Trump und Israel gegen Europa
PR für Irans Massenmörder

Die Mullahs haben früh die westliche Öffentlichkeit als wichtiges Schlachtfeld entdeckt. Jede Kritik am Irankrieg wird für Propaganda genutzt.
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Blumen mit dem Konterfei des verstorbenen Revolutionsführers Ali Chamenei.
Foto: AFP
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Reza RafiChefredaktor SonntagsBlick

Auf ihrer neusten Titelseite der Wochenzeitung «Economist» steht: «Vorteil Iran». Zu sehen ist eine Hand, die die Weltkarte zusammendrückt. Die Aussage: Das Regime in Teheran kontrolliert dank der geografischen Lage einen Teil der globalen Energielieferungen und damit eine Schlagader der Weltwirtschaft. Der Text ist eine pessimistische Aufzählung all der Flops dieses Krieges, den die USA und Israel am 28. Februar gestartet haben: Die iranische Diktatur steht noch immer, ihre Soldaten beschiessen nach wie vor täglich die Nachbarländer, der Ölpreis könnte noch weiter steigen, und der Regierung von Donald Trump droht ein innenpolitisches Fiasko.

Könnte dieser Krieg gar das politische Vermächtnis dieses beispiellos skandalösen US-Präsidenten zerstören? Ist Trump in die Falle asymmetrischer Kriege getappt, wie Henry Kissinger sie einst im Falle Vietnams beschrieb? «Wenn du nicht gewinnst, gewinnt die Guerilla. Wenn die Guerilla nicht verliert, verlierst du.»

Trump lässt seinen Deutern viel Spielraum

Der «Economist»-Artikel spiegelt eine Grundstimmung in der westlichen Hemisphäre wider, die bis in die Schweiz zu beobachten ist: Der Fokus richtet sich auf die erratisch wirkende Kriegsführung des Pentagons, auf die fehlende völkerrechtliche Basis des Angriffs und auf die Standhaftigkeit der Revolutionswächter. Tatsächlich lässt Trump seinen Deutern viel Spielraum.

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Ist sein Gerede von Verhandlungen mit Teheran und die verlängerte Feuerpause gegen Irans Petroindustrie Ausdruck von Trumps Überforderung – oder gerissene psychologische Kriegsführung? Schon einmal übertölpelten die Amerikaner die Mullahs. «Stifte Verwirrung und greife an, wenn der Feind unvorbereitet ist», rät Sunzi im Klassiker «Die Kunst des Krieges». Ob Trump sich am chinesischen Meisterstrategen orientiert, ist nicht bekannt. Hierzulande überwiegt die Lesart, dass sich ein blindwütiger Maniac im Weissen Haus die Weltordnung aufs Spiel setzt.

Reza Pahlavi als Betriebsunfall

Dass Irans Streitmacht mit KI-unterstützten Angriffen Israels und der USA gerade täglich pulverisiert wird, geht im Kriegsnebel unter. Ebenso, dass die Milizen der Islamischen Revolution mangels sicherer Infrastruktur in Tunneln und im Freien übernachten und aus Verzweiflung damit beginnen, Kinder zu rekrutieren. Dem ersten islamistischen Staatsgebilde der Moderne droht, wenn nicht der Kollaps, so doch ein Desaster, das jahrzehntelange Sanktionen nicht bewirken konnten. Risse innerhalb des Apparats werden erkennbar. Dass das Ganze in einer Herrschaft der Militärjunta oder gar in einem Syrien-Szenario enden könnte, ist nicht auszuschliessen.

Für das Überleben der Diktatur haben Irans Führer früh auf zwei Mittel gesetzt: Lüge und Mord. Von Tag eins an eliminierten Chomeinis Schergen Dissidenten und Widerständler im In- und Ausland. Dazu kommt der systematische Einsatz der Todesstrafe als Unterdrückungsmittel. Dass Kronprinz Reza Pahlavi (65) noch lebt und Teilen der Diaspora ein Gesicht gibt, gilt aus Regime-Optik als Betriebsunfall; die Mullahs hatten ihn als möglichen Oppositionsführer nie ernst genommen.

Spaniens Regierungschef auf Shahed-Drohnen

Neben der Repression gegen die eigene Bevölkerung haben die Mullahs früh begriffen, dass sich die westliche Öffentlichkeit als Schlachtfeld anbietet. Während sie dem Volk das Internet abschalten, verfolgen die Ayatollahs akribisch die hiesigen Medien. Dass der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70) den Krieg als illegal geisselte, brachte ihm den Applaus aus Teheran ein. Die Revolutionsgarden sollen gemäss einem unbestätigten Bericht Drohnen mit dem Namen des sozialistischen spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez (54) versehen haben, der sich gegen Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (76) stellt. Welch todbringendes Dankeschön.

Es wäre unfair, die westlichen Exponenten, die mit berechtigten Argumenten diese hochriskante Eskalation kritisieren, als nützliche Idioten der Diktatur zu bezeichnen. Aber es zeigt sich, dass die asymmetrische Kriegsführung nicht nur auf dem Schlachtfeld ausgetragen wird, sondern auch in der PR. Das Cover des «Economist» wurde von regimetreuen Bots in den Social Media eifrig geteilt.

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