Darum gehts
Die Situation im Nahen Osten wird immer brenzliger: Am Wochenende haben sich die Huthi-Kämpfer aus dem Jemen in den Iran-Krieg eingeschaltet und mehrere Raketen nach Israel abgefeuert. Die neue Südfront im Krieg ist nicht nur für Israel gefährlich. Im schlimmsten Fall könnten wir das Eingreifen der Huthis auch in unserem Portemonnaie spüren – viel deutlicher noch als die Blockade der Strasse von Hormus.
Die Huthis – genau wie die Hamas in Gaza und die Hisbollah im Libanon – werden vom Iran seit Jahren mit Waffen und Geld unterstützt. Seit 2000 folgen die rund 350'000 schiitischen Kämpfer dem Leitspruch: «Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien alle Juden!» In ihrem Waffenarsenal findet sich alles, was der Iran zu bieten hat: nebst Lang- und Kurzstreckenraketen auch allerlei Drohnen, Minen und Artilleriegeschosse.
Damit können die Huthis jederzeit die zwischen dem Jemen und Dschibuti verlaufende Bab-al-Mandab-Strasse attackieren und schlimmstenfalls den Schiffsverkehr durch die Meerenge blockieren. Die Folgen wären noch katastrophaler als jetzt bei der Blockade der Strasse von Hormus. Durch Bab-al-Mandab – an der schmalsten Stelle ist die Meeresstrasse gerade mal 27 Kilometer breit – verlaufen rund 12 Prozent des gesamten Welthandels.
Verheerender als Hormus-Blockade
Betroffen von einer Blockade wären nicht nur Öl und Gas wie in Hormus, sondern praktisch alle Güter, die von Asien her durch Bab-al-Mandab und dann weiter nördlich durch den Suezkanal Richtung Europa gelangen. Ein Huthi-Sprecher betonte gegenüber dem Fernsehsender Al Jazeera, dass man die Bab-al-Mandab-Strasse blockieren werde, sollte Israel seine Angriffe auf den Iran nicht sofort einstellen.
Das Beispiel der Strasse von Hormus zeigt: Die Huthis müssen nicht zwingend die militärische Oberhand haben, um die Meerenge vor ihrer Küste faktisch zu blockieren. Es reicht, wenn sie ein paar wenige Minen in die Strasse von Bab-al-Mandab verlegen und damit Unsicherheiten unter den Reedereien und Schiffsversicherern verursachen können. Dümmstenfalls also schaffen es ein paar schiitische Terroristen mit einigen Schnellbooten und Minen in den kommenden Tagen, den Welthandel auf die nächste Talfahrt zu schicken.
Die einzige Alternative, die für den Handelsverkehr bei einer Blockade von Bab-al-Mandab bliebe, wäre die weite Fahrt rund um das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung. Konsequenz: All unsere per Schiff verschickten Lieferungen aus Asien träfen zwei bis vier Wochen später bei uns ein. Ärgerlich für Temu-Fans, potenziell verheerend für eine ganze Anzahl von Branchen, die auf Produkte aus China und Indien angewiesen sind.
Iran heuert Zwölfjährige für Kriegsdienst an
Der Iran bereitet sich derweil auf eine möglicherweise bevorstehende Bodenoffensive der USA vor. Am Wochenende sind 3500 weitere US-Soldaten in der Region angelangt. Als Reaktion auf die Gefahr einer bevorstehenden Invasion bieten die iranischen Revolutionsgardisten laut eigenen Angaben jetzt sogar schon Zwölfjährige zum Kriegsdienst auf.
Laut der «Washington Post» hat das amerikanische Verteidigungsministerium Angriffspläne vorbereitet, die US-Präsident Donald Trump (79) nur noch absegnen müsste. Zudem sorgt ein Brief des Marine-Kommandanten Leonard Anderson in den USA für Unmut, in dem Tausende Reservisten dazu angehalten werden, ihre Familien darauf vorzubereiten, dass sie bald als Teil einer «Massenmobilisierung» eingezogen werden könnten.
Und Trump selbst? Der Commander-in-Chief der US Streitkräfte hat am Wochenende bei einem Auftritt in Miami einen neuen Vorschlag zum Iran-Krieg gemacht: Dem US-Präsidenten wärs recht, man würde die Strasse von Hormus zur «Trump-Strasse» umbenennen – no joke! Den Ernst der Lage scheint Trump selbst nach der jüngsten Huthi-Eskalation noch nicht erkannt zu haben.