Darum gehts
- Selenski besucht Belgrad, Vucic warnt vor grösserem Ukraine-Krieg
- Vucic betont Russlands Atomkraft, bezweifelt ukrainische Siegeschancen
- Vier Jahre Krieg: Vucic sieht 2026 kein Ende des Konflikts
Seit über vier Jahren tobt Krieg in der Ukraine. Obwohl es in der Zwischenzeit immer wieder zu Verhandlungen kam und Gerüchte über ein mögliches Abkommen herumgeisterten, scheint ein nachhaltiger Frieden im Osten Europas noch weit entfernt zu sein.
Einer der wenigen Staatschefs, die sowohl Beziehungen zu Moskau als auch zu Kiew unterhalten, ist Serbiens Präsident Aleksandar Vucic (56). Am Samstag besuchte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski Belgrad – im traditionell pro-russisch eingestellten Serbien löste das einiges an Kritik aus.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 gingen in Serbien beispielsweise Tausende Menschen auf die Strasse, um ihre Solidarität mit Russland und Putin zu demonstrieren. Zwei Jahre später feuerte Vucic selbst die serbische Nationalmannschaft bei einem Fussballspiel gegen die Schweiz mit einem Russland-Schal an.
«Weniger Kontakt» zu Putin
«Ich bin nicht hier, um es den Russen, Ukrainern oder irgendjemand anderem recht zu machen», rechtfertigte sich Vucic am Sonntag im Podcast von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Zu Russlands Machthaber Wladimir Putin (73) habe der serbische Präsident nach eigener Aussage «in letzter Zeit weniger Kontakt als früher».
Nach dem Besuch Selenskis zeigt sich der serbische Präsident äusserst besorgt über die Situation in der Ukraine. «Ich glaube, dass wir am Anfang eines grösseren Krieges stehen. Und deshalb hatte ich gehofft, dass inzwischen jemand anderes etwas getan hätte, um Frieden zu schaffen», meint Vucic im Podcast. «Das ist nicht geschehen, und es wird auch nicht bald geschehen, was bedeutet, dass wir am Rande eines viel, viel grösseren Krieges stehen.»
Kein Frieden in Sicht
Diese Befürchtung scheint Vucic vor allem auf das Waffenarsenal Russlands zurückzuführen. «Ich weiss nicht, wie man gegen Russland gewinnen kann, denn ich glaube nicht, dass das leicht geschehen wird. Denn letztlich ist Russland eine Atommacht und kann nicht ohne weiteres von irgendjemandem angegriffen werden.» Trotz Selenskis Besuch in Belgrad wirkt der serbische Präsident also nicht überzeugt von den ukrainischen Siegeschancen.
Wegen dieser düsteren Prophezeiung bleibt Vucic pessimistisch, was einen baldigen Frieden in der Ukraine angeht. «Ich sehe kein Ende des Krieges in diesem Jahr», meint der serbische Präsident. Er liefert auch gleich eine Begründung für diese Annahme. «Ich glaube, dass eine Seite stärker und – auf die eine oder andere Weise – siegreich sein muss, damit der Krieg endet. Andernfalls sehe ich angesichts der heutigen Pattsituation keine Möglichkeit für Kompromisslösungen.»