit in ein brennendes Seeschlachtfeld verwandeln zu können.
Amerikanische Piraterie-Taktiken und iranische Geschosse in Hormus sind nur ein Teil der Gefahr. Deutlich heftiger zu spüren bekämen wir in Europa, wenn die jemenitischen Huthi-Rebellen sich jetzt – wie am Sonntag vom Iran und den Huthis angedroht – tatsächlich auch noch in den Krieg einmischen würden. Die Huthis liessen verlauten, sie würden die Bab-al-Mandab-Strasse – eine Meeresenge am Eingang zum Roten Meer – blockieren, falls Trump «weiter den Frieden verhindert».
Machen die Huthis ernst, dann wären plötzlich nicht nur mehr Öl- und Gaslieferungen vom Golf gefährdet, sondern der gesamte Handel zwischen Asien und Europa, der zu wesentlichen Teilen durch die Bab-al-Mandab-Strasse (bekannt als «Tor der Tränen») fliesst. Hauptleidtragender wäre Israel, das im Nu rund einen Drittel seiner gesamten Importe verlöre.
Am Mittwoch läuft der eh schon fragile Waffenstillstand zwischen den Kriegsparteien im Nahen Osten aus. Bereits morgen Montag will sich ein US-Team in Pakistan mit der iranischen Seite treffen, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Gerade vielversprechend scheint die Ausgangslage nicht.